Seit dem 23. Juni 2021 ist die Bahnunterführung in Gustavsburg geöffnet. Seitdem ist vermehrt aufgefallen, dass einige LKW-Fahrer sich nicht „trauen“, durch die Unterführung zu fahren. Mehrere Leser von BYC-News haben sich in der Zwischenzeit in der Redaktion gemeldet und von dem Problem berichtet. Auch Anwohner bestätigten dies.


Einige LKW-Fahrer halten an und laufen vor

Durch die Bahnunterführung kann grundsätzlich Schwerlastverkehr fahren. In der Straßenverkehrsordnung ist geregelt, dass kein Schild notwendig ist, welches die zulässige Höhe anzeigt, wenn LKWs mit 4 Metern Höhe durch fahren können. LKW-Fahrer wissen das im Normalfall. Trotzdem sind sich manche Lastwagenfahrer unsicher, da die Unterführung recht niedrig aussieht. Das führt dazu, dass einige Trucker vor der Unterführung längere Zeit stehen bleiben, teilweise aussteigen und nach vorne laufen um sich das ganze anzuschauen. Viele trauen sich dann doch nicht, durch die Unterführung zu fahren und drehen lieber mit einem riskanten Wendemanöver.

Ein LKW-Fahrer und Fahrlehrer dazu

Ein LKW-Fahrer und Fahrlehrer aus Wiesbaden berichtet dazu gegenüber BYC-News: „Dass ortsfremde Kollegen bei der Unterführung verunsichert sind, kann ich gut verstehen. Mir selbst ist das auch schon das ein oder andere Mal in einer fremden Umgebung passiert. Gerade dann, wenn man die Begebenheiten nicht kennt, ist es schwer einzuschätzen. Man kann auch nie wissen, ob jemand das Hinweisschild nicht vielleicht einfach nur abmontiert hatte. Meiner Kollegin passierte das im Jahr 2019, als sie im Süden von Deutschland unter einer Brücke durch wollte und es kein Hinweisschild gab. Sie hatte sich den Auflieger komplett demoliert, der Schaden lag im 5-stelligen Bereich. Die Unterführung und der Lastwagen wurden dabei stark beschädigt und der Spott der Anwohner war groß. Die Polizei war vor Ort und es stellte sich heraus, das irgendein Schlaumeier das Schild abmontierte und in die Büsche geworfen hatte. Genau wegen solchen Geschichten drehen manche Kollegen lieber um.“


„Man sollte die Unterführung sperren“

Weiter erklärt er: „Gibt es keine Warnschilder, ist die Brücke nach der STVO mindestens 4,50 Meter hoch. Aber das weißt du als Trucker halt nicht immer und wenn die Optik etwas anderes sagt, dann drehst du um. Und bei der Unterführung in Gustavsburg sieht man es wirklich nicht, ob es passt oder nicht.“

„Du hast das Problem als LKW-Fahrer, dass du erst runter fahren musst um es richtig zu sehen oder du überlegst ob du nicht vielleicht ein Schild übersehen hast. Und wenn du unten stehst, dann hast du erst recht ein Problem. Fahr mal 40 Tonnen rückwärts da hoch. Klar können wir das ohne Probleme aber es macht keinen Spaß und man will ja auch jedes Risiko vermeiden. Durch das Wenden oder Rückwärtsfahren behindern wir natürlich auch massiv den Verkehr, was wir selbst nicht wollen. Meiner Ansicht nach sollte die Unterführung generell für den Schwerlastverkehr gesperrt werden. Ich gehe nach 30 Jahren Berufserfahrung davon aus, dass es nicht lange dauern wird, bis dort ein Unfall passiert. Dazu kommen ja noch die Fußgänger und Radfahrer, die dort eigentlich nicht durch dürfen. Mir selbst kamen aber schon oft genug Fußgänger und Radfahrer in ganzen Gruppen entgegen, teilweise sogar auf meiner Fahrspur. Du siehst die in dem Kurvenbereich nicht direkt, das kann gefährlich werden. Und viel Zeitersparnis haben wir auch nicht, wenn wir durch die Unterführung fahren“, so der LKW-Fahrer

Stellungnahme der Stadt Ginsheim-Gustavsburg zur Beschilderung an der Unterführung