Die Betreuungsangebote für Kinder sind in der Stadt Ginsheim-Gustavsburg ein wichtiges Thema. Es gibt zur Zeit zu wenig Plätze in den Kindertagesstätten und besonders das Betreuungsangebot am Nachmittag ist gering. BYC-News sprach mit Christina Gohl, der Bürgermeisterkandidaten der Grünen, darüber.


„Kinderarmut will ich hier in der Stadt nicht sehen“

„Mir ist es sehr wichtig, den Kita-Ausbau in Ginsheim-Gustavsburg weiter voranzutreiben“, erklärt Gohl. Durch den Umbau der Georg-August-Zinn Schule entstehen rund 75 neue Kita-Plätze. „Leider brauchen wir nicht nur mehr Plätze, sondern vor allem auch bessere Angebote am Nachmittag.“, erklärt die Kandidatin weiter.

Vor allem beim Betreuungsangebot nach 15 Uhr gebe es einen steigenden Bedarf und nur ein geringes Angebot. Hier müsse man dringend Lösungen finden, besonders für Alleinerziehende. „Das unzureichende  Angebot der Nachmittagsbetreuung trifft leider vor allem Mütter und Väter, die ihre Kinder alleine großziehen und zudem noch den ganzen Tag arbeiten müssen, um Geld zu verdienen“, so Gohl. Für sie sei es nahezu unmöglich, beides miteinander zu vereinbaren.

„Die Folge ist, dass sich viele Alleinerziehende die Kita-Beiträge, besonders in der Krippe, nicht leisten können“, erklärt Christina Gohl. „Für diese Situationen benötigen wir dringend eine Härtefallregelung, die den Kita-Beitrag ab einer bestimmten Einkommensgrenze heruntersetzt. Ansonsten rutschen diese alleinerziehenden Elternteile in Armut und im schlimmsten Fall in Hartz 4 ab. Das trifft dann natürlich auch die Kinder, und Kinderarmut sollten wir in unserer Stadt nicht hinnehmen. Leider haben wir solche Fälle, und das müssen wir ändern.“

Erzieher werden besser bezahlt

Um die Betreuungssituation zu verbessern, müssen natürlich auch mehr Erzieherinnen und Erzieher eingestellt werden. Das ist nicht einfach, denn solche Kräfte sind begehrt. „Ich bin deshalb sehr glücklich, dass wir trotz der schwierigen Haushaltslage die Erzieherinnen in eine höhere Einkommensstufe heben konnten. Erzieher werden nun nach der Entgeltgruppe 8b bezahlt und nicht mehr wie zuvor nach 8a. Der Beschluss, den es bereits seit Januar gibt, konnte nun mit der Verabschiedung des Haushalts endlich umgesetzt werden. Dafür habe ich mich auch sehr eingesetzt.“ Durch die Höhergruppierung in Kombination mit dem Jobticket habe man ein attraktives Angebot für Erzieherinnen geschaffen und könne nun gut mit anderen Städten und Gemeinden in der Umgebung mithalten. „In Wiesbaden werden die Erzieherinnen schon lange nach 8b bezahlt, in Mainz hingegen nicht. Da haben wir jetzt natürlich einen riesen Standortvorteil gegenüber Mainz, was auch helfen wird, ausreichend Personal zu finden“, betont Gohl.

Ein weiterer Vorteil sei die sehr gute Ausstattung der Kindergärten in Ginsheim-Gustavsburg. „Als Fachkraft kann ich die Ausstattung wirklich nur loben und sagen, dass man sein Kind hier ruhigen Gewissens in jede Kita schicken kann“, erklärt Gohl, die seit einigen Jahren den Bereich Kinder, Jugend und Familie beim DRK Landesverband Rheinland-Pfalz betreut.

„Auch an Grundschulen müssen ausreichend Betreuungsangebote vorhanden sein“

Doch der Mangel an Betreuungsangeboten endet nicht nach dem Kindergarten. „Wenn die Kinder in die erste Klasse kommen, geht das Problem ja direkt weiter. Wenn die Grundschule beispielsweise um 12:40 Uhr endet und nicht ausreichend Angebote für die Nachmittagsbetreuung vorhanden sind, fängt das ganze wieder von vorne an. Deshalb müssen wir schauen, wie wir auch hier Lösungen schaffen“, sagt sie. Eine dieser Lösungen sei aktuell für die Albert-Schweitzer-Schule im Stadtteil Ginsheim geplant, wo ein Neubau für die Betreuung entstehen soll.

Tagesmütter mehr in den Vordergrund rücken

„Um auch auf andere Weise die Eltern zu unterstützen, möchte ich die Kindertagespflege in Ginsheim-Gustavsburg weiter ausbauen“, sagt die Bürgermeister-Kandidatin. „Denn für das Thema Tagesmütter hat die Stadtverwaltung meiner Meinung nach bislang noch nicht genug geworben. Es gibt genug Kinder, für die die Betreuung durch eine Tagesmutter durchaus Sinn macht. Deshalb sollte man dieses Angebot weiter in den Vordergrund rücken, und die Stadt muss dafür werben, mehr Tagesmütter zu gewinnen.“

Serie zur Bürgermeister-Wahl:

BYC-News hat in dem Interview mit Christina Gohl noch über weitere Themen gesprochen. Diese folgen in den kommenden Tagen.

Teil 1: Christina Gohl – Bürgermeisterkandidatin für Ginsheim-Gustavsburg