StartRheinhessenRettungsdienst Mainz-Bingen: Landrat weist anonyme Kritik zurück

Rettungsdienst Mainz-Bingen: Landrat weist anonyme Kritik zurück

Die geplanten Änderungen bei der Vorhaltung von Rettungswagen sorgen bei Einsatzkräften für Diskussionen.

Die geplante Umstrukturierung im Rettungsdienst Mainz-Bingen sorgt für erhebliche Unruhe unter den Einsatzkräften. Nach Medienberichten über angeblich drohende Versorgungslücken beim Abzug von Einsatzfahrzeugen aus Bingen bezieht die Rettungsdienstbehörde nun deutlich Stellung. Landrat Thomas Barth und der Ärztliche Leiter Dr. Carsten Lott weisen die Bedenken zurück und sprechen von einer datenbasierten Optimierung zum Wohl der Notfallversorgung in der Fläche.

-Werbeanzeige-

Der Rettungsdienst in Ingelheim, Bingen und Gau-Bickelheim

Der Streit um die künftige Aufstellung der Notfallrettung im Landkreis Mainz-Bingen spitzt sich zu. Hintergrund sind geplante Vorhalteänderungen im Rettungsdienstbereich Mainz, die unter anderem die Verlegung von Rettungswagen-Kapazitäten aus dem Binger Raum an den Standort Gau-Bickelheim vorsehen.

Während anonyme Stimmen aus der Mitarbeiterschaft vor Qualitätsverlusten und Überlastungen warnen, hält die Kreisverwaltung die Reform für unumgänglich.

Konflikt um den Rettungsdienst in Mainz-Bingen: Persönliche Betroffenheit oder Versorgungslücke?

Landrat Thomas Barth (CDU) weist die geäußerte Kritik entschieden zurück und führt den Widerstand vor allem auf strukturelle Veränderungen für die Beschäftigten zurück. „Ich habe absolutes Verständnis dafür, dass persönliche Veränderungen Herausforderungen mit sich bringen und nie einfach sind. Aber hier geht es um eine optimierte Patientenversorgung in der Fläche“, erklärt der Behördenleiter. Es sei nie verschwiegen worden, dass neue Dienstpläne und veränderte Einsatzorte für einzelne Mitarbeiter im Rettungsdienst Mainz-Bingen Umstellungen bedeuten.

Zudem hält der Landrat es für fahrlässig, notwendige Anpassungen angesichts ungleicher Versorgungsstrukturen zu blockieren, denn die Konzepte seien von erfahrenen Experten entwickelt worden und beruhten auf detaillierten Datenanalysen. Nach Präsentationen im Kreistag habe er durchaus unterstützende Rückmeldungen von Einsatzkräften erhalten.

Zahlen und Fakten zum Rettungsdienst Mainz-Bingen: Bingen bleibt abgesichert

Um Vorbehalte abzubauen, tritt der Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD), Dr. Carsten Lott, falschen Darstellungen entgegen.

Trotz der Abzüge nach Gau-Bickelheim sei die Binger Bevölkerung weiterhin gut geschützt. Im Binger Stadtgebiet bleibe ein Rettungswagen (RTW) rund um die Uhr stationiert, ergänzt durch ein zweites Fahrzeug für zwölf Stunden am Tag. Zudem sichern die Wachen in Gensingen und Münster-Sarmsheim den Raum Bingen auch nachts ab.

Laut Lott rückt der Binger Stadt-RTW in der Nacht durchschnittlich 2,2-mal aus und nicht achtmal, wie in kritischen Berichten behauptet. Die durchschnittliche Einsatzdauer liege bei 74 Minuten.

Entlastung durch den Standort in Gau-Bickelheim

Gewinner der Umschichtung sei das Umland rund um Gau-Bickelheim. In diesem Einzugsgebiet fallen jährlich etwa 11.000 Notfalleinsätze an, die bisher häufig zeitintensiv durch Fahrzeuge aus Bingen abgedeckt werden mussten.

Durch die Verkürzung der Anfahrtswege um bis zu 15 Minuten pro Einsatz spare das Gesamtsystem beim Rettungsdienst Mainz-Bingen künftig rund 2.750 Stunden Fahrzeugbindung pro Jahr ein. Das entspricht rechnerisch einem Raumgewinn von etwa 7,5 RTW-Stunden pro Tag, was die Hilfeleistungsfristen in der gesamten Region deutlich verbessern soll.

Transformation des HGH Bingen trifft den Rettungsdienst Mainz-Bingen kaum

Auch die Bedenken bezüglich der Umwandlung des Binger Heilig-Geist-Hospitals (HGH) entkräftet die Leitung. Die Notaufnahme des HGH bleibe für niedrigschwellige Erkrankungen weiterhin 24 Stunden geöffnet. Für den Rettungsdienst ändere sich wenig: Bereits vor der Restrukturierung wurden zwei Drittel aller Notfallpatienten aus dem Binger Raum in umliegende Schwerpunktkrankenhäuser transportiert.

Die Kreisverwaltung fordert alle Beteiligten auf, die Debatte um die Zukunft der Notfallversorgung im Rettungsdienst Mainz-Bingen faktenbasiert und lösungsorientiert zu führen, statt Ängste zu schüren.