Die Junge Union in Mainz schlägt vor, das leer stehende Schloss Waldthausen zwischen Budenheim und Mainz für die Unterbringungen von Geflüchteten aus der Ukraine zu nutzen. „So ein tolles Areal sollte weiterhin genutzt werden und nicht leer stehen“, sagte der Vorsitzende der Jungen Union, Torsten Rohe gegenüber BYC-News vor Ort. „Wir möchten in Zeiten von Krieg den Vielen Geflüchteten die Möglichkeit geben, hier unterzukommen.“ Das Schloss sei sehr gut geeignet, um Familien mit Kindern unterzubringen, die hier auch gleich unterrichtet werden könnten.


Unterstützung für die Idee kommt auch von der Mainzer CDU

„Im Sozialausschuss der Stadt Mainz haben wir kürzlich festgestellt, dass die Hälfte der ukrainischen Geflüchteten, die nach Mainz kommen, Kinder im schulpflichtigen Alter sind“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Mainzer CDU, Karsten Lange gegenüber dieser Online-Zeitung. Für diese Kinder gebe es derzeit aber keine adäquaten Unterkünfte. „Die Kinder sind vom ersten Tag an schulpflichtig, das stellt unsere Schulen vor große Herausforderungen“, sagte Lange weiter. Der Vorschlag der Jungen Union sei „eine ausgezeichnete Idee.“

Das Schloss Waldthausen ist eine repräsentative Villa im Lennebergwald, die zwischen 1908 und 1910 für den Freiherrn Martin Wilhelm von Waldthausen erbaut wurde. Der Offizier und seine Familie lebten nur sehr kurz in dem nach romantischen Vorbildern erbauten Schloss, 1978 erwarb die Stadt Mainz das gesamte Anwesen. Seit 1982 ist Schloss Waldthausen im Besitz des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz (SVRP).

„Die Eigentumsverhältnisse sind nicht ganz einfach“, sagte Rohe gegenüber BYC-News. Das Schloss sei nämlich in Erbpacht abgegeben worden. Eigentümer sei damit immer noch die Stadt Mainz. Das Schloss und seine Nebengebäude seien aber für die Nutzung für geflüchtete sehr gut geeignet, denn in dem Schloss war zuletzt die Sparkassen-Akademie untergebracht: „Wir haben dort 134 Einbett- und 8 Doppelbettzimmer, wo wir die Familien unterbringen könnten“, sagte Rohe.

Dazu gebe es eine große Mensa, die sogar noch mit Tischen und Stühlen bestückt und auch sonst gut ausgestattet sei

„Es gibt auch viele Seminar- und Veranstaltungsräume, und sogar Sportmöglichkeiten und einen Tennisplatz – also alles, um sich hier wohl zu fühlen“, zählte der JU-Vorsitzende weiter auf. Das biete auch die Möglichkeit, die ukrainischen Kinder gemeinsam zu unterrichten, denn sie seien vom ersten Tag an eigentlich schulpflichtig.

„Es geht auch darum, dass man die Kinder zusammenlässt und ihnen dadurch ein bisschen Heimat bietet“, sagte Rohe. Die meisten Familien wollten nach dem Krieg ja auch unbedingt zurück in die Ukraine, wie lange sie hierbleiben würden, sei ja derzeit gar nicht abzusehen. Die Stadt Mainz rüstet sich derzeit für die Unterbringung der Geflüchteten, sie rechnet damit, dass 2.500 Menschen in kurzer Zeit nach Mainz kommen könnten. Anfang der Woche wurde deshalb schon eine zweite Turnhalle, in Mainz-Mombach, mit Feldbetten als Notunterkunft eingerichtet.

„Nachvollziehbar ist das nicht, dass man jetzt Turnhallen mit Feldbetten vollknallt – und vor den Toren von Mainz steht so ein großes Gelände zur Verfügung“, kritisierte Rohe. Stadt Mainz, Sparkassenverband und land Rheinland-Pfalz müssten sich jetzt mal schnell zusammensetzen, und hier eine Lösung schaffen: „In Schloss Waldthausen wären die Menschen aus der Ukraine ordentlich untergebracht.“

Zustimmung kommt auch vom Präsidenten der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft, Lukas Augustin

„Ich bekomme täglich mehrere Anfragen für Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine“, sagte Augustin gegenüber BYC-News. Das seien in der Mehrheit Frauen mit Kindern, denn wehrpflichtige Männer dürften die Ukraine ja gar nicht verlassen. „Diese Leute haben oft eine mehrtägige Flucht hinter sich, drei, vier fünf Tage, über mehrere europäische Länder“, berichtete Augustin. Die Zahl der durch den Krieg Vertriebenen werde „dramatisch steigen“, befürchtete er, „dann brauchen wir dringend Einrichtungen, wo die Leute anständig unterkommen können.“ Das Schloss stehe bereits seit Jahren leer. „Ich hoffe, dass sich die Stadt ganz unbürokratisch dem Vorschlag öffnet“, fügte Augustin hinzu.

Hier geht es zum Videointerview mit Torsten Rohem Karsten Lange und Lukas Augustin.