Der Landkreis Mainz-Bingen will seine Schulentwicklungsplanung neu ausrichten. Statt wie bisher ein neues Gymnasium in Stadecken-Elsheim und eine weitere Integrierte Gesamtschule (IGS) in Mommenheim zu planen, sollen die bestehenden IGS in Ingelheim und Nieder-Olm erweitert werden. Beide Schulen sollen künftig sechszügig sein. Nach den Vorstellungen der Kreisverwaltung könnten dadurch insgesamt 112 zusätzliche Schulplätze geschaffen werden.
Landkreis will bestehende Gesamtschulen in Ingelheim und Nieder-Olm ausbauen
Landrat Thomas Barth und die Schulverwaltung schlagen vor, die bisherigen Anträge für die beiden geplanten Schulneubauten zurückzuziehen. Stattdessen sollen die Integrierten Gesamtschulen in Ingelheim und Nieder-Olm jeweils auf sechs Züge erweitert werden.
„Wir müssen unsere Schulentwicklungsplanung immer wieder an den tatsächlichen Bedarf und neue Erkenntnisse anpassen. Mit den IGS-Erweiterungen erfüllen wir den Wunsch der Eltern, die ihre Kinder in überwiegender Mehrheit an einer IGS anmelden wollen“, sagt Landrat Thomas Barth.
Auch der für den Bereich Schulen zuständige 1. Kreisbeigeordnete Steffen Wolf sieht in den Erweiterungen eine Möglichkeit, schneller zusätzliche Plätze zu schaffen und die Gymnasien im Landkreis zu entlasten. Gleichzeitig soll die Option eines neuen Gymnasiums erhalten bleiben, bis über die Erweiterungen der bestehenden Schulen entschieden ist.
Neue Rahmenbedingungen ermöglichen sechste Züge
Bereits Anfang des Jahres hatte der Landkreis eine sechszügige Erweiterung der bestehenden IGS geprüft. Damals wurde die Idee allerdings nicht weiterverfolgt, weil die notwendige Zustimmung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und des Bildungsministeriums fehlte. Stattdessen wurden die bisherigen Beschlüsse für ein Gymnasium in Stadecken-Elsheim und eine IGS in Mommenheim gefasst.
Mit der neuen Landesregierung haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Im Koalitionsvertrag wurde grundsätzlich ermöglicht, Integrierte Gesamtschulen auf sechs Züge zu erweitern. Nach intensiven Gesprächen mit dem Land und den betroffenen Schulen soll nun der Verwaltungsvorschlag beraten werden.
Zunächst befassen sich der Schulträgerausschuss und der Kreisausschuss mit dem Vorhaben. Die endgültige Entscheidung soll im Dezember im Kreistag fallen.
Hohe Nachfrage nach IGS-Plätzen im Landkreis
Wie groß der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist, zeigen nach Angaben der Kreisverwaltung die aktuellen Anmeldezahlen. Im laufenden Schuljahr mussten die beiden Integrierten Gesamtschulen in Ingelheim und Nieder-Olm zusammen 254 Schülerinnen und Schüler ablehnen. Aufgenommen werden konnten lediglich 224.
Nach einer Erweiterung könnten an beiden Standorten künftig jeweils 168 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang aufgenommen werden. Insgesamt wären das 336 Plätze. Damit würde sich der bisherige Nachfrageüberhang deutlich verringern. Da die Nachfrage weiterhin hoch bleiben dürfte, soll es allerdings auch künftig eine Auswahl unter den Bewerberinnen und Bewerbern geben. Damit will der Landkreis sicherstellen, dass das pädagogische Konzept der IGS mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Leistungsniveaus erhalten bleibt.
Erweiterung soll schneller als ein Neubau möglich sein
Ein weiterer Grund für den Vorschlag ist die voraussichtlich kürzere Umsetzungszeit. Beide Schulen bestehen bereits und verfügen über bauliche Strukturen, die nach einer Prüfung durch die Architekten der Fachabteilung grundsätzlich Erweiterungen ermöglichen.
Ein Neubau könnte dagegen erst fertiggestellt werden, wenn der zusätzliche Bedarf möglicherweise bereits wieder zurückgeht. Nach den aktuellen Planungen wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen im Landkreis zwar noch bis 2030 steigen, anschließend soll sie jedoch wieder auf das heutige Niveau sinken.
Auch die Geburtenzahlen wurden im Zuge der Überprüfung erneut mit den bisherigen Prognosen des Schulentwicklungsplans abgeglichen. Dabei ergaben sich Abweichungen: Für das Schuljahr 2032/33 waren bislang 2054 Einschulungen prognostiziert worden. Nach den aktuellen Zahlen des Einwohnermeldeamts wurden zwischen dem 1. September 2025 und dem 31. August 2026 allerdings nur 1623 Kinder geboren. Die Differenz von 431 Kindern allein durch möglichen Zuzug zu erklären, hält die Fachabteilung nach eigenen Angaben für nicht plausibel.
Erweiterungen sollen deutlich günstiger sein
Neben dem zeitlichen Aspekt spielen auch die Kosten eine Rolle. Die Erweiterung der beiden bestehenden Integrierten Gesamtschulen wäre nach Einschätzung des Landkreises wirtschaftlich deutlich günstiger als ein Neubau. Für ein neues vierzügiges Gymnasium in Stadecken-Elsheim wären Investitionen von rund 80 Millionen Euro erforderlich.
„Der jetzt vorliegende Beschluss ist unser Vorschlag an den Kreistag, damit die von uns erhoffte Entlastung bei den Schulplätzen so schnell wie möglich greift und wir den Eltern ein dementsprechendes Angebot machen können“, sagt Landrat Thomas Barth.






