Der Baubeginn für das erste Wärmequartier in Mörfelden-Walldorf steht unmittelbar bevor. Ende Februar geht es los und die Heizzentrale an der Stadthalle wird errichtet. Von hier aus laufen zukünftig die Rohre der Nahwärmeversorgung unter der Okrifteler Straße entlang. Das Projekt ist eine Kooperation von Stadt und der Genossenschaft „BürgerEnergieRheinMain eG“.


Die Stadt wird damit ein Stück unabhängiger von Öl und Gas

„Es ist das bislang größte Projekt der BERMeG und ein Modell für die Zukunft“, sagt Thomas Otterbein, Vorsitzender der Genossenschaft. In einem ersten Schritt werden sieben städtische Gebäude versorgt. Außerdem wird ein mehrstöckiges privates Wohnhaus an das Nahwärmenetz angeschlossen. „Die Stadt wird damit wieder ein Stück unabhängiger von Öl und Gas und setzt auf einen regenerativen Brennstoff“, hebt Bürgermeister Thomas Winkler hervor.

Ab Beginn der Heizperiode 2022 liefert die Genossenschaft die Wärme für Stadthalle, Jugendzentrum, Kita, Sporthalle, die Feuerwehr, den Bauhof und ein städtisches Wohngebäude in der Okrifteler Straße. „Jedes Jahr möchten wir so 350 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen“, freut sich Thomas Winkler. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Stadt ihre veralteten Heizungsanlagen in den betroffenen Gebäuden nicht sanieren muss. In den nächsten Jahren hätte die Stadt dafür etwa 600.000 Euro bereitstellen müssen.

Das neue Wärmequartier aus der Luft | Foto: Sebastian Schwappacher

Holz, das nicht weiterverarbeitet werden kann, landet in der Heizzentrale

In dem zentralen Heizkraftwerk werden ein Holzhackschnitzelkessel und eine Solarthermieanlage installiert. Letztere übernimmt in der heizfreien Zeit einen großen Teil der Warmwasserversorgung. Die Holzhackschnitzel werden als Abfallprodukte aus der regionalen Land- und Forstwirtschaftspflege sowie dem holzverarbeitenden Gewerbe bezogen. Holz, das nicht weiterverarbeitet werden kann, landet in der Heizzentrale. Für die Nahwärmeversorgung werden keine Bäume gefällt und keine Wälder gerodet. Für das moderne Heizkraftwerk und den Anschluss der Gebäude investiert die BERMeG 2,7 Millionen Euro.

Sowohl Heizzentrale als auch Wärmeleitungen werden so konzipiert, dass eine spätere Ausweitung der Versorgung von Privathäusern im angrenzenden Wohngebiet möglich wird. Das gleiche gilt für Wohnungsbaugesellschaften, Unternehmen und Vereine entlang der Okrifteler Straße und der Niddastraße. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass eine für einen wirtschaftlichen Betrieb ausreichende Anschlussdichte erreicht werden kann.

„Als Stadt sind wir von diesem Modell überzeugt und sehen große Chancen für die Zukunft“, so Bürgermeister Winkler. In Mörfelden wird daher bereits eine weitere Nahwärmeversorgung geplant.