Zuschauer in deutschen Stadien? Angesichts der Debatte um die Verschärfung des Lockdowns scheint das irreal – könnte aber schon am 15. Juni 2021 wahr werden. Und ausgerechnet Corona-Hardliner Markus Söder könnte den Türöffner spielen.


Am 15. Juni spielt Deutschland bei der Europameisterschaft gegen Frankreich. Stattfinden soll das Spiel in München. Doch der europäische Fußballverband UEFA hat von vier Ländern Konzepte verlangt, die mehr Zuschauer in den Stadien zulassen, als diese bisher planen. Das hat unter anderem der Bayerische Rundfunk berichtet. Die UEFA hat den vier Ländern demnach eine Frist bis nächsten Montag gesetzt. Bis dahin sollen sie neue Pläne vorlegen.

Bisher hat das deutsche Organisationskomitee verschiedene Szenarien entwickelt. Je nach Verlauf der Pandemie sollen entsprechende Mengen an Zuschauern in die Stadien gelassen werden. Ansprechpartner der UEFA ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der sich in Sachen Corona gerne als Hardliner gibt.

Mögliche Folgen für die Justiz

Die EM bringt Söder nun in Gewissensnöte. Einerseits sagt er, sich derzeit „großartige Zuschauerzahlen“ nicht vorstellen zu können, wie die Neue Züricher Zeitung berichtet hat. Andererseits hat sich Söder am Mittwoch mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin unterhalten. Details des Gesprächs sind nicht bekannt. Aber der Fußball-Funktionär, der auf Zuschauer in den EM-Stadien drängt, gab sich nach dem Gespräch selbstbewusst: „Ich bin überzeugt, dass der Ministerpräsident bemüht ist, dass die EM auch in München stattfinden kann.“

Eine solche Entscheidung könnte Folgen haben. In der Justiz. Gerichte haben bisher bei Corona-Maßnahmen oft nach der Verhältnismäßigkeit geschaut. Nach dem Prinzip: Ist das eine erlaubt, muss etwas vergleichbares auch erlaubt sein. Andere Veranstalter könnten auf die Zulassung von Zuschauern klagen, wenn sie bei der Europameisterschaft in München erlaubt sind.

Zuschauer kehren in den USA zurück

Die USA sind derweil weiter. Das Land, das mehr Impfstoff gekauft hat und schneller impft, kehrt im Sport wieder zur Normalität zurück. So stieg am Wochenende das Großereignis im Catchen: die Wrestlemania. 25 000 Zuschauer erlebten das vor Ort im Raymond James Stadium in Tampa Bay. Laut amerikanischen Medien belebten die Fans das Großereignis – selbst die Catcher freuten sich über die Fans, die Bösewichte verkörpern – und folglich von den Fans nur mit Pfiffen zu rechnen haben.

Die NFL veranstaltet in der Nacht zum 30. April den Draft. Dort werden die besten Football-Spieler der Colleges auf die Profiteams verteilt. Im Vorjahr fand dieses Großereignis als Videokonferenz statt. In diesem Jahr plant die NFL, Zuschauer zuzulassen und hat auch die aussichtsreichsten Spieler eingeladen, sich vor Ort anzusehen, welches Team welchen Spieler auswählt. Schon Anfang Februar hatte die NFL zum Super Bowl 25 000 Zuschauer im Stadion zugelassen – ebenfalls in Tampa Bay.

Mehr Rechte für Geimpfte

Florida gehört in den USA zu den Staaten, die Zuschauer zulassen. Im Basketball hat die Führung der Miami Heat für Schlagzeilen gesorgt: Das Team der NBA hat einen Bereich für Geimpfte eingerichtet. Dort müssen die Besucher weniger Abstand einhalten und können die Halle durch einen eigenen Eingang betreten.

Im Eishockey drohte die Pandemie die Saison der Profiliga NHL mehrfach vorzeitig zu beenden. In dieser sind kanadische und amerikanische Teams vereint. Und in Kanada gelten strengere Regeln als in den Staaten. Deswegen verzögert sich auch der Beginn der Play Offs, da das Team aus Vancouver noch Spiele nachholen muss, die wegen der Pandemie verschoben wurden. Die amerikanischen Teams lassen indes zunehmend mehr Zuschauer in die Arenen.