Zum mittlerweile neunten Mal zieht Oberbürgermeister Michael Ebling gemeinsam mit Bürgermeister Günter Beck sowie den Beigeordneten Manuela Matz, Dr. Eckart Lensch, Janina Steinkrüger, Marianne Grosse und Volker Hans Jahresbilanz. Die Bürger der Landeshauptstadt Mainz erhalten im Jahresbericht des Stadtvorstandes einen umfassenden Einblick in die Arbeit der einzelnen Ämter und kommunalen Betriebe.


Janina Steinkrüger, Dezernat für Umwelt, Grün, Energie und Verkehr

Starkregen, Tropennächte, Artensterben. Klima-, Umwelt- und Artenschutz bestimmen die öffentliche Debatte. „Umso gewichtiger sind die Ziele und Wege, die der Masterplan 100 % Klimaschutz vorgibt“, betont Umweltdezernentin Janina Steinkrüger. „Unser Masterplan ist Klimaschutzkonzept, Zielstellung und gleichzeitig Maßnahmenkatalog – sowohl für die Stadt aber auch die Verwaltung selbst.“ In seiner Fortschreibung, die im November 2021 gestartet ist, bringen auch Bürgern und Wirtschaft Ideen für ein klimaneutrales Mainz ein. Die besten Ideen werden zudem durch die Verwaltung unterstützt. „Gelebte Bürgerbeteiligung und aktive Einbindung der Stadtgesellschaft“, so die Dezernentin. Die 1. Fortschreibung nimmt zudem Anpassungen auf inzwischen erfolgte Beschlüsse vor, wird im Hinblick auf neue Gesetzgebung aktualisiert und priorisiert die Maßnahmen neu.

Die Wertschätzung und das Bewusstsein für städtische Biodiversitäts- und Lebensräume wächst zunehmend. So konnte zu Beginn des Jahres eine ursprünglich für Bebauung gedachte Fläche unter Schutz gestellt werden. Durch natürliche Entwicklung hat sich auf einer Obstbaumbrache ein Gehölzbestand aus Bäumen und Sträuchern entwickelt. Der Gehölzbestand umfasst ein ca. 9300 m² großes, im städtischen Eigentum befindliches Areal, das einen vielfältigen und durch Siedlungsentwicklung gefährdeten Lebens- und Rückzugsraum u. a. für die Vogelwelt bietet. Zudem ist er ein wichtiges Trittsteinbiotop zwischen dem Landschaftsschutzgebiet „Gonsbachtal“ und den Grünverbindungen im Münchfeld. „Wir sollten Klimaschutz nicht immer mit Verzicht und Verboten in Verbindung bringen“, wirbt die Umweltdezernentin. „Klimaschutz kann wie in diesem Fall auch saubere Atemluft, weniger Lärm oder mehr Grün bedeuten. Also einfach mehr Lebensqualität.“

Die naturschutzfachliche Bedeutung und Schutzwürdigkeit sowie Gefährdung der Fläche durch Wohnbebauung und als Kita-Standort wurde vom Stadtrat erkannt. Für die geplante Kita konnte in der Folge ein Alternativstandort gefunden werden. Der Gehölzbestand „Am Heiligenhaus“ soll gemäß Ratsbeschluss im Laufe des Jahres 2022 als geschützter Landschaftsbestandteil unter Schutz gestellt werden, wofür die Aufhebung des bestehenden Baurechtes eingeleitet wurde.

Erweiterung der Fahrradstraßenachse

Im Sinne der Verkehrswende und der Förderung des Umweltverbundes konnten in 2021 weitere Maßnahmen realisiert und neue Projekte auf den Weg gebracht werden. So wurde mit der Erweiterung der Fahrradstraßenachse in der Oberstadt die Stadtteilradroute optimiert und gestärkt. „Insbesondere durch die rad- und fußverkehrsfreundliche Umgestaltung der Querung Drususwall/Windmühlenstraße konnten auch wichtige Synergien zur Schulwegsicherheit und Barrierefreiheit geschaffen werden“ unterstreicht Janina Steinkrüger. Durch die Unterstützung der Wärmebilderfassung an den Ampeln, wird der Radverkehr automatisch erkannt und kann entsprechend beschleunigt die Straßenseite wechseln. Ein weiterer wichtiger Baustein für eine verbesserte Radinfrastruktur war die Eröffnung des Fahrradparkhauses am Mainzer Hauptbahnhof in diesem Jahr.

