Das größte Spiel des Jahres steigt im American Football in der Nacht zum Montag. Die Tampa Bay Buccaneers fordern die Kansas City Chiefs um den Super Bowl heraus. Es ist ein Duell der Generationen mit einem Altersunterschied, wie der im Leistungssport kaum größer sein könnte.


Wir schreiben den 3. Februar 2002. In einem texanischen Kaff darf der sechs Jahre alte Patrick länger aufbleiben. Schließlich ist Super Bowl. Das wichtigste Spiel des Jahres und ein großes Familienereignis, für das die Amerikaner Unmengen an Bier, Cola, Hot Dogs, Burger und Chips auffahren. Ob der kleine Patrick noch wach ist, als Tom Brady seinen ersten Super Bowl gewinnt, ist nicht überliefert. Jedoch sicher ist, dass er 19 Jahre später die Chance hat, gegen eben diesen Brady den wichtigsten Titel im Football zu gewinnen.

43 Jahre alt ist Tom Brady. Zahlreiche Artikel wurden über sein bevorstehendes Karriereende geschrieben und gelesen. Trotzdem hat er es noch einmal in den Super Bowl geschafft. Und das auf der prominentesten Position des Spiels: der des Quarterbacks. Der Mann, der die Bälle verteilt und wenn er das nicht rechtzeitig schafft, zu Boden gerissen wird wie eine Kuh beim Rodeo. 43 Jahre hin oder her.

Zwei Jahrzehnte hat Brady bei den New England Patriots gespielt. Eine Ära geprägt. Sechs Super Bowls gewonnen. So viel wie kein anderer vor ihm. Dennoch sprechen ihm seine Hater ab, der Größte aller Zeiten zu sein. Auf Twitter ist es längst eine eigene Kategorie geworden, zu beweisen, dass andere Quarterbacks weiter werfen, häufiger Bälle anbringen, schneller laufen und seltener zu Boden gebracht werden.

Der Größte aller Zeiten

Zwei Worte gibt es aber, um Bradys Hater vor eine nicht zu überwindende Hürde zu stellen: sechs Ringe. Einen für jeden gewonnen Super Bowl. Eine unglaubliche Leistung. Denn anders als im Fußball gibt es im Football Mechanismen, die verhindern sollen, dass ein Team zu erfolgreich und der Sport so langweilig wird. Die Mannschaften dürfen nur eine bestimmte Menge Geld ausgeben und die starken Talente gehen an die schwächeren Teams.

Sie haben beim Draft den bevorzugten Zugriff. Dann wenn die Talente aus dem College-Football an die Teams aus der Profi-Liga NFL verteilt werden. Wer als erster Spieler zugeteilt wird, beschäftigt die Amerikaner Monate zuvor.

Tom Brady wurde diese Ehre nicht zuteil. Erst als schon 198 andere Spieler seines Jahrgangs vergeben waren, griffen die Patriots bei dem Kalifornier zu. Unterschätzt zu werden, gehörte von Beginn an zur Karriere Bradys. Dann trotzdem erfolgreich zu sein  aber genauso.

Nur erfolgreich dank den Patriots?

Er sei nur so stark, weil die Patriots so erfolgreich sind, haben seine Hater ihm immer nachgesagt. Bis dieses Jahr. Die Patriots verpassten im Jahr nach Brady die Playoffs. Die Bucs stehen nun mit ihm im Finale. Eine Mannschaft, die vorher 13 Jahre lang nicht einmal die Playoffs erreicht hat.

In einem haben die Hater (fast) recht: Brady ist in nichts der Beste. Nicht im Werfen und schon gar nicht im Laufen. Nur etwas kann der 43-Jährige wie kein anderer: Diszipliniert sein und die Nerven behalten. Legendär ist das Finale im Jahr 2017. Mit 28:3 führten die Atlanta Falcons im dritten Viertel des Super Bowls gegen die Patriots. Dann drehte Brady das Spiel.

Im Frühjahr verweigerten die Patriots dann die Vertragsverlängerung zu seinen Bedingungen. Brady zog mit seiner Frau Gisele Bündchen zurück in die alte Heimat. Nach holprigem Saisonstart brachte er die Bucs auf Kurs. Weil sie in der regulären Saison noch schlecht gespielt hatten, mussten sie in allen drei Partien der Playoffs auswärts antreten. Und gewannen drei mal.

Außenseiter Brady

Trotz seiner beeindruckenden Biographie ist Brady am Sonntag Außenseiter. Die Chiefs sind Titelverteidiger. Und ihr Quarterback Patrick Mahomes ist keinen Deut weniger schillernd als Brady. Im Gegenteil. Er hat spätestens im Vorjahr mit seinem ersten Titel Brady als das Gesicht der NFL abgelöst.

Mahomes ist ein Vertreter einer neuen Generation an Quarterbacks, die den Ball deutlich öfters auch selbst laufen. Doch anders als etwa Lamar Jackson von den Baltimore Ravens hat Mahomes auch einen starken Wurfarm, mit dem er auch Pässe über 40 Yards sicher anbringen kann.

Zudem hat Mahomes einen wachen Kopf. Wenn die Spielzüge nicht so verlaufen, wie es die Coaches vorgegeben haben, kann der gebürtige Texaner schnell reagieren, sich etwa mit einem spontanen Kurzpass aus der Verlegenheit helfen.

Favorisierte Chiefs

Nicht nur weil Mahomes jünger ist, gelten die Chiefs am Sonntag als die Favoriten. Sie verfügen über die stärkeren „Waffen“. Mit Tyreek Hill haben sie einen unglaublich schnellen Passempfänger in ihren Reihen, mit Travis Kelce den vielleicht besten Tight End der Liga. Das sind groß gewachsene Spieler, die abwechselnd gegnerische Verteidiger abblocken und selbst Bälle fangen.

Hinzu kommt ein Trainerstab der Chiefs um Andy Reid, der eine große Bandbreite an Spielzügen entwickelt hat. So ist der Titelverteidiger kaum berechenbar: Nehmen die Gegner Hill in Sonderbewachung, beherrschen die Chiefs mit Laufzügen das Spiel. Machen die Verteidiger vorne das Feld zu, droht Hill sie in ihrem Rücken in Grund und Boden zu laufen. Und haben die Verteidiger Mahomes wirklich alle Optionen zugestellt, dann läuft er eben selber.

Eine Chance haben die Bucs. Es sind die starken Nerven Bradys. Gelingt es wiederum ihnen mit sicherem Lauf- und Passspiel, die Chiefs lange vom Feld zu halten, könnte es den gleichen Effekt wie im Super Bowl 2019 geben, als Jared Goff für die LA Rams das schlechteste Spiel seiner Karriere hinlegte. Brady hatte ihn mit langen Ballbesitzen konsequent vom Feld gehalten.

Wer die Football-Regeln nicht kennt, dem haben wir sie hier bereit gestellt.


Kick Off für den Super Bowl ist nach deutscher Zeitmessung in der Nacht zum Montag um 0.30 Uhr. Gezeigt wird er im Free TV von Pro7.