Deutschland bangt um seinen Status als Fußball-Weltmacht. Nun schaltet sich Jürgen Klopp ein: Gemeinsam mit der DFL plant der „Head of Global Soccer“ von Red Bull eine tiefgreifende Reform. Eine neue U21-Liga soll das „Loch“ in der Talentförderung schließen und junge Spieler endlich fit für das Profi-Niveau machen.
Ausbildung endet in Deutschland zu früh
Jürgen Klopp schlägt Alarm. Seiner Meinung nach werden Talente hierzulande viel zu früh bewertet und aussortiert. Während 18- oder 19-Jährige in anderen Nationen behutsam aufgebaut werden, müssen sie sich in Deutschland oft bereits in der körperlich harten 3. Liga oder in Regionalligen gegen erfahrene „Haudegen“ behaupten. „Wir können einem 18-Jährigen nicht sagen, er soll aufhören, nur weil er körperlich noch nicht gegen einen 26-Jährigen besteht“, so Klopp. Seine Forderung: Die Ausbildungszeit muss verlängert werden.
Die „Premier League 2“ als Maßstab
In seiner Zeit beim FC Liverpool lernte Jürgen Klopp die Vorzüge der englischen Struktur kennen. Dort treten die Nachwuchsteams in der „Premier League 2“ (U21) gegeneinander an. Dieses Modell will er nun auf Deutschland übertragen. Das Ziel ist eine geschützte Umgebung, in der Top-Talente Spielpraxis auf hohem technischem Niveau sammeln können, ohne im physischen Männerfußball der unteren Ligen „verheizt“ zu werden.
DFL-Expertengruppe nimmt Arbeit auf
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat das Thema bereits auf die Agenda gesetzt. Eine eigens eingerichtete Expertengruppe, der neben Klopp auch DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig angehört, prüft die Umsetzung. Dabei geht es um weit mehr als nur eine neue Tabelle: Es soll ein völlig neuer Markt für Spieler und junge Trainer entstehen. Die Offenheit bei den Verbänden sei „absolut da“, berichtet Klopp, doch der entscheidende Schritt steht noch bevor – die Zustimmung der Vereine.
Widerstand aus der Bundesliga
Doch nicht alle teilen die Euphorie. Kritiker wie Bayern-Sportvorstand Max Eberl befürchten, dass eine reine U21-Liga den Reifeprozess eher verlangsamt. Das Argument: Nur der echte Männerfußball härte die Jungs wirklich ab. Zudem wird diskutiert, ob eine solche Liga das Ende der klassischen zweiten Mannschaften (U23) in der 3. Liga oder den Regionalligen bedeuten würde – ein Thema, das vor allem bei Traditionsvereinen und Fans für Zündstoff sorgt.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Mit Blick auf die kommenden Turniere drängt die Zeit. Klopp sieht Deutschland im Vergleich zu Nationen wie Spanien oder Frankreich im Hintertreffen. Ob die U21-Liga tatsächlich kommt, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Eines ist jedoch sicher: Mit Jürgen Klopp hat die Reformbewegung den prominentesten Fürsprecher gewonnen, den man sich wünschen kann.
Wer ist Jürgen Klopp?
Jürgen Klopp ist einer der prägendsten und erfolgreichsten Fußballtrainer der modernen Ära. Seine Karriere zeichnet sich nicht nur durch sportliche Titel aus, sondern vor allem durch seine Fähigkeit, Vereine und ganze Städte zu emotionalisieren und eine völlig neue Spielphilosophie zu etablieren.
Mainzer Urgestein und Dortmunder Legende
Bekannt wurde Klopp zunächst beim 1. FSV Mainz 05, wo er nach dem Ende seiner aktiven Spielerkarriere vom Platz direkt auf die Trainerbank wechselte. Er führte den Verein 2004 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga und legte damit den Grundstein für den dauerhaften Erfolg der Mainzer. Seinen endgültigen Status als internationaler Top-Trainer festigte er anschließend bei Borussia Dortmund. Mit dem BVB gewann er zwei deutsche Meisterschaften sowie das Double und erreichte das Finale der Champions League.
Vom Hoffnungsträger zur Weltmacht
Sein Denkmal setzte er sich schließlich beim FC Liverpool. In seiner neunjährigen Amtszeit verwandelte er den Club wieder in eine Weltmacht, gewann 2019 die Champions League und führte die „Reds“ 2020 nach 30 Jahren Wartezeit zur lang ersehnten englischen Meisterschaft. Sein Spielstil, der oft als „Heavy Metal Football“ bezeichnet wird, setzt auf extremes Pressing, hohe Intensität und eine leidenschaftliche Bindung zu den Fans.
Klopp im Red-Bull-Kosmos
Nach seinem Rückzug vom Trainerposten in Liverpool im Sommer 2024 schlug Klopp ein neues Kapitel auf. Seit dem 1. Januar 2025 ist er als Global Head of Soccer bei Red Bull tätig. In dieser strategischen Führungsrolle verantwortet er die sportliche Ausrichtung des gesamten Fußball-Netzwerks von Red Bull (unter anderem Leipzig, Salzburg und New York), wobei er als Mentor für Trainer fungiert und die Talentförderung sowie das Scouting auf globaler Ebene koordiniert.
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