Neonazis marschierten durch Alzey und schwenkten ihre Fahnen

Zeitgleich war eine Gegendemonstration der Antifa angemeldet

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Am Samstagnachmittag (15. Januar 2022) fand gegen 16:00 Uhr eine Demonstration der Kameradschaft Rheinhessen, der NPD und der Rechten in Alzey statt. Zeitgleich war eine Gegendemonstration der Antifa angemeldet. BYC-News war vor Ort.


Bereits zu Beginn kochte die Stimmung

Treffpunkt der beiden Parteien war der Bahnhof in Alzey. Vor Ort hatten sich zahlreiche mit Helmen und Schlagstöcken ausgerüstete Einsatzkräfte der Polizei auf dem gesamten Bahnhof verteilt platziert. Rund 20 Mannschaftsbusse der Polizei standen am Bahnhof. Auch Motorradpolizisten, das Deutsche Rote Kreuz sowie das Ordnungsamt und eine Sozialpädagogin der Stadt Alzey waren vor Ort. Die Bahnhofstraße wurde für die Dauer der Demonstration gesperrt.

Bereits vor 16 Uhr waren die ersten Demonstranten der rechten Szene vor Ort. Angereist waren die meisten von ihnen mit dem Zug, wobei sie von Polizisten schon im Zug begleitet wurden. Die erste brenzlige Situation ließ nicht lange auf sich warten, als ein Nazi einen anderen am Bahnhof als „scheiß Kanacke“ betitelte. Die Polizei reagierte umgehend und konnte die Situation deeskalieren. Insgesamt waren etwa 30 Demonstranten der rechten Parteien vor Ort, die sich am Bahnhof zum Großteil vollständig vermummten. Frauen und Männer waren dabei in etwa gleichermaßen vertreten.

Kurz nachdem die Demonstranten der linken Szene eintrafen, wurden diese von der Polizei an eine Hauswand auf der gegenüberliegenden Straßenseite gestellt. Sie erhielten die Anweisung, dort zu bleiben, um Auseinandersetzungen zu verhindern. Am Bahnhof waren von der gegnerischen Demo rund 40 Personen vor Ort. Auch hiervon waren einige vermummt. Sie riefen bereits am Bahnhof lautstark Parolen, wie „ob Ost, ob West – Nieder mit der Nazi-Pest“ gegen die rechte Szene.

Aufzug zum Parkplatz an der Ostdeutschen Straße

Gegen kurz nach 16:00 Uhr startete der Aufzug vom Bahnhof in die Antoniterstraße. Vorneweg liefen zur Absicherung einige Einsatzkräfte der Polizei, gefolgt von dem roten VW Bus der Nazis, der mit einem Lautsprecher ausgerüstet war. Rund 25 Demonstranten der rechten Szene liefen hinter dem Bus her, einige von ihnen schwenkten die Reichsflagge. Aus dem Lautsprecher, der mit einem Spanngurt auf dem Dach des roten Busses befestigt war, lief lautstarke Musik. In der Antoniterstraße saßen zwei mit Kopftüchern bekleidete Frauen, denen die Tränen kamen, als sie die Demonstranten der rechten Szene sahen.

Einige Demonstranten der Antifa standen auf der teilweise für den Verkehr gesperrten Wegstrecke, schwenkten dort ihre Fahnen und warteten auf die Nazis. Beide Parteien schrien lautstark ihre Parolen, beleidigten sich gegenseitig. Zudem hatten sich einige Demonstranten der Antifa auf der Wegstrecke in Ecken, hinter Baustellenzäunen, Bäumen oder Gebäuden versteckt und sich dort vermummt. Die Polizei suchte aus diesem Grund zuvor die Strecke ab, um Auseinandersetzungen und Angriffe zu verhindern.


Kundgebung der rechten Szene

Der weitere Weg der Demonstranten führte durch die Klosterstraße bis zum Parkplatz an der Ostdeutschen Straße, wo eine Kundgebung stattfand. Unter anderem erklärten sie, dass Corona nicht existiere und das alles von den Arabern gesteuert werde. Zudem erinnerten sie im Rahmen der Reden mehrfach an den „geschichtsträchtigen Tag der deutschen Reichsgründung“, den 18. Januar 1871. Im Anschluss riefen sie laut „Deutschland den Deutschen“. Zudem spielten die Teilnehmer der rechten Szene Musik über den Lautsprecher ab. Währenddessen schwenkten sie weiter ihre Flaggen, einige von ihnen hielten Fackeln in der Hand. Die coronabedingten Mindestabstände von jeweils 1,5 Metern wurden dabei mehrfach unterschritten.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich rund 60 Gegendemonstranten der Antifa vor Ort und standen hinter Absperrgittern um den Platz herum. Diese riefen auch weiterhin ihre Parolen und machten sich lautstark bemerkbar.

Mehrfache Diskussionen mit der Polizei

Mehrfach kam es zu Diskussionen mit den eingesetzten Polizeibeamten. Weil die Abstände durch die Demonstranten trotz mehrmaliger Aufforderung nicht eingehalten wurden, kündigte die Polizei an, die Situation nun zu filmen. Zudem bauten die Beamten gegen 17:20 Uhr Strahler auf, um auch in der einbrechenden Dunkelheit den Überblick über den Platz und die Menschen zu behalten.

„Deutschland, Deutschland über alles..“ wurde über den Lautsprecher abgespielt

Gegen 17:35 Uhr zogen die Demonstranten weiter und liefen über die Raugrafenstraße und die Berliner Straße zurück zum Bahnhof in Alzey. Auf der Wegstrecke hatten sich zuvor bereits Personen aus der linken Szene platziert. Die Polizei lief daher auch dieses mal wieder voraus uns sicherte die Strecke ab.

Am Bahnhof angekommen wurde die Demonstration der Nazis noch einmal fortgeführt. Auch dieses mal dröhnte die Musik wieder aus dem Lautsprecher auf dem VW Bus. Unter anderem auch die erste Strophe der deutschen Nationalhymne „Deutschland, Deutschland über alles..“

Darauf reagierten die Gegendemonstranten mit einer Sitzblockade. Auch hier waren zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei direkt vor Ort. Gegen 18:30 Uhr wurde die Demo schließlich beendet. Auch bei der Abreise mit dem Zug wurden die Nazis wieder von Polizisten begleitet.

Von der Polizei waren rund 150 Einsatzkräfte zum Teil auch mit Diensthunden vor Ort. Auch das Deutsche Rote Kreuz sowie das Ordnungsamt und eine Sozialpädagogin der Stadt Alzey waren im Einsatz.