Drinnen werden Messewände eingezogen, Betten vorbereitet, Stromleitungen gelegt, Tischchen und Lampen verschraubt und montiert – draußen Rohre verlegt, Container und ein Zelt für das Catering aufgestellt. An der IGS Mainspitze in Ginsheim-Gustavsburg haben zurzeit noch Handwerker das Sagen. Nicht mehr lange: Wo sich sonst Schüler zum Sportunterricht treffen, werden in den kommenden Tagen schon Menschen leben und schlafen, die vor der russischen Invasion in der Ukraine nach Deutschland geflohen sind.


Die ersten Geflüchteten kommen am Donnerstag

„Am Donnerstag werden die ersten 150 Menschen aus der Erstaufnahme in Gießen in die Notaufnahme kommen, um von hier nach und nach auf andere Unterkünfte im Kreis verteilt zu werden“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Walter Astheimer. Platz ist in den zwei Sporthallen für rund 500 Personen. „Die kleinen, abgeschlossenen Wohneinheiten, die mit richtigen Betten bestückt sind, bieten sogar ein klein wenig Privatsphäre“, betonten Landrat Thomas Will und Astheimer. „Wer die aktuellen Bilder aus der Ukraine sieht, weiß, wie wichtig es ist, dass wir den Geflüchteten eine menschenwürdige Bleibe anbieten können“, so Astheimer. „Mit der IGS haben wir eine gute Zwischenlösung finden können, um ihnen Schutz und Unterkunft zu gewähren.“

Im Auftrag des Kreises hat die Firma Top Team, erfahren im Aufbau solcher Unterkünfte, die Notunterkunft errichtet. Insgesamt sei es eine relativ große Herausforderung gewesen, das Material zu beschaffen, sagte Geschäftsführer Alexander Törpsch-von der Heide. Bis zu 100 Leute seien beim Aufbau im Einsatz. „Wir mussten 300 Betten bestellen, zudem Tische und Stühle, Hygienematerial. Sehr schwierig war es, überhaupt an Messewände zu kommen, denn die werden aktuell in Impf- oder Testzentren, bei Events und Veranstaltungen genutzt. Gut, dass der Kreis hier so schnell gehandelt hat.“

Koordiniert wurden die Arbeiten vom Fachbereich Gefahrenabwehr der Kreisverwaltung

Die Notunterkunft dient als Puffer für die weitere Verteilung an die Kommunen im Kreis oder in anderen Liegenschaften des Kreises. „Es ist uns gelungen, für Aufbau und Betrieb der Notunterkunft einen externen Dienstleister zu beauftragen“, sagte Andreas Möstl von der Gefahrenabwehr des Kreises. „Somit mussten für dieses Projekt keine ehrenamtlichen Einsatzkräfte eingesetzt werden. Vorbereitungen für weitere Notunterkünfte sind bereits getroffen.“

„Wir wissen, dass wir den Schulen und Vereinen mit der Belegung der Sporthallen viel zumuten. Aber die Zahl der zu uns aus dem Kriegsgebiet Geflüchteten wird weiter deutlich ansteigen, da reichen die Betten in den Hotels und Pensionen und privat zur Verfügung gestellten Wohnungen im Kreis schon bald nicht mehr aus“, sagte Oliver Hegemann, Leiter des Fachbereichs Soziale Sicherung. Registrierung, medizinische Versorgung, Impfung, Essen und Trinken, Kinderbetreuung, Care-Pakete mit hygienischer Erstausstattung, Internet-Anschluss, Sicherheit – darum kümmert sich nun der Dienstleister in Zusammenarbeit mit den Fachstellen des Kreises.

Die ersten Kinder aus der Ukraine werden seit Wochenbeginn an der IGS Mainspitze unterrichtet

„Damit ist der Krieg bei uns endgültig angekommen“, sagte die Schulleiterin Sabine Reich. „Für uns war es von Anfang an klar, dass es eine Art der Solidarität ist, wenn wir die beiden Sporthallen als Notunterkunft abgeben“, sagte sie. „Jetzt müssen wir zusammenrücken. Wichtig ist, dass Menschen, die geflüchtet sind, ein Dach über dem Kopf haben.“ Voll des Lobes sind Landrat Will und Erster Kreisbeigeordneter Astheimer, was die Zusammenarbeit mit der Schule anbelangt. „Die IGS Mainspitze und Schulleiterin Reich haben von Anfang an sehr gut mit uns kooperiert und waren bereit, ihre Interessen mit uns abzustimmen und zum Beispiel Teile des Sportunterrichts nach außen zu verlagern, für das gute Miteinander möchten wir uns herzlich bedanken“, so Landrat Will.

Unterdessen überlegen sich die Schüler der IGS bereits, mit welchen Aktionen sie die Geflüchteten willkommen heißen können. Vielleicht dürfen sich einige der Kinder und Eltern, die ab Donnerstag vorübergehend in der IGS wohnen werden, bereits über selbstgemalte Bilder freuen. „Diese Bilder haben einen hohen ideellen Wert und zeigen: Ihr seid hier willkommen.“