Es ist ein grauer, kalter Samstagnachmittag in der Mainzer Neustadt. Und trotzdem sind fast 30 Bürger der Einladung von MainzZero zum ersten Klimaspaziergang durch die Neustadt gefolgt. Von der Feuerwache aus führt der Weg zu sieben verschiedenen Stationen im Stadtteil, an denen unterschiedliche Experten zu Themen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung vortragen.


Photovoltaikanlage bei der Berufsfeuerwehr Mainz

Zunächst berichtet UrStrom von seinen jahrelangen Bemühungen, eine Fotovoltaikanlage auf der 2014 eingeweihten Feuerwache zu errichten. Nach vielen Verzögerungen und teils fadenscheinigen Begründungen, warum das Dach nicht geeignet wäre, habe die Stadt nun eine eigene Gesellschaft gegründet, um Projekte dieser Art in der Stadt umzusetzen. „Das kann man jetzt als gute Nachricht empfinden, aber acht lange Jahre ist auf diesem Dach kein klimafreundlicher Strom produziert worden – eine verpasste Chance“, so Klaus Grieger von der Mainzer Bürgerenergiegenossenschaft UrStrom, die Photovoltaikprojekte entwickelt und genossenschaftlich umsetzt und betreibt. Mit ihrem zweiten Standbein ‚UrStrom Mobil‘ betreibt die Genossenschaft ein CarSharing-Angebot mit neun Fahrzeugen in mehreren Stadtteilen und organisiert über seine App auch den kostenlosen Verleih des VCD-Lastenrades ELMA, das an der UrStrom-Station an der Pauluskirchengemeinde in der Neustadt steht.

Klimaverträglicherer Wohnungsbau

Am Beispiel der ehemaligen Kommissbrotbäckerei spricht Thorsten Noll über das Cradle-to-Cradle-Konzept, bei dem Baustoffe so designt werden, dass sie nach dem Abriss eines Gebäudes wieder in neuen Gebäuden zum Einsatz kommen können. Anschließend berichtet Eva Trost-Kolodziejski, Vorstand der Kulturbäckerei/Initiative für ein soziokulturelles Zentrum in der Neustadt e.V., über die Pläne zur Nutzung des Geländes. Neben einem größeren Wohnkomplex soll im Stadtteil Raum für Kulturschaffende und Begegnungen, Veranstaltungen sowie Gastronomie entstehen.

An der dritten Station, beim neuen Wohnkomplex Wallaustraße 93-97, wurde das Thema Versiegelung und Fassadenbegrünung besprochen. In Vertretung für den erkrankten Reinhard Tiemann von der Initiative ‚bgruenhochzwei‘ übernahm Sophia Georgopoulou von MainzZero diesen Part.

Verteilung des Straßenraums

Das lebhafteste Gespräch unter den Teilnehmern entstand an der nächsten Station in der Moltkestraße. Laut einem Stadtratsbeschluss vom Februar 2021 soll sie zur Fahrradstraße umgestaltet werden. In seinem Referat wunderte sich Matthias Borsdorf vom VCD, dass in diesem Jahr zunächst das Anwohnerparken in der Straße eingeführt wurde. Obwohl doch in einer Fahrradstraße keine parkenden Autos auf der Straße stehen, sondern alternative Parkmöglichkeiten – etwa die großen Tiefgaragen des neuen Wohnkomplexes oder auch der ab abends leerstehende Parkplatz der Polizei – genutzt werden sollen.

Hier berichtet Christoph Hand, Ortsvorsteher der Neustadt und ebenfalls unter den Teilnehmern des Klimaspaziergangs, dass die Initiative für die Fahrradstraße aus dem Ortsbeirat kam und er froh ist, dass der Stadtrat die Empfehlung aufgenommen hat. Nun müsse man warten, wie die Mühlen der Verwaltung mahlten.

Nächste Station des Klimaspaziergangs: die Feldbergstraße, eine Spielstraße auf dem Weg zur grünen Brücke, auf der viele Grundschüler der Feldbergschule auf den schmalen Bürgersteigen unterwegs sind. Doch die Feldbergstraße ist rechts und links, auf Bürgersteigen und Stellplätzen, so zugestellt, dass keine Übersichtlichkeit und somit keine Sicherheit für spielende Kinder gewährleistet ist.

Oase fürs Stadtklima

Abschluss und Highlight des Klimaspaziergangs bildete die Grüne Brücke über die Rheinallee. Der NABU hat dort eine Patenschaft für die Bepflanzung der Beete, wie Torsten Collet, stellvertretender Vorsitzender des NABU Mainz berichtet. Dabei wählt der NABU bewusst heimische, für die Artenvielfalt wertvolle Pflanzen aus – mit Erfolg, wie er an teils bereits in diesem Jahr fotografierten Bildern von verschiedenen Wildbienenarten auf der Brücke zeigen konnte.

Zum Vormerken: im Juni findet der nächste Klimaspaziergang in der Neustadt mit neuen Stationen und Experten statt, der ebenso wie der erste Teil im Februar coronabedingt ausfallen musste. Außerdem bereitet MainzZero Klimaspaziergänge in Bretzenheim und weiteren Stadtteilen vor.