Das bereits vorab angekündigte geschlossene Vorgehen der demokratischen Mitte im rheinland-pfälzischen Landtag ist Realität geworden. Wie die Landtagsverwaltung im Anschluss an die Konstituierung der insgesamt 14 Fachausschüsse heute morgen mitteilte, blieben die der AfD zustehenden Vorsitzposten bei den Wahlen unbesetzt.
Die Fraktionen von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen verweigerten den Kandidaten der Oppositionsfraktion die erforderliche Mehrheit. Damit steuert das neu formierte Parlament direkt zu Beginn der Wahlperiode auf eine dauerhafte Hängepartie zu.
Drei Ausschüsse ohne Führung – Stellvertreter müssen einspringen
Nach dem verfassungsrechtlichen Proporzverfahren, das sich nach der Fraktionsstärke richtet, steht der AfD formell das Vorschlagsrecht für den Vorsitz in drei Ausschüssen zu. Betroffen sind die Kernbereiche Bildung, Kultur sowie Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima. Da die AfD-Bewerber in den geheimen Abstimmungen durchfielen, werden die Ausschüsse nun bis auf Weiteres kommissarisch von den gewählten Stellvertretern geleitet.
Im Bildungsausschuss übernimmt nun Dr. Matthias Reuber (CDU), im Kulturausschuss Michael Wagner (CDU) und im Wirtschaftsausschuss Dr. Anna Köbberling (SPD).
Auch bei der Besetzung der stellvertretenden Vorsitzen in anderen Gremien verweigerten die übrigen Fraktionen der AfD die Zustimmung. So blieben auch die Vize-Posten im Umwelt- sowie im Haushalts- und Finanzausschuss unbesetzt.
Laut Geschäftsordnung des Landtags verbleibt das Benennungsrecht zwar dauerhaft bei der AfD, wodurch sie theoretisch in jeder Sitzung neue oder dieselben Kandidaten vorschlagen kann, eine politische Einigung gilt angesichts der verhärteten Fronten jedoch als ausgeschlossen.
Verkleinerte Gremien für die 19. Wahlperiode
Zur Effizienzsteigerung hat der Landtag die Struktur der Gremien im Vergleich zur vorherigen Wahlperiode spürbar gestrafft und die Zahl der Fachausschüsse sank von 17 auf 14. Zudem wurde die Mitgliederstärke pro Ausschuss von zwölf auf zehn Abgeordnete reduziert.
Die Sitzverteilung spiegelt die neuen Machtverhältnisse im Plenarsaal wider: In jedem Ausschuss stellt die CDU künftig vier Abgeordnete, die SPD drei, die AfD zwei und die Grünen einen Sitz.
Ausblick: Erste Regierungserklärung von Gordon Schnieder
Nachdem die organisatorischen Grundlagen des Parlaments nun stehen, rückt die inhaltliche Arbeit in den Fokus. Die Landtagsverwaltung kündigte an, dass der neu gewählte Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) am Dienstag, 16. Juni 2026, seine erste offizielle Regierungserklärung vor dem Plenum abgeben wird. Die traditionell debattenintensive Aussprache der Fraktionen zu den Regierungsplänen ist für den darauffolgenden Tag, den 17. Juni, angesetzt.
Spätestens dann wird sich zeigen, wie stark das Klima im Mainzer Landtag durch den aktuellen Ausschuss-Streit dauerhaft belastet bleibt.




