Eine Zahl, die in der aktuellen Corona-Pandemie Maßstab für viele Entscheidungen in Städten und Landkreisen ist, ist der sogenannte Inzidenzwert. So sollen nach der geplanten „Notbremse“ ab einer Inzidenz von 200 unter anderem Schulen und Kitas geschlossen werden.


Inzidenzwert in Mainz über 400

Ab einer Inzidenz von 200 sollen nach der geplanten Notbremse Schulen und Kitas schließen. Doch der Wert bezieht sich auf die Gesamtbevölkerung – bei Kindern liegt er oft höher. Für die Stadt Mainz liegt der aktuelle Inzidenzwert (Stand: 20.04.2021) für die Altersgruppe 5-14 Jahre bei erschreckenden 424. Im Landkreis Mainz-Bingen beträgt der Inzidenzwert für diese Altersgruppe 197.

Inzidenz nach Altersgruppen für Mainz‘
(Stand: 20.04.2021)

  • 0-4 Jahre : 150
  • 5-14 Jahre: 424
  • 15-34 Jahre: 191
  • 35-59 Jahre: 224
  • 60-79 Jahre: 163
  • über 80 Jahre: 77

Inzidenz nach Altersgruppen für den Kreis Mainz-Bingen
(Stand: 20.04.2021)

  • 0-4 Jahre : 122
  • 5-14 Jahre: 197
  • 15-34 Jahre: 186
  • 35-59 Jahre: 126
  • 60-79 Jahre: 74
  • über 80 Jahre: 18

200 als Maßstab für Schulschließungen zu hoch

Den Wert von 200 als Inzidenzmarke für Schulschließungen halten viele Experten und Politiker für zu hoch. „Wenn im Bundesdurchschnitt die Inzidenz bei 200 liegt, ist sie bei Kindern und Eltern schon viel höher“, twitterte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Stärker als jede andere Bevölkerungsgruppe werde die dritte Welle, ohne Homeschooling Familien anteilig stärker treffen als jede andere „Es sterben jetzt eher die Menschen in der Mitte ihres Lebens. Auch viele Eltern“, so Lauterbach weiter.

Lehrerverband fordert Schulschließungen ab einem Wert von 100

Auch für dem Präsidenten des deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, ist die Marke von 200 als Maßstab für Schulschließungen viel zu hoch. Da der bundesweite Inzidenzwert in den Altersgruppen zwischen 10 und 19 Jahren deutlich höher liege fordert Meidinger: „Um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen wirksam zu stoppen, muss der Präsenzunterricht bereits ab einer Inzidenz von 100 beendet werden.“

Sebastian Mohr vom Max-Planck-Institut hat die Daten vom Robert-Koch-Institut aufbereitet und die Inzidenzwerte nach Altersgruppen analysiert. In einer aktuellen Karte sind alle Landkreise und Städte mit allen Altersgruppen mit den jeweiligen Inzidenzwerten ersichtlich.