Seit Jahren gibt es in der Stadt Ginsheim-Gustavsburg ein großes Müllproblem. Das Altrheinufer, der Mainstrand, der Damm und der Burgpark sind eigentlich tolle Orte, die jedoch leider immer wieder vermüllt werden und dadurch nur wenig Erholungs-Faktor bieten. BYC-News sprach darüber mit Christina Gohl, der Bürgermeisterkandidatin von Bündnis 90 / Die Grünen.


„Die aktuelle Lösung finde ich paradox“

„Wir haben hier in Ginsheim-Gustavsburg ein riesiges Müllproblem. Ich finde aber, dass es überhaupt nicht nachhaltig ist, wie das Problem aktuell angegangen wird. Denn zur Zeit beschäftigt die Stadt ein oder zwei Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis, um den Müll einzusammeln. Aber welche Signale setzt die Stadt damit? Das ist, als hätte ich eine Tonne, die schon am überlaufen ist, und jede Woche kommt jemand und kippt ein bisschen davon aus, bis es nächste Woche wieder überläuft. Für mich ist das paradox und nicht nachhaltig gedacht“, erklärt Christina Gohl.

„Wir brauchen clevere Lösungen“

„Ich bin deshalb dafür, dass wir uns gemeinsam Konzepte überlegen, um das Problem dauerhaft zu lösen. Wir wissen schließlich, wo der Müll regelmäßig abgeladen wird. Und für mich ist das Ziel, diese Plätze einmal richtig sauber zu machen und gleichzeitig eine gute Kampagne zu starten, in der wir die Leute darauf hinweisen, dort keinen Müll mehr liegen zu lassen. Das muss auch nicht die Welt kosten. Ein Schild mit ‚Müll liegen lassen verboten‘ ist da nicht die Lösung. Wir brauchen etwas mit einem marketingwissenschaftlich fundierten Hintergrund. Schilder mit Aufschriften wie ‚Danke, dass du diesen Platz sauber hältst‘ fände ich beispielsweise sinnvoller. Ich denke, das können wir gemeinsam schaffen“, so Gohl.

Ein weiteres Thema seien die Mülltonnen am Altrheinufer und am Damm. Diese könne man beispielsweise mit Deckeln ausstatten. „Dann fliegt uns bei einem Sturm auch nicht gleich der ganze Müll um die Ohren, und auch die Raben holen den Müll dann nicht mehr raus. Das ist etwas, das nicht viel kostet und sehr effektiv ist“, so die Kandidatin.

Müllproblematik am Mainstrand

Auch am Mainstrand in Gustavsburg liegt vor allem im Sommer viel Müll. Grund dafür sind unter anderem die fehlenden Mülltonnen. In einem früheren Interview erklärte der aktuell amtierende Bürgermeister, Thies Puttnins-von Trotha, weshalb die Mülltonnen, die dort einmal standen, entfernt wurden: „Durch das Aufstellen der Mülltonnen wird dem Bereich am Gustavsburger Bogen ein öffentlicher Charakter verliehen, und es wird der Anschein erweckt, dass das Baden dort sicher und gewollt ist. Das Gegenteil ist aber der Fall“, sagte er im August 2020 gegenüber BYC-News.

Bürgermeisterkandidatin Christina Gohl sieht das anders und erklärt: „Das ist völlig am Ziel vorbei gedacht. Denn als dort noch Mülltonnen standen, war es wesentlich sauberer. Zu sagen, dass keine Menschen kommen, wenn man die Mülltonnen entfernt, das funktioniert nicht. Denn die Leute sehen nicht den Zusammenhang. Wenn der Mainstrand also ein Ort ist, an den die Menschen gerne gehen, dann sind wir als Stadt dafür zuständig, den Ort sauber und sicher zu halten. In dem Fall müssen wir dann mit dem zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg Gespräche führen, damit das umgesetzt wird. Das heißt natürlich nicht, dass das gleichzeitig eine Einladung ist, im Main zu schwimmen: davon rate ich dringend ab. Aber als Aufenthaltsort ist der Mainstrand, wenn er denn dann sauber ist, ein toller Platz“