BYC-Exklusiv: Nach dem tragischen Tod eines 12-jährigen Jungen in Kriftel wurden BYC-News neue Details zu dem Fall zugetragen. Wie bereits berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen Polizeibeamte wegen „fahrlässiger Tötung durch Unterlassung“. Nachbarn hatten sich zudem zwischenzeitlich bei unserer Redaktion gemeldet.


Der 12-Jährige scheint geflüchtet zu sein

Nach neuen Informationen dieser Online-Zeitung haben Nachbarn kurz vor dem Unfall beobachtet, wie die Polizei den Jungen nach Hause gebracht hat. Kurz danach sei der Junge aber erneut von zuhause geflüchtet, womöglich vor seinem Vater, berichtete eine Nachbarin. Auf der Flucht sei der Junge dann vor die S-Bahn gelaufen. Die Nachbarn kritisieren nun, wieso die Polizei den Jungen überhaupt zurück zu seiner Familie brachte. „45 Minuten später war der Junge tot.“, sagte eine Nachbarin gegenüber BYC-News.

Sie habe den Jungen oft gesehen

Bei dem Unfall am 15. März 2022 wurde der 12-jährige Junge von einer S-Bahn erfasst und dadurch tödlich verletzt. Die Nachbarin berichtete, dass der Junge mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern in einem Mehrfamilienhaus in unmittelbarer Nachbarschaft gelebt hat. Sie habe den Jungen von ihrem Fenster aus oft vor dem Haus beobachten können, wie er sich dort mit Freunden getroffen habe „Er ist auf ein Gymnasium gegangen, ich denke, er war ein schlaues Kind“, berichtete die Anwohnerin weiter.

Der Junge habe Verletzungen im Gesicht gehabt

Am Abend des 15. März, als sich der tragische Unfall ereignete, habe sie beobachtet, wie der Junge gegen 18:15 Uhr von einem Polizisten und einer Polizistin nach Hause gebracht wurde. Zu diesem Zeitpunkt habe sie zu Abend gegessen und aus dem Fenster einen klaren Blick auf den Außenbereich gehabt. „Er hatte Verletzungen im Gesicht, das war deutlich zu sehen. Das waren Schürfwunden und Rötungen“, erklärte die Nachbarin. Zuvor soll er bei einem Freund Zuflucht gesucht haben, weil er nicht nach Hause wollte. Die Mutter des Freundes habe daraufhin die Polizei verständigt.

Eine dreiviertel Stunde später habe sie mitbekommen, dass am Bahnübergang etwas passiert sei. „An dem Bahnübergang haben sich schon viele das Leben genommen“, berichtete sie weiter. Da sei ihr bewusst geworden, dass da etwas schief gelaufen sein muss.  „Wir vermuten, dass der Junge von zu Hause weggerannt und dann vor die Bahn gelaufen ist“, sagte die Anwohnerin und betonte: „Von einem Suizid gehe ich nicht aus“

„Wir denken, der Vater ist ihm nachgerannt“

Der Bahnübergang sei nicht abgesichert und geschützt, er sei lediglich teilbeschrankt und das obwohl sich dort auch der Spielplatz „Robert-Schumann-Ring“ in der Nähe befinde. Zudem sei der Vater des Jungen auch unmittelbar nach dem Unfall vor Ort gewesen. „Wir denken, der Vater ist ihm nachgerannt“, sagte die Nachbarin: „Ich gehe davon aus, dass der Junge die Geschwindigkeit der S-Bahn, die vom Bahnhof in Kriftel losgefahren war, falsch eingeschätzt hatte.“

Der Vorfall treibe die Nachbarschaft sehr um und sei zur Zeit ein großes Gesprächsthema. „Wir fragen uns hier alle, wie die Polizei ihn wieder nach Hause bringen konnte. Er hatte Verletzungen im Gesicht und suchte bei einem Freund Schutz. Es will einfach nicht in meinen Kopf, wieso die Polizei ihn einfach wieder nach Hause gebracht hat“, sagte sie weiter. Sie hoffe, dass die aktuellen Ermittlungen in diesem Fall einiges aufklären können und Licht in die Sache bringen.

Der Junge habe geäußert, dass er nicht mehr nach Hause wolle

Im Nachhinein frage sie sich nun, ob es nicht schon vorher in der Familie ähnliche Probleme gegeben haben könnte. „Von einem Mal schlagen sucht ein Kind ja nicht wo anders Schutz.  Das Kind war völlig hilflos“, so die Nachbarin. Zudem soll der Junge schon vorher gesagt haben, dass er nicht mehr nach Hause wolle und auch nicht mehr dort schlafen wolle.

Die Familie habe ihre Sachen gepackt und sei gefahren

Weiter berichtete die Nachbarin, dass die Familie des Jungen nach dem Unfall viel Besuch gehabt hatte. Ob es sich dabei um Familienangehörige oder Bekannte gehandelt hatte, wisse sie nicht. Allerdings habe sie am Abend des 22. März beobachtet, die die Familie ihr Auto gepackt habe und gemeinsam mit dem Besuch davongefahren sei.

Polizei sucht nach Zeugen

Unmittelbar nach dem tragischen Geschehen wurden durch unterschiedliche Stellen Betreuungsmaßnahmen für die Angehörigen und Mitschüler des Verstorbenen, den Zugführer, Zuginsassen sowie die Einsatzkräfte initiiert. Die polizeilichen Ermittlungen in dem Fall erfolgen in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Zeugen des Geschehens werden gebeten, sich unter der Rufnummer 06192 – 20790 bei der Kriminalpolizei in Hofheim zu melden.


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