Von vielen Mainzern wurde es Jahrzehnte lang herbeigesehnt: Jetzt stehen rund 1.000 Stellplätze zum geschützten und komfortablen Radparken am Hauptbahnhof West zur Verfügung. Damit wurde das Angebot an Fahrradparkplätzen auf dieser Fläche nicht nur bezüglich der Sicherheitsaspekte aufgewertet, auch die Zahl der Parkmöglichkeiten wurde verdoppelt und viele Radpendlerinnen und Radpendler finden hier nun künftig einen komfortablen Stellplatz.


Eines von Deutschlands größten Fahrradparkhäusern

Für Verkehrsdezernentin Katrin Eder ist die Eröffnung mit großer Freude verbunden – gewinnt doch der Umweltverbund aus Fuß, Rad und ÖPNV insgesamt: Ganz im Sinne einer modernen, verknüpften Multimodalität können hier Pendler direkt vom Rad oder E-Bike auf den Schienenverkehr umsteigen, ohne lang nach einem Abstellplatz zu suchen oder sich Sorgen um den Diebstahlschutz ihres Rades zu machen. Ergänzt wird das Fahrradparkhaus durch die bereits in den vergangenen Monaten auf der Süd- und Nordseite des Bahnhofs errichteten „Bike & Ride“-Anlagen.“ Die rund 2,15 Mio. Euro für den Bau des fahrRad.Parkhauses konnten aus den Mitteln der Stellplatz-Ablöse beglichen werden. „Für mich geht heute ein großer Wunsch in Erfüllung“, so die Verkehrsdezernentin. „Das fahrRad.Parkhaus ist ein Mammutprojekt und wichtiges Signal in Sachen Radfreundlichkeit. Dass wir nun auch zu den Standorten mit einem von Deutschlands größten Fahrradparkhäusern zählen, macht mich stolz und ist zugleich Ansporn für weitere Großprojekte im Radverkehr.“

Baudezernentin Marianne Grosse dazu

Ein ganz besonderes Bauvorhaben war das Fahrradparkhaus auch für Baudezernentin Marianne Grosse: „Wir bauen ja sonst hauptsächlich Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäude. Dies war unser erstes Fahrradparkhaus – und schon allein deshalb eine besondere Baumaßnahme. Aufgabenstellung und Örtlichkeit waren nicht alltäglich, aber wie Sie sehen werden, ist ein hochfunktionales Bauwerk entstanden, das dabei auch richtig gut aussieht. Die durchblickende Streckmetallfassade vermittelt den Eindruck eines offenen Raumes: Man kann jederzeit von innen nach außen und umgekehrt blicken. So konnten wir trotz des geschlossenen Bereiches eine hohe soziale Kontrolle und eine freundliche Atmosphäre erreichen. Fällt Sonnenlicht auf den gelb beschichteten Boden, erhellt die Reflektion das gesamte Fahrradparkhaus.“

Parken in Mainz GmbH betreibt neues Fahrradparkhaus | Foto: Dennis Weber

Architekt Andreas Schoyerer konnte mit dem Bau einen Traum realisieren

Auch der Ideengeber für die Gestaltung des fahrRad.Parkhauses, Architekt Andreas Schoyerer, konnte mit dem Bau einen Traum realisieren. Dabei besteht „die Besonderheit der von SCHOYERER ARCHITEKTEN_SYRA im Jahr 2004 vorgestellten Projektidee darin, mehrere Aspekte gleichzeitig zu klären“, erläutert er. Gemeinsam mit der Stadt konnten hier „drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden“: Der unwirtliche Restraum unter der Hochstraße wird einer sinnvollen Nutzung zugeführt und sorgt gleichzeitig für Kostenreduzierung im Bau, indem die Hochbrücke als Dachfläche fungiert. Last but not least wurde mit diesem „Lückenfüller“ ein Jahrzehnte alter Brachraum gefüllt. „Passanten am Hauptbahnhofzugang müssen nicht mehr den Anblick eines fast 200m tiefen Unorts ertragen, sondern werden von nun an, entlang dem attraktiven Schaufenster der Servicestation geführt, hinter welcher sich das Fahrradparkhaus befindet“, fasst der Architekt seine Inspiration zusammen.

