Was heute Millionen Menschen vor die Bildschirme lockt, begann vor über sieben Jahrzehnten als technisches und kulturelles Experiment. Die Geschichte von Mainz bleibt Mainz ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Büttenreden und Gesang, sondern ein Spiegelbild der bundesrepublikanischen Historie, geprägt von politischer Brisanz, technischem Fortschritt und unvergessenen Persönlichkeiten.
Die Pionierjahre: „Mainz wie es singt und lacht“ (1955–1964)
Der Grundstein wurde am 17. Februar 1955 gelegt. Der damalige Südwestfunk (SWF) unter der Leitung von Wolfgang Brobeil übertrug erstmals eine Gemeinschaftssitzung der Vereine MCV und MCC. Der Titel lautete damals noch schlicht „Mainz wie es singt und lacht“.
In diese Ära fällt auch der bis heute gültige „Ewigkeitsrekord“ des deutschen Fernsehens: Am 5. Februar 1964 sang Ernst Neger zum ersten Mal das Lied „Humba Täterä“. Die Stimmung im Kurfürstlichen Schloss eskalierte derart positiv, dass das Saalpublikum keine Ruhe mehr gab. Die Sendung musste um eine volle Stunde überzogen werden – bei einer gemessenen Einschaltquote von sagenhaften 89 %. Ein Wert, der in der Geschichte des deutschen TV nie wieder erreicht wurde.
Konkurrenzkampf und die närrische Fusion (1965–1973)
Ab 1965 wurde die Geschichte von Mainz bleibt Mainz kompliziert. Das ZDF, das seinen Sitz nach Mainz verlegt hatte, startete die Konkurrenzveranstaltung „Mainz bleibt Mainz“. Hier wirkten der KCK, der Mombacher Carneval-Verein „Die Bohnebeitel“ und die Mainzer Prinzengarde mit.
1968 folgte ein technischer Meilenstein: Das ZDF übertrug die Sitzung erstmals in Farbe. Doch die Zersplitterung der Kräfte schadete dem Image. Ein Versuch im Jahr 1972, die Sitzung unter Otto Höpfner mit Stars wie Tony Marshall zu einer modernen Varieté-Show umzubauen, floppte bei Publikum und Kritik gleichermaßen.
Die Rettung kam 1973: ARD und ZDF einigten sich auf eine Fusion. Seither strahlen beide Sender die Sitzung im jährlichen Wechsel unter dem heute bekannten kombinierten Namen aus. Die vier veranstaltenden Vereine sind seither fest definiert: MCV, MCC, GCV und KCK.
Schicksalsjahre und Zwangspausen
Die Geschichte von Mainz bleibt Mainz verlief nicht immer linear. 1991 zwang der Golfkrieg die Verantwortlichen zur kompletten Absage der Sitzung. Dies hatte eine dauerhafte Auswirkung: Da die ARD bis 1990 in den geraden Jahren sendete, verschob sich der Rhythmus durch den Ausfall. Seit 1991 sendet die ARD in den ungeraden Jahren und das ZDF in den geraden.
Auch die COVID-19-Pandemie forderte ihren Tribut. In den Jahren 2021 und 2022 gab es keine klassische Livesendung. Stattdessen wurden vorab produzierte Videos gezeigt, und im Saal saßen 100 „Pappkameraden“ als Platzhalter für das echte Publikum. Ein weiterer Einschnitt erfolgte 2022, als das ZDF die Ausstrahlung am Altweiberdonnerstag wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine absagte und die Sendung nur online zur Verfügung stellte.
Die Gesichter einer Ära: Präsidenten und Rebellen
Kein Mann prägte das Bild der Mainzer Fastnacht so sehr wie Rolf Braun. Er leitete insgesamt 25 Sitzungen (von 1965 beim ZDF bis 1989 in der Gemeinschaftssitzung) und wurde durch seinen Running Gag „Wolle mer’n eroilosse?“ zur Legende.
Nach einer Phase wechselnder Sitzungspräsidenten (u.a. Hans-Peter Betz, der von 2006 bis 2013 das Amt innehatte) übernahm 2014 Andreas Schmitt die Präsidentenschelle. Er führt die Tradition der „politisch-literarischen Fastnacht“ mit eiserner Disziplin und seinem legendären Humor als „Obermessdiener“ fort.
Unvergessene TV-Momente
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1992: Bundesminister Norbert Blüm stürmt spontan die Bühne, um sich gegen die Kritik von „Erna aus Ostpreußen“ (Manfred Friedrich) zu wehren – ein Lehrstück in Sachen politischer Schlagfertigkeit.
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2009: Erstmals durften mit den „Bohnebeiteln“ wieder Redner auftreten, die nicht aus den vier Kernvereinen stammten.
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2013: Kabarettist Lars Reichow etabliert das „Fastnachtsjournal“ bzw. die „Fastnachtsthemen“, was bis heute eine Brücke zwischen klassischer Bütt und modernem Kabarett schlägt.
Zukunftssicherung und Beständigkeit
Die Verträge mit den öffentlich-rechtlichen Sendern wurden regelmäßig verlängert, zuletzt für den Zeitraum bis 2030. Die Geschichte von Mainz bleibt Mainz zeigt, dass das Format trotz modernster Medienkonkurrenz nichts von seiner Relevanz verloren hat. Die Mischung aus Kokolores und scharfer politischer Klinge bleibt das ungeschlagene Flaggschiff der deutschen Fernsehunterhaltung.
FAQ zur Geschichte von Mainz bleibt Mainz
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Warum heißt die Sendung heute so kombiniert? Der Name ist eine Fusion der Titel von ARD („Mainz wie es singt und lacht“) und ZDF („Mainz bleibt Mainz“), die 1973 beschlossen wurde.
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Wie hoch war die höchste Einschaltquote? Im Jahr 1964 erreichte die Sendung 89 % Marktanteil – ein bis heute ungebrochener Rekord.
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Seit wann findet die Sitzung im Kurfürstlichen Schloss statt? Nach einem Ausflug in die Rheingoldhalle kehrte das ZDF bereits 1965 ins Kurfürstliche Schloss zurück, das seither die feste Heimat der Fernsehsitzung ist.
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