StartFit und GesundGummibärchen ohne Zucker und Zahngesundheit: Was Zahnärzte zu Zuckeraustauschstoffen sagen

Gummibärchen ohne Zucker und Zahngesundheit: Was Zahnärzte zu Zuckeraustauschstoffen sagen

Warum zuckerfreie Alternativen den Zahnschmelz schonen, was Süßungsmittel wie Xylit und Sorbit wirklich leisten und worauf Sie beim Kauf achten sollten

Auf der Packung steht „zahnfreundlich“, und im Kopf des Käufers wird daraus schnell „gut für die Zähne“. Zwischen diesen beiden Aussagen liegt allerdings ein Unterschied, den die Zahnmedizin sehr genau macht, die Werbung dagegen eher selten.

Gummibärchen ohne Zucker haben sich in den vergangenen Jahren von der Diabetikerecke ins normale Süßwarenregal vorgearbeitet. Sie werden mit Sorbit, Maltit, Isomalt oder Xylit gesüßt, alles Zuckeralkohole, die im Mund anders reagieren als Haushaltszucker. Die Frage, was das für den Zahnschmelz bedeutet, beantworten Hersteller gern knapp und Zahnärzte deutlich vorsichtiger.

Der Unterschied lohnt sich zu verstehen, weil er die Kaufentscheidung tatsächlich verändert. Wer zuckerfreie Varianten für eine Art Zahnpflege hält, geht von einem Schutz aus, den es so nicht gibt. Wer sie dagegen als das nimmt, was sie sind, nämlich eine Süßigkeit, die dem Zahnschmelz nicht aktiv schadet, trifft eine ziemlich vernünftige Wahl.

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Warum Zucker den Zähnen schadet und Zuckeralkohole nicht

Karies entsteht nicht durch Zucker selbst, sondern durch das, was Bakterien damit anstellen. Streptococcus mutans und verwandte Arten verstoffwechseln Haushaltszucker zu Säuren. Diese Säuren senken den pH-Wert im Zahnbelag, und unterhalb eines Werts von etwa 5,7 beginnt der Zahnschmelz Mineralien zu verlieren. Passiert das oft genug und lange genug, entsteht ein Loch.

Genau an dieser Stelle verhalten sich Zuckeralkohole anders. Die Mundbakterien können Sorbit, Maltit, Isomalt und Xylit kaum oder gar nicht zu Säuren vergären. Der pH-Wert bleibt dadurch im unkritischen Bereich, die Entmineralisierung setzt nicht ein. Wer also Gummibärchen ohne Zucker kauft, bekommt ein Produkt, das den Säureangriff nach dem Naschen schlicht nicht auslöst.

Das ist der ganze Mechanismus, und er ist unter Zahnmedizinern unstrittig. Produkte mit dem sogenannten Zahnmännchen-Siegel müssen genau das nachweisen, nämlich dass der pH-Wert im Zahnbelag nach dem Verzehr über eine definierte Zeitspanne nicht unter den kritischen Wert fällt. Das Siegel bescheinigt Schadensfreiheit, nicht Pflege.

Was Gummibärchen ohne Zucker leisten und was nicht

Interessant wird es beim nächsten Schritt. Seit Jahren kursiert die These, Xylit wirke nicht nur neutral, sondern aktiv gegen Karies, weil es die Kariesbakterien in ihrer Vermehrung hemmt. Laborversuche stützen das durchaus.

Was die Studienlage hergibt

Die Praxis ist weniger eindeutig. Ein Forschernetzwerk von Cochrane hat die verfügbaren Untersuchungen 2015 gesichtet und kam zu einem zurückhaltenden Ergebnis, weil nur wenige Studien vorlagen und diese methodische Mängel aufwiesen. Ob Xylit zusätzlich zur normalen Zahnpflege einen messbaren Schutz bringt, ließ sich daraus nicht ableiten. Die Verbraucherzentrale bewertet die Wirkung deshalb bis heute als möglich, aber nicht ausreichend belegt.

Für den Einkauf heißt das Folgendes. „Verursacht keine Karies“ ist eine belastbare Aussage. „Schützt vor Karies“ ist eine Werbeaussage, auf die man sich nicht verlassen sollte. Zähneputzen ersetzt kein Fruchtgummi, egal womit es gesüßt ist.

