Für viele fliegende, krabbelnde oder schwimmende Tierarten bietet der Landkreis Mainz-Bingen den idealen Lebensraum. Wer genau hinsieht, begegnet vielen von ihnen beim täglichen Spaziergang. Bei anderen muss man schon ein wenig genauer hinschauen. So zum Beispiel bei der Gottesanbeterin.

Die Gottesanbeterin steht unter besonderem Artenschutz

Ursprünglich nur in Afrika beheimatet, ist die Fangschrecke heute in ganz Europa, Asien, den USA und Kanada zu finden. Auch wenn sie in Deutschland nur sehr selten vorkommt, wurde sie an der ein oder anderen Stelle bereits entdeckt. Berichten zufolge wurde die Gottesanbeterin auch im Landkreis Mainz-Bingen bereits in Bingen am Scharlachkopf, den Ingelheimer Weinbergen, in Nierstein und in Mommenheim gesehen. Das liegt vor allem an den Auswirkungen des Klimawandels. Eigentlich fühlt sich das Insekt nämlich auf sonnigem, trockenwarmen Grasland oder auf Brachflächen mit lockerem Pflanzenbewuchs am wohlsten. Die findet sie mittlerweile aber auch in nördlicheren Gebieten. Aufgrund ihrer Seltenheit steht sie in den meisten Ländern Mitteleuropas unter besonderem Artenschutz und darf somit nicht gefangen werden.

Der Name des etwa 75 Millimeter großen Tiers leitet sich aus ihrer Körper-Pose her. Diese besteht vor allem aus den angewinkelten „betenden“ Vorderbeinen, die für die Nahrungssuche nach Heuschrecken, Grillen und kleinen Insekten dienen. Eine weitere Besonderheit ist, dass sie Ihren Kopf in alle Richtungen drehen kann, dadurch behält sie alles im Blick. So kann sie sich vor ihren natürlichen Feinden, wie Ameisen, Wespen oder Vögeln besser in Acht nehmen. Aufgrund ihrer grünen, gelblichen oder graubraunen Färbung sind Gottesanbeterinnen gut getarnt und können dadurch unbemerkt auf Beutefang gehen.

Weibchen fressen ihre männlichen Partner häufig auf

Im Sommer und Frühherbst findet die Paarung statt und dauert circa zwei Stunden. Öfter wird der männliche Partner anschließend von dem Weibchen aufgefressen. Das Weibchen legt die Eier in einem als Oothek bezeichneten Paket ab, welches an einem Blatt oder Grashalm festklebt. In der Oothek sind die Eier im Winter vor Frost und Austrocknung geschützt, bevor die Larven im Frühjahr schlüpfen. Diese gehen anschließend auf Beutefang und sind nach etwa sechs Häutungen zu voll geschlechtsreifen Gottesanbeterinnen (Imagines) herangewachsen.