Der Zwetschgenkuchen ist frisch. Kaffee ist gekocht. Am Esstisch in einem der Reihenhäuser in der Bürgermeister-Schaffner-Straße in Meisenheim (Kreis Bad Kreuznach) sitzt eine lustige Runde zusammen. Hier lebt eine besondere Wohngemeinschaft der Stiftung kreuznacher diakonie, die in diesem Jahr ihr 10jähriges Bestehen feiert.


Große gut gelaunte Familie

Jens Müller, Sascha Hecker, Lara Hübner und Daisy Weidmann wohnen hier und werden von drei Mitarbeitenden aus dem Bereich Behindertenhilfe stundenweise unterstützt. Wer mit allen am Tisch sitzt, lacht, redet und isst, hat das Gefühl, als wäre er bei einer großen, gut gelaunten Familie zu Gast. Hinter ihnen an der Terrassentür hängt eine große 10, weil sie alle nun genau ein Jahrzehnt diesen Inklusionsversuch erlebt haben.

Selbstständiges Leben und Heimat

„Das ist mein Zuhause“, sagt Sascha Hecker. Hinter dem kurzen Satz versteckt sich jede Menge  Lob an die ganze Runde. Denn das war und ist das Ziel des Projektes, das die Stiftung kreuznacher diakonie 2011 in Meisenheim umgesetzt hat: „Ein selbständiges Leben und Heimat bieten.“ Der 34-Jährige ist der ruhigere der Truppe. Sein bester Freund ist Jens Müller, der Spaßvogel des Hauses, der mit trockenem Humor und Anekdoten die Tischrunde an diesem und anderen Nachmittagen unterhält.

Sascha Hecker Jens Müller | Foto: kreuznacher diakonie

Freiheit und selbstbestimmtes Leben

Beide gehen jeden Morgen im Bodelschwingh Zentrum in der Diakonie Werkstatt arbeiten. Auch Lara und Daisy haben diesen Tagesrhythmus und sind bis 16 Uhr bei der Arbeit im benachbarten Bodelschwingh Zentrum. Wenn alle um 16 Uhr in das Reihenhaus zurückkommen, sind auch abwechselnd die drei Betreuer da und helfen, wo es Unterstützung braucht. Das können ganz persönliche Probleme sein oder schlicht die Bewältigung von Alltäglichem: Waschen, Kochen, Geburtstagsplanung.

Auch beim Urlaub in Kroatien oder auf „Malle“ wird die Gruppe begleitet. Die Grundsatzfrage ist immer: Was brauchst du, um deine Aufgabe selbst erledigen zu können? Denn hier gibt es keine Rund-um-Betreuung, sondern Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben für Menschen, die gerne von außen als „geistig behindert“ eingestuft werden.

Wie in anderen WGs

Dabei klappt das Leben in der Wohngruppe genauso gut oder genauso schlecht wie in anderen Wohngemeinschaften etwa an der Uni: Mal gibt es Streit untereinander, den man lösen kann, wenn man Kompromisse macht. Mal fehlt ein Ei, das man vergessen hat einzukaufen und beim Nachbarn erfragen muss. Mal klappt der Küchendienst, mal nicht. Und wenn jemand traurig ist, ist man füreinander da. Feste werden gefeiert, Waschtag und Kartenabend gehören zum Wochenablauf.

Echte Erfolgsstory

Jeder hier hat Stärken und Schwächen, auf die sich die WGler einspielen mussten. 10 Jahre leben Lara, Jens, Daisy und Sascha jetzt schon zusammen. Sie wollen und können hier alt werden – im Kreis ihrer Freunde, ihrer Nachbarn und der Mitarbeitenden der Stiftung kreuznacher diakonie, für die diese Inklusionsgeschichte eine echte Erfolgsstory ist.