BYC-NewsMainzKultur MainzDie Christuskirche Mainz: Der evangelische Dom der Neustadt

Die Christuskirche Mainz: Der evangelische Dom der Neustadt

Majestätisch ragt ihre 80 Meter hohe Kuppel am Ende der Kaiserstraße empor: Die Christuskirche Mainz ist weit mehr als nur ein Gotteshaus. Als repräsentatives „Gegengewicht“ zum katholischen Dom erbaut, prägt sie seit über 120 Jahren das Stadtbild der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Ihre Geschichte ist eine Erzählung von Aufbruch, totaler Zerstörung und beeindruckendem Wiederaufbau.

Ein Gegengewicht aus Stein: Von der Gründung zum Bau

Obwohl die evangelische Gemeinde in Mainz bereits 1802 gegründet wurde, dauerte es Jahrzehnte bis zum Bau einer eigenen, repräsentativen Kirche. 1886 erhielt die Gemeinde einen kostenlosen Bauplatz unter strengen Auflagen: Ein Wettbewerb musste ausgeschrieben und der Bau innerhalb von zehn Jahren begonnen werden.

Nach Plänen des berühmten Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig entstand von 1896 bis 1903 ein Bauwerk im Stil der italienischen Hochrenaissance. Nach Kreyßigs Tod (1897) vollendete der schwedische Bauleiter Franz Frederiksson das Monument, das am 2. Juli 1903 feierlich geweiht wurde.

Zerstörung und der Geist des Wiederaufbaus

Der Zweite Weltkrieg markierte den dunkelsten Punkt in der Geschichte der Christuskirche Mainz. Bei schweren Luftangriffen brannte das Gebäude fast vollständig aus. Die einzigartigen, farbenfrohen Glasfenster, die dem Raum ein mystisches Licht verliehen hatten, wurden vernichtet.

Doch die Gemeinde gab nicht auf:

  • 1952 – 1954: Unter der Leitung von Otto Vogel wurde die Kirche wieder aufgebaut.

  • 31. Oktober 1954: Erneute Weihe des Gotteshauses.

  • Wandel im Inneren: Während die äußere Pracht weitgehend erhalten blieb, wurde das Innere im Stil der 50er Jahre schlicht umgestaltet. Die ursprüngliche, opulente Ausstattung ist heute nur noch in Fragmenten – etwa bei Turmführungen – zu erahnen.

Architektur, die an Rom erinnert

Das markanteste Merkmal ist die kupfergedeckte Kuppel über der Vierung. Mit ihren zahlreichen Fenstern weckt sie bei Betrachtern unweigerlich Assoziationen zum Petersdom in Rom. Im Glockenturm verbirgt sich zudem eine Besonderheit: Von den ursprünglichen Glocken überstand nur die kleinste – die E-Glocke – den Krieg, weil mutige Gemeindemitglieder sie rechtzeitig versteckten. Die heutige Orgel aus dem Jahr 1962 beeindruckt mit stolzen 3.030 Pfeifen.

Ein lebendiger Ort für Glaube und Kultur

Heute ist die Christuskirche Mainz ein pulsierendes Zentrum im Herzen der Neustadt. Seit einer Umgestaltung zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht ein zentraler Altar des Künstlers Erwin Heerich im Mittelpunkt, um den sich die Gemeinde versammelt.

Die Kirche dient heute vielfältigen Zwecken:

  • Gottesdienste: Traditionelle Messen, Universitätsgottesdienste der JGU Mainz und spezielle Angebote für Kinder.

  • Musik: Die Kirche ist Heimat des renommierten Bachchors Mainz und des Gospelchors Gospel Groove.

  • Kultur: Regelmäßige Konzerte, Vorträge und Ausstellungen machen sie zu einem beliebten Anziehungspunkt für Musikliebhaber.

Für Besucher ist die Kirche täglich geöffnet. Wer den spektakulären Blick über Mainz genießen oder die „versteckte Pracht“ der alten Rundbögen entdecken möchte, kann nach Voranmeldung an einer der faszinierenden Turmführungen teilnehmen.

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