Sie erfanden den ersten Corona-Impfstoff, und sie wollen die Krebsmedizin revolutionieren: Die drei Biontech-Gründer Ugur Sahin, Özlem Türeci und Christoph Huber sind jetzt neue Ehrenbürger von Mainz. Oberbürgermeister Michael Ebling zeichnete die drei Wissenschaftler am Donnerstag in Mainz mit der höchsten Ehrung der Stadt aus. „Das ist ein großes Glück für Mainz“, sagte Ebling bei der Verleihung. Durch die Weitsicht, den Mut und die außergewöhnlichen Fähigkeiten der drei Wissenschaftler sei Mainz die Stadt geworden, die der Welt den ersten mRNA-Impfstoff geschenkt habe.


Der erste Impfstoff, der gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelt wurde

Geehrt werden die drei Mediziner vor allem für die Erfindung des Corona-Impfstoffs Comirnaty vor genau zwei Jahren. Es war der erste Impfstoff, der gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelt wurde – und der erste Impfstoff, der mit Hilfe der mRNA-Technologie entwickelt wurde. Grundlage dafür war Jahrzehnte lange Forschung in der Krebsmedizin, die Biontech-Gründer forschen bereits seit mehr als zwanzig Jahren an individualisierten Krebs-Behandlungsmethoden.

Der Krebsforscher Christoph Huber kam 1990 an die Mainzer Universitätsmedizin und baute hier einen neuen, innovativen Forschungsbereich in der Krebsmedizin auf. Huber, gebürtiger Österreicher, gilt als einer der Pioniere und Visionäre der immunologischen Krebsforschung, er holte 2001 das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci nach Mainz. Gemeinsam gründeten die drei Forscher 2008 das Unternehmen Biontech zur Entwicklung von individuellen Immuntherapien gegen Krebs – damals schon auf der Basis von mRNA-Technologie.

Anfang 2020 entwickelten Sahin und Türeci auf der Grundlage ihrer Forschungsarbeit den neuen Impfstoff Comirnaty, das „Projekt Lightspeed“ wurde ein Mega-Erfolg: Nach nur wenigen Monaten der Entwicklung und Erprobung kam Ende 2020 mit Comirnaty der erste Corona-Impfstoff auf den Markt – seither sind Millionen Menschen weltweit mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus geschützt worden.

 

Michael Ebling dazu

„Mit ihrer Vision und Tatkraft haben sie einen herausragenden Beitrag geleistet, unzählige Leben zu retten und uns unser Leben und Sicherheit zurückzugeben“, sagte Ebling: „Dank Ihrer Arbeit ging Hoffnung um die Welt in der dunkelsten Zeit der Pandemie, und allein das ist mehr, als eine Stadt hoffen darf, der Welt zu schenken.“ Und vielleicht, sagte Ebling noch, habe es „für Ihren Weg auch keine bessere Stadt als diese gegeben“, denn Mainz sei eine Stadt der Weltoffenheit und des internationalen Austauschs mit hoher Lebensqualität. „Vielleicht konnte diese Heimat einen kleinen Beitrag leisten zur Entwicklung“, fügte er hinzu.

„Wir haben ganz klein unten angefangen“

„Der Anfang war ein bisschen wie eine Garagenfirma“, bekannte die Professorin Türeci, „wir haben ganz klein unten angefangen.“ Ihr Mann Ugur Sahin berichtete, die beiden Forscher seien einfach ihrem Herzen gefolgt und ihren Weg unbeirrt weiter gegangen und hätten dabei das Glück gehabt, immer Unterstützung zu finden. Die Entscheidung für Mainz sei wegen der Menschen gefallen: „Wir sind an einem wunderschönen sonnigen Tag nach Mainz gefahren, sind durch die Stadt gelaufen – und wir haben die unheimlich freundlichen Menschen hier erlebt“, das habe den Ausschlag gegeben.

Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung der Stadt Mainz, die zuvor erst an 50 Menschen vergeben worden war. Derzeit leben noch zwei Ehrenbürger: Montsignore Klaus Mayer, der die Chagall-Fenster in die Kirche St. Stephan holte, und die Fastnachts-Ikone Margit Sponheimer.