Warum der Zeitpunkt wichtiger ist als die Sorte

Zahnärzte weisen auf einen Punkt hin, der in der Zuckerdebatte oft untergeht. Entscheidend ist weniger, wie viel Süßes jemand isst, sondern wie häufig über den Tag verteilt. Jeder einzelne Kontakt mit zuckerhaltiger Nahrung startet einen Säureangriff, der etwa eine halbe Stunde anhält, bis der Speichel den pH-Wert wieder ausgleicht. Wer sechsmal täglich nascht, hält den Zahnschmelz drei Stunden lang unter Beschuss.
Bei zuckerfreien Varianten entfällt dieser Rhythmus. Das macht sie vor allem für Situationen interessant, in denen keine Zahnbürste in Reichweite ist, etwa unterwegs, im Büro oder auf langen Autofahrten. Nicht weil sie die Zähne pflegen, sondern weil sie die Uhr nicht neu starten.

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Die vier Süßungsmittel, die in der Praxis vorkommen

Auf der Zutatenliste stehen selten Erklärungen, sondern nur Namen. Vier davon decken den Großteil des Marktes ab, und sie unterscheiden sich in Süßkraft, Brennwert und Verträglichkeit deutlicher, als die gemeinsame Kategorie vermuten lässt.

Sorbit ist der Klassiker und das günstigste der vier. Es süßt nur etwa halb so stark wie Haushaltszucker, weshalb Hersteller entsprechend mehr davon einsetzen. Genau daraus ergibt sich das Verträglichkeitsproblem, denn Sorbit gilt als der Zuckeralkohol, bei dem die Beschwerden am schnellsten einsetzen. Wer nach zuckerfreien Süßigkeiten regelmäßig Bauchweh bekommt, findet die Ursache meist hier.

Anders liegt der Fall bei Maltit. Es kommt der Süßkraft von Zucker am nächsten und schmeckt am unauffälligsten, ohne den kühlenden Effekt, den andere Zuckeralkohole mitbringen. Dafür hat es den höchsten Brennwert der Gruppe und beeinflusst den Blutzucker etwas stärker als die übrigen, was für Diabetiker relevant sein kann.

Isomalt wiederum wird aus Rübenzucker hergestellt und ist in Fruchtgummis und Bonbons besonders verbreitet. Es süßt schwächer, wird aber meist besser vertragen als Sorbit und ist für Zahnärzte eines der unproblematischsten Süßungsmittel überhaupt.

Bleibt Xylit, das die volle Süßkraft von Zucker mitbringt, beim Lutschen deutlich kühlt und das teuerste der vier ist. Ihm wird der aktive Kariesschutz zugeschrieben, was die Preisdifferenz erklärt und, wie oben beschrieben, nur eingeschränkt belegt ist.
In der Praxis kombinieren Hersteller mehrere davon, um Textur und Geschmack hinzubekommen. Ein Blick auf die Reihenfolge der Zutatenliste sagt deshalb mehr aus als der Werbetext auf der Vorderseite. Steht Sorbit an erster Stelle und reagiert der eigene Darm empfindlich, ist ein anderes Produkt die bessere Wahl.

Was auf dem Etikett sonst noch zählt

„Ohne Zuckerzusatz“ und „zuckerfrei“ sind zwei verschiedene Angaben, und der Unterschied ist mehr als juristische Feinheit. Zuckerfrei bedeutet, dass höchstens 0,5 Gramm Zucker auf 100 Gramm Produkt kommen. Ohne Zuckerzusatz heißt lediglich, dass kein Zucker hinzugefügt wurde, während der natürlich enthaltene Fruchtzucker aus Saftkonzentrat weiterhin drin sein darf. Für die Zähne macht das einen Unterschied, weil Fruchtzucker von den Mundbakterien genauso vergoren wird wie Haushaltszucker.

Ein zweiter Punkt betrifft die Stärke. Manche zuckerfreien Fruchtgummis enthalten Stärkesirup oder Maltodextrin als Träger. Beides sind Kohlenhydrate, die im Mund durch Speichelenzyme aufgespalten werden und dabei sehr wohl Säure entstehen lassen können. Produkte mit Zahnmännchen-Siegel sind an dieser Stelle geprüft, andere nicht zwangsläufig.

Wer also gezielt zahnfreundlich einkaufen will, achtet auf drei Dinge in dieser Reihenfolge. Erstens das Siegel, weil es tatsächlich gemessen wurde. Zweitens die Angabe „zuckerfrei“ statt „ohne Zuckerzusatz“. Und drittens die Zutatenliste, in der die Reihenfolge verrät, welcher Zuckeralkohol den Hauptanteil stellt und wie gut man das Produkt vertragen wird.

