Zukunftsfähig durchstarten, das haben viele Unternehmerinnen und Unternehmer pandemiebedingt getan oder tun müssen. Entstanden sind zukunftsweisende Ansätze, was aus Krisen entstehen kann. Das macht Hoffnung, auch wenn wir aktuell in eine neue Krise geraten sind, die uns allen bewusst macht, dass Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Wir können dennoch gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und Gutes voranbringen – hier vor Ort, in Europa und darüber hinaus.

In unserer mehrteiligen Serie „Zukunftspotenziale von Unternehmen in unserer Region“ zeigen die Interviewpartnerinnen und -partner wie sie trotz aller Herausforderungen, mit Tatkraft –immer wieder- zukunftsfähig durchstarten.

In dieser Folge haben wir mit der Hörakustikmeisterin Saskia Siegler-Koch über die Veränderungen in ihrem Unternehmen gesprochen

Saskia Siegler-Koch erfüllte sich 2011 ihren großen Traum eines eigenen Fachgeschäfts für Hörakustik mit gleich zwei Filialen in Oppenheim und Saulheim. 2016 folgte die dritte Filiale in Worms. Sie beschäftigt mittlerweile 10 Mitarbeiter/-innen.

An welchen Stellen wurden für Sie die Veränderungen durch die Pandemie besonders deutlich?

Da wir uns immer sehr viel Zeit für unsere Kunden nehmen, haben wir schon immer mit Terminen gearbeitet. Als das Thema Corona aktuell wurde, mussten wir aber alles komplett auf Terminarbeit umstellen und uns auf jeden einzelnen Termin besonders vorbereiten um alle Hygienevorschriften einhalten zu können. Wo sonst die Ladentür für jeden offen stand und Kunden auch spontan vorbeikommen konnten, war auf einmal die Tür verschlossen. Jeder Besuch und sei er noch so kurz, wie zum Beispiel ein Batterie-Kauf musste telefonisch angemeldet und terminlich festgehalten werden. Um die Kunden nacheinander reinzulassen und die Abstandsregelungen einzuhalten installierte ich eine Türklingel. Das war alles sehr aufwendig und eine große Umstellung für uns und auch für die Kunden. Für jeden Termin für den ein Raum gebraucht wurde, musste genau darauf geachtet werden, dass vorher lange genug gelüftet wurde und alles desinfiziert war.

Was besonders ins Gewicht fiel waren die Anschaffungskosten für die Einhaltung der Hygienevorschriften. Es musste in großer Menge Desinfektionsmittel für die Hände und für die Flächen angeschafft werden. Außerdem Desinfektionsmittelspender, Spuckschutzwände und Masken. Mir wurde schnell klar, dass die Maßnahmen der Spuckschutzwände längerfristig benötigt werden und fand Lösungen die langlebig sind und dazu noch optisch was her machten. Deshalb habe ich dann auch direkt investiert. Was ich immer noch als sehr schwierig empfinde, ist die direkte Kommunikation mit den Schutzmasken und dem Kunden. Unsere Kunden sind schon eingeschränkt und lesen viel von den Lippen ab, das fällt komplett weg und die Kunden haben große Mühe uns richtig zu verstehen. Auch haben viele Kunden ihre Hörgeräte verloren, da diese beim Absetzen der Schutzmaske heruntergefallen sind. Im ungünstigsten Fall haben die Kunden das erst später bemerkt und die Hörsysteme waren leider nicht mehr auffindbar.

Durch die Coronaschutzverordnung musste ich jedem Mitarbeiter zwei Schnelltests in der Woche anbieten, was sich nach Anzahl der Mitarbeiter schnell summiert. Je nach Nachfrage und Verordnung stiegen schnell die Preise bei Schnelltests, Desinfektionsmittel und vor allem bei den Schutzmasken. Die ganzen zusätzlichen Kosten finde ich schon sehr belastend. Meine Mitarbeiter und ich mussten die Kunden anfangs immer an die Abstandsregelungen und an das Tragen der Schutzmasken erinnern, da sonst empfindliche Strafen drohten. Wir dürfen uns aber über tolle Kunden freuen, die die Umstellungen mit uns gemeistert haben und stießen auf viel Verständnis.

Welche Entwicklungen sehen Sie für Ihr Unternehmen durch die Pandemie?

