Das Sicherheitsgefühl der Bürger in den Städten hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Unabhängig von den konkreten Fallzahlen beeinflusst die Diskussion über „latente und abstrakte“ Gefährdungen durch Anschläge mit Fahrzeugen die Bevölkerung.


„Zufahrtsschutzkonzeptes gegen Überfahrtaten“

Die tragischen Vorfälle in Trier im Dezember 2020 haben zudem vor Augen geführt, wie unmittelbar die Lebensverhältnisse auch in rheinland-pfälzischen Kommunen durch ein Anschlagsszenario betroffen sein können. Spätestens seit diesem tragischen Ereignis stehen die Kommunen vor der Herausforderung, im Verbund mit den Sicherheitsbehörden ihre Sicherheitsarchitektur kritisch zu hinterfragen, beziehungsweise erstmalig als eine eigene kommunale Aufgabe zu definieren.

Die Stadtspitze in Mainz hat dieser Entwicklung bereits im Jahr 2018 Rechnung getragen und die Verwaltung mit der Erarbeitung eines sogenannten „Zufahrtsschutzkonzeptes gegen Überfahrtaten“ beauftragt. Dabei stand nicht der Schutz von Gebäuden sondern der von Personenansammlungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen im Vordergrund. Die konkrete Umsetzung dieses Planungsauftrages erfolgt beim Stadtplanungsamt, in dessen Abteilung Verkehrswesen von den Aktivitäten zum „Tag der Deutschen Einheit“ 2017 bereits praktische Erfahrungen mit der Thematik vorlagen.

Mit Unterstützung eines international renommierten Gutachters wurde in der Folge ein Konzept erstellt, das sich primär auf Personenansammlungen im Zuge großer regelmäßiger Volksfeste und Sportveranstaltungen in der Mainzer Innenstadt richtet, gleichzeitig aber auch einen Einstieg in die Regulierung der Einfahrten in Bereiche der Mainzer Fußgängerzonen darstellt.

Besondere Anforderungen an die technischen und gestalterischen Aspekte der Schutzmaßnahmen

Neben der primären Funktion von Sperreinrichtungen zur Abwehr von Überfahrtaten stellen sich dabei auch weitere Anforderungen an die technischen und gestalterischen Aspekte der Schutzmaßnahmen. So ist der öffentliche Personennahverkehr zu gewährleisten, Not- und Rettungswege müssen freigehalten und die Zufahrtsmöglichkeiten für Lieferanten, Taxen etc. ermöglicht werden. Auch komplexe technische Fragestellungen zur Vernetzung der beweglichen Polleranlagen mit den Leitstellen bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten gehen mit den Planungen einher. Insgesamt sollen in der Mainzer Innenstadt ab dem Frühjahr sukzessive an zehn Standorten permanente Sperreinrichtungen eingebaut werden, beginnend am Montag, 14. März mit zwei Anlagen in der Fuststraße und Liebfrauenstraße. Die Bauzeit je Standort wird insgesamt rund 3 Wochen betragen, entsprechende Umleitungen werden eingerichtet.

Patentiertes System mit horizontal verschiebbaren Pollern

Anders als die vereinzelt im Stadtgebiet bereits installierten Versenk-Poller, die beim Öffnen senkrecht in den Untergrund fahren, handelt es sich hierbei um ein patentiertes System mit horizontal verschiebbaren Pollern, die deutlich geringere Einbautiefen und damit ein niedrigeres Konfliktpotential mit dem Leitungsbestand im Untergrund aufweisen.
An den fertig errichteten Anlagen werden dann im Endzustand verschiedene technische Vorrichtungen dafür Sorge tragen, dass Berechtigte auch außerhalb der Lieferzeiten diese problemlos werden passieren können. In einem fortgeschrittenen Zustand ist das System dann in der Lage, die heutzutage unerlaubten Zufahrten von Kfz in die Altstadt zu regulieren und entsprechend zu minimieren.

Der Zufahrtsschutz ist ein neuer Baustein im Erscheinungsbild und der Funktion der Innenstadt, mit dem alle Beteiligten in der Anfangsphase den Umgang werden lernen müssen. Gleichwohl erhöht es signifikant das Sicherheitsniveau bei Veranstaltungen wie der Mainzer Johannisnacht und anderen großen Festen. Dies bestätigt auch die Auswahl der Stadt Mainz als Modellkommune durch das rheinland-pfälzischen Innenministerium, im Zuge dessen die Umsetzung des Projektes maßgeblich gefördert wird.