Nils Teske, Geschäftsführer der PMG Parken in Mainz GmbH dazu

Dass das fahrRad.Parkhaus ein herausragendes Projekt ist, bestätigt auch Nils Teske, Geschäftsführer der PMG Parken in Mainz GmbH, der Betreiberin des fahrRad.Parkhauses: „Platz für alle heißt unser Motto. Wir zeigen einmal mehr, dass wir uns als verlässlicher Partner für zeitgemäße Mobilitätskonzepte verstehen: Ob E-Ladestationen, Park & Ride- oder Park & Rail-Angebote, ob Parken aufs Haus in Zusammenarbeit mit den Mainzer Einzelhändlern oder eben ein hochattraktives und innovatives Fahrradparkhaus. Die PMG ist mit ihren vernetzten Parkraumkonzepten auf der Höhe der Zeit.“

Besonders unterhaltsam war zum Abschluss des Projekts der Namenswettbewerb, zu dem die Stadt Anfang Februar aufgerufen hatte. „Unter den über 200 Ideen befanden sich kreative, amüsante und auch lehrreiche Vorschläge“, berichtet Eder. Wo Einreichungen wie „Barack Velobama“, „Strampelschuppen“ oder „Radhalla“ Witz versprühten, lassen „VeloBastion“, „RadR(h)ein“, „GutenBike“ und „50.gRad“ auch bei den Namenswünschen viel Mainz-Bezug erkennen. „Auch die Anregung, das Objekt nach Amelie Rother zu benennen finde ich aller Erwähnung wert“, betont die Verkehrsdezernentin. Rother steht für Frauenrechte und hatte sich unter dem Slogan „mit Rock und Rüschen aufs Fahrrad“ für die Emanzipation eingesetzt. Letztendlich fiel die Wahl der Jury – bestehend aus Verkehrsdezernat, Stadtplanungsamt, Öffentlichkeitsarbeit, VCD und ADFC – auf den Vorschlag „fahrRad.Parkhaus“. Insbesondere ist damit den Kriterien der Eindeutigkeit und Unverwechselbarkeit Rechnung getragen. „So wissen auch Messfremde, wo sie ab sofort ihr Rad bequem und sicher parken können“ schließt Eder.



Hintergrund

  • 896 Doppelstockparker
  • 83 einfache Radeinstellungen
  • 10 Radboxen
  • 43 Stellplätze für Sonderräder
  • Die Kosten in Höhe von fast 2,15 Mio. € konnten aus den Mitteln der Stellplatzablöse finanziert werden.

Außengestaltung

Die Fassade wurde mit einer Streckmetallfassade hell und transparent verkleidet. Diese Konstruktion ermöglicht die Schaffung eines abgeschlossenen, gesicherten Raumes, der dennoch von außen wie von innen gut einsehbar und vor allem hell ist. Durch die Lochstruktur des Stahlgewebes wird das Objekt allseits gut beleuchtet. Die offene Gestaltung ist ein Sicherheitsgewinn für diesen Raum.

Das Fahrradparkhaus wird über gesicherte Zugänge erreichbar sein, sodass der Einlass kontrolliert erfolgen kann. Zum Abstellen der Räder ist das Objekt in zwei Bereiche unterteilt: Im vorderen Bereich befinden sich mit 30 % des gesamten Angebots bezahlte Abstellplätze (insgesamt 268), die übrigen 70 % entfallen auf kostenfreie Plätze (insgesamt 764).

Der Bezahlbereich ist zusätzlich über ein Drehkreuz gesichert. Dieses ist so konstruiert, dass man sowohl mit als auch ohne Fahrrad hindurchgehen kann. Dieser gesicherte Zugang wird in Serie produziert und hat sich in anderen Fahrradparkhäusern schon bewährt.

Auch haben Nutzer:innen des Bezahlbereichs künftig die Möglichkeit, einen festen Stellplatz zu mieten, sodass die Suche nach freien Radparkmöglichkeiten entfällt. Die Trennung zwischen den beiden Bereichen ist flexibel, damit diese je nach Nachfrage auf bis zu 50 % (maximal 452 Stellplätze) erweitert werden kann.

Parken in Mainz GmbH betreibt neues Fahrradparkhaus | Foto: Dennis Weber