Offenbar haben Behörden knapp einen Anschlag auf eine Synagoge in Hagen verhindert. Es habe ernste Hinweise auf „eine islamistisch motivierte Bedrohungslage“ gegeben, so der Nordrhein-Westfälische Innenminister Reul.


Sprengstoffhunde durchsuchten die Synagoge

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat möglicherweise einen Anschlag auf eine Synagoge in Hagen vereitelt. „Wir haben einen sehr ernstzunehmenden und konkreten Hinweis erhalten, dass es während Jom Kippur zu einem Anschlag auf die Synagoge kommen könnte“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul. Dieser habe auch die mögliche Tatzeit, den Tatort und den Täter umfasst. Laut Medienberichten hatte zuvor ein ausländischer Geheimdienst die deutschen Sicherheitsbehörden über einen mutmaßlichen Islamisten informiert. Dieser soll den Berichten zufolge in einem überwachten Chat einen Anschlag auf eine Synagoge angekündigt haben.

Die Polizei hatte daraufhin am Mittwochabend (15. September 2021) die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Synagoge verschärft, das Gebäude sowie die Umgebung evakuiert und mit Hilfe von Sprengstoffhunden abgesucht. Dabei sei jedoch nichts gefunden worden.

Vier Personen wurden festgenommen

Im weiteren Verlauf wurde jedoch ein 16 Jahre alter Hagener mit syrischen Wurzeln vorläufig festgenommen und dessen Wohnung durchsucht. Bei ihm wurden zudem sein Vater und zwei seiner Brüder angetroffen, welche die Polizei ebenfalls vorläufig festnahm.  Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf teilte mit, dass bei den Durchsuchungen der Ermittler bislang keine Bombenbauteile gefunden wurden. Dafür seien Handys und andere Speichermedien sichergestellt worden, die untersucht werden.

16-Jähriger soll Kontakt zu bekanntem Islamisten haben

Allerdings ergab sich nach Angaben der Polizei kein dringender Tatverdacht gegen den Vater und die Brüder des 16.Jährigen. Sie wurden deshalb am Donnerstag (16. September 2021) entlassen. Die Ermittlungen und die polizeilichen Maßnahmen gegen den 16-jährigen Jugendlichen dauern weiterhin an.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Jugendliche habe Kontakt zu einem bekannten Islamisten im Ausland gehabt und sich mit der Frage beschäftigt, wie man eine Bombe baut.

In einer ersten kurzen Aussage habe der 16-Jährige zugegeben, dass er sich über den Messengerdienst Telegram von einem Kontaktmann namens Abu Hab den Bau einer Bombe habe erklären lassen, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger unter Berufung auf Ermittlerkreise. Einen Anschlag auf die Synagoge habe er aber angeblich nicht geplant. Noch offen ist, ob gegen den 16-jährigen Tatverdächtigen Haftbefehl erlassen wird.


Anwalt rechnet mit Freilassung

Der Anwalt des Jugendlichen rechnet mit der Freilassung seines Mandanten noch im Laufe des Freitags (17. September 2021). „Es hat sich kein Tatvorwurf erhärtet, der das rechtfertigen würde“, sagte der Hagener Strafrechtler gegenüber Medien. Zu der Vernehmung wollte er sich nicht äußern. Auch die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf vermeldete am Freitagmorgen zunächst keinen neuen Sachstand.

Stimmen aus der Jüdischen Gemeinde

„Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen an den Anschlag an Jom Kippur vor zwei Jahren in Halle“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Er dankte auch der Polizei: „Wir danken den Sicherheitsbehörden, die offenbar einen Anschlag auf die Synagoge in Hagen verhindert haben.“

Die frühere Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, erklärte, der mutmaßliche Anschlagsversuch zeige erneut, „dass jüdisches Leben ohne Angst in Deutschland noch immer nicht möglich ist, allen guten Worten zum Trotz.“ Ohne Polizeischutz sei das auch weiterhin undenkbar.

„Wer mit Kippa unterwegs ist, wer eine Davidsternkette trägt oder wer am Abend des höchsten jüdischen Feiertages zu seiner Synagoge aufbricht, der begibt sich in Gefahr – so denken inzwischen viele in der jüdischen Gemeinschaft“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München.

Bundesinnenminister Horst Seehofer dazu

Für den Schutz jüdischer Einrichtungen müsse alles Menschenmögliche getan werden, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). „Nie wieder dürfen Jüdinnen und Juden in unserem Land in Angst leben.“ Für Antisemiten sei in der deutschen Gesellschaft kein Platz.

„Der, der terroristische Taten plant, muss des Landes verbracht werden“

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ging auch bei einem Wahlkampftermin auf die mutmaßlichen Anschlagspläne ein. „Wer sich hier integriert, soll sich integrieren, soll Deutsch lernen und soll auch einen Job ausüben und der darf auch bleiben. Aber der, der terroristische Taten plant, muss des Landes verbracht werden“, sagte der Kanzlerkandidat der Union im niedersächsischen Hittfeld. „Das muss klipp und klar sein. Und dafür steht die Union.“ Erhöhte Sensibilität sei gegenüber allen Extremisten erforderlich. „In Halle waren es die Rechtsradikalen, die einen Anschlag verübt haben. Anderswo sind es Islamisten. Am dritten Ort haben wir Linksextremisten“, sagte Laschet. „Alle Extreme müssen wir ohne Scheu, ohne blind auf einem Auge zu sein, bekämpfen.“