Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisiert die neuen Quarantäne-Regeln für ungeimpfte Arbeitnehmer. Nach dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) vom Mittwoch sollen ungeimpfte Arbeitnehmer spätestens ab 1. November keinen Verdienst-Ausgleich im Quarantänefall mehr bekommen.


Dazu erklärt der Stellvertretende EVG-Vorsitzende Martin Burkert

Die EVG lehnt eine schleichende Einführung der Impf-Pflicht ab. Eine Impfung gegen COVID-19 muss freiwillig bleiben. Insofern schafft die Entscheidung der Gesundheitsminister vor allem eines: Angst der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Das kann keine Lösung sein.

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für eine Ungleichbehandlung von geimpften und ungeimpften Beschäftigten. Auch wer geimpft ist, kann sich infizieren und das Virus auch weitergeben.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen selbst bestimmen können, ob sie sich impfen lassen. Wir appellieren an Vernunft und Verantwortungsbewusstsein aller, im Betrieb und im privaten und sozialen Leben. Entscheiden muss das aber jede und jeder für sich selbst.

Der Sozialverband VDK sieht die Existenzen in Gefahr

Der Sozialverband VdK wendet sich gegen die Übereinkunft der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, wonach Nichtgeimpfte bei Verdienstausfällen wegen angeordneter Corona-Quarantäne spätestens ab 1. November keine Entschädigung mehr bekommen sollen. „Wir haben riesige Bedenken. Das wird jetzt auf irgendeine Weise zu einer Impfpflicht durch die Hintertür in Deutschland“, sagte die VdK-Präsidentin Verena Bentele im Fernsehsender phoenix. Es gebe immer noch etliche Menschen, die noch nicht über ein Attest bei einer chronischen Erkrankung verfügten, weil es noch keine ausreichende Studienlage gebe. „Und gerade für die Menschen, die deswegen Sorge haben, sich impfen zu lassen und kein Attest bekommen, wäre die Existenzgefährdung sehr hart“, meinte die VdK-Präsidentin.

Persönlich empfehle sie den Menschen, sich impfen zu lassen. Es müsse alles unternommen werden, um die Impfquote zu verbessern. Wenn jetzt aber der Druck steige, sich impfen lassen zu müssen, um nicht finanzielle Nachteile zu erleiden, könnte es auch zu unerwünschten Folgen kommen. „Die Konsequenz könnte sein, dass Personen sagen, sie lassen sich erst gar nicht testen, legen gar nicht offen, dass sie in Quarantäne müssen oder lassen sich aus anderen Gründen krankschreiben“, warnte Bentele.