Nachrichten Mainz: Am Montagabend (22. Juni 2026) ging die diesjährige Mainzer Johannisnacht zu Ende. Zum zweiten Mal bildete eine Drohnen-Show den offiziellen Abschluss des Volksfestes am Rheinufer. Doch die Diskussionen um die Alternative zum klassischen Feuerwerk reißen nicht ab. BYC-News hat mit Marco Sottile, dem 1. Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Mainzer Schausteller und Marktbeschicker, über die Thematik gesprochen.
„Vielleicht sollte man daher, wenn es um Volksfeste geht, auch auf die Schausteller hören“
Innerhalb der Schaustellergemeinschaft sieht man den Trend zu der Drohnen-Show skeptisch und verweist auf die Erfahrungen aus anderen Städten. Die Schausteller seien nicht generell gegen Neuerungen, so Sottile, aber die Praxis in Städten wie Düsseldorf, Speyer und Worms habe gezeigt, dass man dort nach ähnlichen Versuchen letztlich wieder zum traditionellen Feuerwerk zurückgekehrt sei.

„Wir als Schausteller haben in Gesprächen vor der Veranstaltung versucht, die Erfahrung aus diesen Städten an die Verantwortlichen in Mainz weiterzugeben“, erklärt Sottile. Die Verantwortlichen seien verständlicherweise nicht so tief im Thema verwurzelt. „Vielleicht sollte man daher, wenn es um Volksfeste geht, auch auf die Schausteller hören“, betont er. Der ganz besondere Wow-Effekt, den ein echtes Feuerwerk erzielt, lasse sich schlicht durch nichts ersetzen.
„Dass der Oberbürgermeister, Nino Haase, in einer grüngelagerten Stadt wie Mainz versucht darauf einzugehen, ist für mich verständlich. Aber die Kommentare von Besuchern des Volksfestes sind in den Sozialen Medien ja auch überwiegend negativ. Da die Stadt Mainz Veranstalter ist, werden sie vermutlich gewillt sein, die Besucher zufriedenzustellen und daher im nächsten Jahr noch an der ein oder anderen Schraube zu drehen“, betont der Schausteller.
Sorgen um den Festmontag und steigende Standgebühren bei der Mainzer Johannisnacht
„Für uns Schausteller hängen bei der Mainzer Johannisnacht die Tage Freitag bis Sonntag nicht vom Feuerwerk ab. Für die Betreiber der Fahrgeschäfte und Buden ist das Programm am Montagabend jedoch von existenzieller Bedeutung. Mit einem Feuerwerk funktionierte das in der Vergangenheit hervorragend. Wir müssen irgendwie versuchen Montags noch Leute aufs Fest zu bekommen und das ist natürlich mit einem Feuerwerk super machbar. Die Drohnenshow hat diesen Effekt nicht“, erklärt Sottile.
Angesichts von Standgebühren, die im Vorfeld um 300 Prozent gestiegen sind, und generell sinkenden Umsätzen, wäre ein ausbleibendes Publikum für die Betreiber der Super-GAU. „Am Ende könnte diese Entwicklung zu einem massiven Qualitätsverlust des gesamten Volksfestes führen, wenn es sich für die Schausteller wirtschaftlich nicht mehr lohnt und sie der Mainzer Johannisnacht fernbleiben“, betont der Schausteller. Jetzt habe man das mit der Drohnen-Show aber zwei mal getestet und nun müsse man überlegen, wie man das Ganze ändert, damit die Besucher im nächsten Jahr wieder zufrieden sind.
Geschätzte 100.000 Euro Kosten bei ausbleibendem Wow-Effekt
„Es sind in diesem Jahr keine Kosten und Mühen für die Drohnen-Show gescheut worden. Während der Show haben wir Schausteller mit den Besuchern gesprochen. Viele davon sind in diesem Jahr nur wiedergekommen, weil ihnen eine bessere Show als im letzten Jahr versprochen wurde. Das war zwar auch der Fall aber dennoch blieb für viele der Wow-Effekt aus. Ich persönlich habe bei der Drohnen-Show gedacht, wir machen hier Werbung für die nächsten Olympischen Spiele in Mainz“, sagt Marco Sottile.
Neben der optischen Wirkung spielt laut dem Schausteller vor allem der finanzielle Aspekt eine Rolle. Während er die Kosten für die Drohnen-Show samt Rahmenprogramm auf rund 100.000 Euro schätzt, schlägt nach seinen Angaben das bisher bekannte Feuerwerk für die Mainzer Johannisnacht mit weit unter 10.000 Euro zu Buche. Angesichts der ohnehin klammen Haushaltskasse der Landeshauptstadt stelle sich hier ganz klar die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, betont Sottile.
Abschließend stellte der Vorsitzende klar, dass seine Kritik kein Angriff auf die Stadt sein soll. Es sei absolut verständlich, dass die Verantwortlichen neue Wege gehen und moderne Konzepte testen wollen. Nach zwei Testläufen mit der Drohnen-Show müsse man nun jedoch gemeinsam analysieren, wie man das Konzept grundlegend verändert, damit die Besucher im kommenden Jahr wieder vollends zufrieden nach Hause gehen.
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