Mit Blick auf das bevorstehende Jahr erläutert die Dezernentin „Die Erarbeitung dieser Radvorrangrouten wird im kommenden Jahr im Rahmen des „Radnetz Mainz“ weiterentwickelt und um Qualitäten für den Fußverkehr ergänzt“. Neben Sicherheit und Komfort in der Fortbewegung steht dabei auch das Ziel des Konfliktabbaus im Fokus. Diese Standards finden auch bei der Planung für den Lückenschluss der Straßenbahn durch die Binger Straße Berücksichtigung. Erste Ideen zur Umgestaltung des Straßenraumes wurden in diesem Jahr bereits skizziert und werden in den nächsten Monaten und die Bürgerbeteiligung für den Straßenbahnausbau in der Innenstadt erweitert.


Das Rheinufer hat vielfältige Bedeutung als Naherholungsfläche

Es ist gleichzeitig Tourismusmagnet, Standort für Feste und Märkte und Möglichkeit des Naturerlebens. Daher gliedert der Rahmenplan des Rheinuferforums die unterschiedlichen Nutzungsformen entlang der Wasserkante. So werden unmittelbar am Rhein sowohl naturnahe Freizeitflächen südlich der NATO-Rampe in Mainz-Laubenheim, die Fortführung des Modellprojektes „Ufer und Auenrenaturierung Laubenheim“ (Blaues Band) als auch urbane Grünflächen im Bereich der Mainzer Neustadt (Caponniere, Nordmole Zollhafen) umgesetzt. In 2022 wird das Rheinufer im Abschnitt der Innenstadt zwischen Brücken- und Kaisertor im Sinne der Naherholung und zur Erhöhung von innerstädtischen Grünflächen aufgewertet.

Biologische Vielfalt in der Stadt

Im Januar 2022 geht mit dem Antrag auf Bundesfördermittel „Maßnahmen im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt – Schwerpunkt Stadtnatur“ der Startschuss für ein 5-jähriges Projekt ab Herbst 2022 mit jährlich wechselnden Schwerpunkten los: Im Fokus stehen die Vernetzung der Biotope hinein in die Stadtteile sowie die Vernetzung der in diesem Bereich tätigen Akteure untereinander. Schulen, Kitas, städtische sowie private Grünflächen werden mit den Themenbereichen Freiflächen-, Gebäude- und Dachbegrünung, Gebäudebrüter, smarte Beleuchtung und Bewusstseinsbildung der Kinder über die Bedeutung der Biologischen Vielfalt, deren Erhaltung und nachhaltige Nutzung einbezogen.

Der Schutz von „Offenlandarten“ wie Feldlerche, Rebhuhn oder Feldhamster sowie von Arten des strukturangereicherten Offenlandes wie Grauammer oder Bluthänfling im Bereich der landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Extensivierung städtischer Ackerflächen bei gleichzeitiger Einbeziehung der Landwirte ist weiterhin wichtiger Bestandteil der Bemühungen des Grün- und Umweltamtes. Hierzu ist bereits bei der Stiftung Natur und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz die Verwendung von Ersatzzahlungen für ein Projekt mit einer 15-jähriger Laufzeit beantragt. Der Projektstart ist für das Jahr 2022 geplant und beinhaltet die Einbringung und Durchsetzung der jeweiligen Artenschutzbelange in alle Planungen und Maßnahmenanträge, die in den Lebensraum dieser Tiere eingreifen.

Weitere Berichte zur Jahresbilanz:

In den folgenden Tagen werden bei BYC-News auch die Jahresbilanzen von dem Oberbürgermeister Michael Ebling und dem Beigeordneten Volker Hans veröffentlicht werden.