Die Kehrseite, über die seltener gesprochen wird

Zuckeralkohole sind für die Zähne harmlos, für den Darm nicht unbedingt. Sie werden im Dünndarm nur teilweise aufgenommen, der Rest wandert weiter und wird von der Darmflora vergoren. Das Ergebnis kennen viele, die es beim ersten Mal übertrieben haben, nämlich Blähungen und im ungünstigen Fall Durchfall.

Wie viel vertragen wird

Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, die Empfindlichkeit schwankt stark. Als grobe Orientierung gelten etwa 20 bis 30 Gramm Zuckeralkohole pro Tag für Erwachsene, wobei Sorbit meist schlechter vertragen wird als Isomalt oder Maltit. Wer bisher wenig davon gegessen hat, sollte sich herantasten, weil sich die Verträglichkeit über einige Wochen deutlich verbessert.
Der Gesetzgeber hat darauf reagiert. Lebensmittel mit einem Polyol-Anteil von mehr als zehn Prozent müssen den Hinweis tragen, dass übermäßiger Verzehr abführend wirken kann. Bei zuckerfreien Fruchtgummis ist dieser Hinweis die Regel, und er ist ernster gemeint, als die kleine Schrift vermuten lässt.

Für wen sich der Umstieg besonders lohnt

Am deutlichsten profitieren drei Gruppen. Menschen mit Diabetes, weil Zuckeralkohole den Blutzucker kaum beeinflussen und nicht über Insulin reguliert werden. Menschen mit hohem Kariesrisiko, etwa nach einer Strahlentherapie im Kopfbereich oder bei verringertem Speichelfluss. Und Eltern, die Süßigkeiten nicht komplett streichen wollen, aber die Zahl der Säureangriffe pro Tag begrenzen möchten. Eine vierte Gruppe wird dabei meist übersehen, nämlich Menschen, die eine feste Zahnspange tragen. Unter Brackets und Drähten sammelt sich Belag, der sich mit der Bürste schlecht erreichen lässt, und jeder zusätzliche Säureangriff wirkt dort länger nach als auf einer glatten Zahnfläche. Kieferorthopäden raten während der Behandlung deshalb regelmäßig zu zuckerfreien Alternativen, gerade weil die Behandlungszeit sich über Jahre zieht. Für alle anderen ist es eine Abwägung zwischen Zahngesundheit und Verdauung, und die fällt individuell aus.

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Häufige Fragen

Sind zuckerfreie Gummibärchen kalorienfrei?

Nein. Zuckeralkohole liefern etwa 2,4 Kilokalorien pro Gramm statt der 4 Kilokalorien von Haushaltszucker. Der Unterschied ist spürbar, aber die Produkte bleiben Süßigkeiten mit relevantem Brennwert.

Muss ich nach zuckerfreien Süßigkeiten trotzdem die Zähne putzen?

Die tägliche Zahnpflege bleibt unverändert notwendig. Zuckerfreie Produkte ersparen einen zusätzlichen Säureangriff, sie ersetzen aber weder Zahnbürste noch Zahnseide.

Woran erkenne ich zahnfreundliche Produkte zuverlässig?

Am Zahnmännchen-Siegel des Vereins Aktion zahnfreundlich. Es wird nur nach einer Messung im Zahnbelag vergeben und ist verlässlicher als die Angabe „ohne Zucker“ allein, weil auch zuckerfreie Produkte Zutaten wie Stärkesirup enthalten können.

Sind Zuckeralkohole für Kinder geeignet?

Grundsätzlich ja, allerdings bei kleineren Körpergewichten mit entsprechend niedrigerer Verträglichkeitsschwelle. Kleine Portionen sind hier sinnvoller als die ganze Tüte.

Und Hunde?

Xylit ist für Hunde giftig und kann schon in kleinen Mengen lebensbedrohlich sein. Zuckerfreie Süßigkeiten gehören außerhalb der Reichweite des Haustiers aufbewahrt.

Was davon im Alltag hängen bleibt

Gummibärchen ohne Zucker lösen keinen Säureangriff aus, und das ist ein echter, messbarer Vorteil gegenüber der klassischen Variante. Sie schützen die Zähne deswegen aber nicht aktiv, und wer sie als Ersatz für Zahnpflege versteht, hat die Werbeaussage mit dem Befund verwechselt.

Sinnvoll eingesetzt sind sie die Süßigkeit für die Gelegenheiten zwischen den Mahlzeiten, bei denen sonst niemand hinterher putzt. In dieser Rolle funktionieren sie gut. Wer vorsichtig anfängt und es beim ersten Versuch nicht mit einer ganzen Tüte probiert, wird auch die Verdauung nicht gegen sich aufbringen.