Jetzt geht es endlich los: Nach gut 17 Jahren Planen, Pleiten und Neuplanungen fiel am Freitag (18. März 2022) nun der Startschuss für den Neubau des Einkaufszentrums an der Ludwigsstraße. Entstehen soll hier auf dem alten Karstadt-Areal ein „Boulevard LU“, ein modernes Einkaufszentrum, das offene Shops und große Filialen mit Kultur und Gastronomie verbindet. Entstehen soll auch ein Restaurant mit Dachterrasse sowie ein Hotel auf dem angrenzenden Parkhaus – noch in diesem Jahr soll es losgehen.


Baubescheid wurde übergeben

Oberbürgermeister Michael Ebling und Baudezernentin Marianne Grosse (beide SDPD) übergaben dafür am Freitag den Baubescheid an die Ingelheimer Firma Molitor, eine Tochter der Baufirma Gemünden. Gemeinsam mit der Sparkasse Rhein-Nahe soll für einen dreistelligen Millionenbetrag ein „Boulevard“ entstehen, der zum Bummeln und Verweilen einlädt.

Oberbürgermeister Ebling sprach von einem „deutlichen Signal, dass es ein Zutrauen gibt, dass die Innenstadt Mainz weiter der Ort sein wird, in dem sich Menschen treffen wollen, auch etwas kaufen wollen und Handel und Gastronomie Umsatz machen.“ Das komme genau zum richtigen Zeitpunkt: Die zwei Jahre der Corona-Pandemie hätten „Prozesse beschleunigt. die für eine lebendige Innenstadt nicht förderlich sein können“, räumte der OB ein. Handel und Gastronomie haben stark unter den Pandemie-Beschränkungen gelitten, und noch immer bleiben die Kunden aus.

„Ein kurioser Weg über verschiedene Stolpersteine und Hürden“

„Vor zwei Jahren standen mein Bruder und ich eine Etage höher und haben ein Konzept vorgestellt, das jetzt umsetzen zu dürfen, ist toll“, bekannte Molitor-Geschäftsführerin Tina Badrot. Die vergangenen zwei Jahre bis zur Baugenehmigung seien „ein kurioser Weg über verschiedene Stolpersteine und Hürden“ gewesen. „Die Mainzer LU soll wieder zu einem pulsierenden Ort werden“, versprach ihr Bruder und Ko-Geschäftsführer Tim Gemünden.

Von der Deutschen Bank bis hinunter zum Gutenbergplatz

Der gesamte Neubau wird den Bereich von der Deutschen Bank bis hinunter zum Gutenbergplatz umfassen, stehen bleibt nur der alte „China-Pavillon“, in dem sich unter anderem das Eiscafé und der „Stadtbalkon“ befinden. Hier waren die Besitzer bisher nicht bereit, das Gebäude zu verkaufen, und hatten damit über Jahre hinweg die Realisierung des eigentlich geplanten ECE-Einkaufszentrums verhindert. ECE zog sich 2017 nach langem Hin und Her aus dem Projekt zurück und veräußerte die Immobilien an die Familie Gemünden, Mainz bleib damit womöglich eine gescheiterte Groß-Mall erspart, wie es sie in anderen Städten wie Frankfurt oder Wiesbaden gibt.


Los geht es nun als erstes mit dem Baubereich an der Fuststraße:

Der ehemalige Karstadt-Sport sowie die dahinter liegenden Gebäude werden als erstes fallen. Der Wohnkomplex gehört dem Bistum Mainz, das nun gemeinsam mit Molitor ein neues Ensemble aus Wohnen und Einkaufen realisieren wird. Die Vorarbeiten liefen bereits, sagte Gemünden am Freitag – etwa die Trennung des Areals vom Stromnetz: „Wirt wollen ja nicht, dass die ganze Innenstadt ohne Strom dasteht“, scherzte er.

Die ersten Bagger sollen dann im Frühsommer rollen, und die derzeitigen Gebäude abreißen

Dann kommt der spannende Teil: Sechs Monate lang haben dann die Archäologen Zeit, auf dem Gelände Grabungen durchzuführen. Das Areal grenzt unmittelbar an die Johanniskirche an, die – wie man inzwischen weiß – der Alte Dom von Mainz und damit eine der ältesten christlichen Kirchen Deutschlands ist. „Wir vermuten hier, neben der Johanniskirche, eine ganze Menge Mainzer Schätze“, sagte Gemünden: Die Archäologen hoffen auf Funde vom Mittelalter bis in die Römerzeit hinein. Neben dem „Alten Dom“ könnte einmal eine zweite mittelalterliche Kirche gestanden haben – es wäre eines der seltenen Doppelkirchen-Ensembles, die es in Deutschland gegeben hat.

Rund zwei Jahre Bauzeit geplant

Geht es nach den Bauherren, soll aber noch in diesem Jahr der Startschuss für den Neuaufbau gegeben werden, zwei Jahre rechnet Molitor, bis das neue Ensemble steht. Der Zeitplan hängt allerdings von den Archäologen und ihren Funden ab – kommen hier ähnliche Sensationen wie in der benachbarten Johanniskirche zutage, dürfen die Forscher wohl in die Verlängerung gehen. Ebling betonte noch, er werde das „mit größtmöglicher Gelassenheit verfolgen“, denn: Ab jetzt müssen Sie erklären, wenn es nicht schnell genug vorangeht wir sind jetzt nicht mehr schuld.“