An diesem Dienstag (30. März 2021) hatten Bürgerinnen und Bürger vor der Kreisverwaltung in Groß-Gerau Kinderschuhe und Plakate abgelegt. Hintergrund der Aktion: Man wollte darauf aufmerksam machen, wie belastend die aktuelle Situation sowie die Schließungen der Schulen und Kitas für unsere jüngsten Bürger ist. Auf den Plakaten zu lesen war unter anderem: „Keine Tests in Schulen“ oder aber auch „Für ein angstfreies, selbstbestimmtes Leben unserer, Kinder. Unsere Zukunft“.


Landrat Thomas Will dazu:

Der Landrat Thomas Will veröffentlichte die Bilder in den sozialen Medien und äußerte sich dazu: „Es gibt Tage an denen ist es nicht vergnügungssteuerpflichtig Verantwortung zu tragen. Der heutige Dienstag gehört dazu. Und trotzdem – auch mit dem Abstand von 24 Stunden: unsere Entscheidung von gestern war richtig. Die Inzidenz in unserem Kreis wird in den kommenden Tagen weiter steigen und besonders in den Altersgruppen der Kinder und „jungen Mobilen“ ist sie überproportional hoch. Mit unserer Entscheidung bis zum Donnerstag zu warten wäre verantwortungslos gewesen – niemand hätte für die Zeit nach den Feiertagen planen können. Mainz ist heute den gleichen Weg gegangen. Brandenburg ist ebenfalls (ab einer Inzidenz von 100!) genau diesem Weg „gefolgt“ – für ein ganzes Bundesland. Gut so. Und „nein“, wir blicken nicht nur auf die Gesamtinzidenz, sondern auf die Werte in den einzelnen Altersgruppen. An 26 Kindertagesstätten und 29 Schulen in unserem Kreis haben wir aktuell Covid-19-Erkrankungen. Wenn ich lese, dass dies nur „Einzelfälle“ sind, ärgert mich das sehr. Auch die Behauptung, dass unser Impfzentrum über Ostern geschlossen hätte. Einfach unsäglich. Mit „Fake News“ Stimmung machen. Unverantwortlich. Die Intensivstation an unserer Klinik ist „voll“ – die Normalstation muss wieder auf über 40 Betten erweitert werden und die neuen 21 Patienten werden immer jünger. Es trifft mich, wenn behauptet wird unsere Entscheidungen gingen immer zu Lasten der Kinder. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn nicht jetzt in der Osterzeit kann man (einigermaßen verantwortlich) die Kontakte in Kita und Schule reduzieren? Und nein: wir treffen auch die Erwachsenen – mit der Ausgangssperre. Natürlich weiß ich, dass die Gaststätten geschlossen haben. Die Infektionen im privaten Rahmen finden jedoch abends und nachts statt – und genau dies wolle wir verhindern. Das geschieht nicht willkürlich – es geht um Grundrechte – aber wir haben die Erfahrungen aus der Kontaktnachverfolgung und aus dem Dezember des vergangenen Jahres“, schreibt der Landrat.

Quelle: Landrat Thomas Will

„Alle Fragen werden beantwortet“

Thomas Will erklärt weiter: „Mails, Posts, Briefe – an die 500 Reaktionen sind heute bei mir direkt angekommen. Auch direkt vor dem Eingang des Landratsamtes. Dazu viele Anrufe bei unserer Hotline und den Kolleginnen und Kollegen im Landratsamt. Ich weiß nicht ob wir auf jeden Beitrag reagieren können, dazu fehlt schlichtweg die Kapazität. Was wir jedoch tun werden: alle Fragen beantworten. Nur: nachdem wir am Montag die Entscheidungen getroffen und kommuniziert haben mussten am heutigen Dienstag die „Auslegungen“ final beraten werden, so dass Sie diese ab dem heutigen Abend auf unserer Homepage nachlesen können. Auch hier wieder das Angebot: Nachfragen bitte an landrat@kreisgg.de. Unser „Krisenmanagement“ bemüht sich. Übrigens: ein großer Teil der Reaktionen war wertschätzend und (auch) zustimmend – natürlich gab es viele (inhaltlich) kritische Äußerungen – das gehört in einer Demokratie dazu und ist gut. Was ich jedoch bedenklich finde – den Sprachduktus von vielen Anmerkungen auf der Facebookseite des Kreises. Was macht diese Pandemie mit unserem gesellschaftlichen Leben?

Die ersten beiden Stunden standen bei mir heute ganz im Zeichen dieser Diskussion, danach folgte der turnusmäßige Kreditausschuss unserer Sparkasse, die Sitzung des Krisenstabes, ein Kurzinterview mit SAT 1 und dem Hessischen Rundfunk. Dazwischen der tägliche Coronabriefing mit Walter Astheimer, dem Gesundheits- und Rechtsamt und ein Kurztelefonat mit unserer Kreisklinik.

Dazwischen die Meldungen zu Astra Zeneca. Bis 16 Uhr hatte unser Impfzentrum keine offizielle Information bekommen – lediglich „Breaking News“ – aber das sind wir ja schon gewohnt. Woran wir uns gewöhnt haben: die Tests beim Roten Kreuz. Über 7.200 davon gab es in den vergangenen Wochen. 112 davon waren „positiv“. Ich bedanke mich bei allen Spendern sowie Helferinnen und Helfern. Natürlich geht es an allen Orten zu den bekannten Zeiten weiter, nur jetzt können die Tests über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet werden. Wir waren in unserem Kreis der Entwicklung ein wenig voraus. Das war gut so. Wir bemühen uns auch weiterhin darum, dass es so bleibt“

Quelle: Landrat Thomas Will