Der digitale Wandel ist ja immer mehr am Kommen und macht bei uns auch nicht Halt. Manche Hörgeräte Hersteller bieten mittlerweile die Option der Fernanpassung an. Je nach Hersteller gibt es ein Zubehör, dass wir dem Kunden mitgeben können und über Fernwartung Einstellungen am Hörgerät vornehmen können. Das bietet sich vor allem in einer Hörgeräte Testphase an, in der unterschiedliche Hörsituationen und Einstellungen ausprobiert werden müssen. Normalerweise muss der Kunde für jede Einstellung in das Fachgeschäft kommen, so konnten wir aber einen Termin z.B. via Zoom oder Telefon ausmachen und dann zusammen via Fernwartung die Einstellung ändern.

Das war besonders für die Kunden hilfreich die zu den Corona-Hochphasen nicht das Haus verlassen oder Kontakte vermeiden wollten. Jetzt ist es eine Möglichkeit mit dem Kunden zu arbeiten, der viel durch den Beruf unterwegs ist und/oder nicht viel Zeit hat. Es ist aber mit einem Termin vor Ort nicht vergleichbar. Das Einsetzen üben, oder die Kontrolle ob es auch richtig sitzt geht nur im Fachgeschäft. Manchmal muss auch noch am Ohrstück was nachgearbeitet werden, dafür benötigen wir den Kunden und das Hörgerät bei uns.

Welche Entwicklungen könnten eine langfristige Wirkung haben?

Durch Corona habe ich gelernt, mit meinem Team über Netmeeting in Kontakt zu bleiben. Wir haben während den Phasen der Kontaktbeschränkungen regelmäßig ein digitales Team-Meeting gemacht. Regelmäßiger Austausch ist wichtig und via Bildschirm ist es schön sich wenigstens auch sehen zu können. In der Corona-Hochphase habe ich darauf geachtet, dass die Mitarbeiter nicht in die anderen Filialen wechseln, um unnötigen Kontakt zu vermeiden. Falls wir Material von einer Filiale in die andere Filiale bringen mussten, so wurde das kontaktlos erledigt. Im ersten Jahr haben wir auch eine digitale Weihnachtsfeier zusammen gemacht. Das war zwar auch ganz lustig, aber ersetzt nicht einen Abend gemeinsam in gemütlicher Runde.

Was meiner Meinung nach auch sicher noch längerfristig beibehalten wird, sind die Desinfektionsstationen an den Eingängen der Geschäfte und auch die Masken werden sicher in einigen Bereichen freiwillig weitergetragen. Man hat sich da mittlerweile dran gewöhnt und diese Möglichkeiten teils auch zu schätzen gelernt, da hierdurch ja auch andere Krankheiten eingedämmt werden konnten.

Für mich als Unternehmerin war es eine große Erleichterung, dass wir Hörakustiker als systemrelevant eingestuft wurden. Worüber ich mich in dieser stürmischen Zeit am meisten freue, ist der Zusammenhalt meiner Mitarbeiter und ich möchte mich für ihre Unterstützung herzlich bedanken.


Kommentar von Torben Anschau

Torben Anschau, Coach bei Restart

„Was uns bei Koch Hörgeräte Akustik besonders aufgefallen ist: Manche Herausforderungen und Schwierigkeiten mussten in der Pandemiezeit schnell, kreativ und mit Power gelöst werden – doch diese Lösungen haben insgesamt einen Mehrwert weit darüber hinaus. So etwa die Teamkommunikation über Video, mit der es Geschäftsführerin Saskia Siegler-Koch gut gelingt, ihr Team zusammenzuhalten. Wir sind schon gespannt, welche Ideen unsere nächsten Interview-Partner umsetzen.“

 

 

 


Über Restart

Sie sind selbständig oder haben ein kleines Unternehmen und stecken gerade auch mitten in Veränderungen oder Schwierigkeiten? Gerne sortieren wir mit Ihnen gemeinsam Ihre Fragen, Ideen und Themen und erarbeiten Wege, damit Sie (wieder) zukunftsfähig durchstarten können. Möchten Sie mitmachen? Sie erreichen das Team unter www.restart.vision, per Mail an restart@mki-ev.de oder telefonisch unter 06131 217 11 92.

Die Teilnahme an „Restart – zukunftsfähig durchstarten“ ist für Selbständige, Freiberufler/-innen und Kleinstunternehmen in Rheinland-Pfalz kostenfrei. Dies wird ermöglicht durch die Förderung im Rahmen der Arbeitsmarkt­initiative #rechargeRLP. Sie wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz aus Mitteln des EU-Hilfsprogramms REACT-EU über den Europäischen Sozialfonds (ESF) umgesetzt.