Nachrichten Überregional | Mit der geplanten Verlängerung des Lockdowns über den 31. Januar 2021 hinaus werden Kinder und Jugendliche erneut mit Ihren Eltern allein gelassen. Und erneut geraten jene Kinder aus dem Blick, denen es in ihren Familien schlecht geht, für die der Gang zur Kita oder Schule der einzige Lichtblick am Tag, vielleicht auch der einzige Schutz ist. Auch Kinder und Jugendliche die in geordneten Familienverhältnissen leben, werden in den nächsten Wochen mit wenig sozialen Kontakten umgehen müssen. Auch die schulische Bildung bleibt zum Teil auf der Strecke. Es wird in Zukunft die Generation Corona sein, auch wenn die Politik dies vehement abstreitet.


Eltern und Kinder bleiben sich selbst überlassen

Wieder meinte die Politik, es solle den Eltern selbst überlassen bleiben zu entscheiden, welche Kinder die Kita besuchen und welche die Schule. Was ist mit den gefährdeten Kindern, um die sich die Fachkräfte in Kindergärten oder Schulen sorgen? Was mit den vom Jugendamt bereits im Kontext von Kindeswohlgefährdungen betreuten Familien, in denen Kinder und Jugendliche auf den täglichen Besuch der Schule und Kita sowie ambulante Hilfen dringend angewiesen sind?

Die Abschottung von Kindergarten und Schule trifft besonders die jungen Kinder, deren Mütter und Väter kaum in der Lage waren, den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht zu werden. Diesen Eltern kann und darf man nicht die Entscheidung übertragen, ob das Kind weiterhin Kontakt zu ihm vertrauten Menschen im Kindergarten oder der Schule hat, die notfalls auch für Hilfe und Schutz sorgen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kindervereins e.V. Rainer Rettinger

„Wer gefährdete Kinder für viele Wochen von der Außenwelt abschneidet, braucht Konzepte im Umgang mit Familien, in denen Eltern in Suchtmittel oder PC Spiele abdriften oder in denen sogar die Beziehung von Eltern und Kind eine Beziehung von Tätern und Opfern geworden ist. Dass in Pandemiezeiten Grundrechte eingeschränkt werden müssen, um Leben zu retten, ist verständlich. Jetzt sind jedoch Debatten und Konzepte überfällig, um bleibende Schäden von den Schwächsten abzuwenden, die auf die Hilfe des Staates angewiesen sind“

Was in gelingenden Eltern-Kind-Beziehungen manchmal sogar als Chance für wertvolle Familienzeit empfunden wird, birgt hier vermutlich ein hohes Risiko für gefährdete Kinder, gerade wenn man an die steigende Zahl der Hilferufe gewaltbetroffener Personen im letzten Lockdown denkt oder an den stark vermehrten Anstieg des Konsums mit vergewaltigten Kindern im Netz. Dass die betroffenen Kinder der Gewalt nun hilflos ausgeliefert sind, ist der Politik bekannt. Wieder sind Kinder mit ihren Eltern allein, von Kinderrechten ist nirgendwo die Rede.

Kein flächendeckendes Konzept und keine Ideen

Gibt es eine Kommunikation zwischen Lehrern und Jugendämtern? Wird im digitalen Unterricht nach dem Befinden der Kinder gefragt? Werden Familien mit Problemen durch aufsuchende Jugendarbeit unterstützt? Wann werden endlich die Jugendämter besser finanziell ausgestattet und personell aufgestockt? Welche Möglichkeiten haben Kinder, online oder telefonisch selbst Hilfe einzufordern?

Noch immer gibt es keine flächendeckenden Konzepte, damit Kinder ermutigt werden, sich in Not vertraulich und auch ganz ohne Kenntnis ihrer Eltern an dafür fachliche ausgebildete Vertrauenspersonen in ihrem Kindergarten, ihrer Schule zu wenden.

Die Politik setzt auf die Impfung

Aktuell setzt die Politik alle Hoffnung auf die Impfung. Dafür stehen zurzeit ältere Menschen im Fokus. Und wieder kommen die Kinder zu kurz. Was ist mit Kindern und Jugendlichen, die teilstationär in Tages – oder Wochengruppen der Jugendhilfe betreut werden, was mit jenen Kindern, die in Heimen und Wohngruppen leben? Auch hier fehlen nicht selten überzeugende Konzepte für den Distanzunterricht, ohne genügend Endgeräte und Betreuer. Aus Angst vor Infektionen werden die dort betreuten Kinder und Jugendlichen nun eventuell erneut von der Außenwelt abgeschnitten.

Zwar hatte die Bundeskanzlerin Angela Merkel gefordert, Kinder dürften nicht zu Verlierern der Pandemie werden. Aber schauen wir der Realität ins Gesicht, die Kinder sind die Verlierer.