Nachrichten Überregional | In einer Sondersitzung der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas an diesem Dienstag (24.11.2020) wurde kontrovers über die Corona-Prämie noch in diesem Jahr für Pflegekräfte diskutiert. Das Ergebnis ist für die Mitarbeitenden ernüchternd, denn es wird keine Corona-Auszahlung bei der Caritas in diesem Jahr geben.


Zwei bis vier Urlaubstage weniger

In einer Pressemitteilung der Caritas hieß es, dass es letztendlich aufgrund von Unstimmigkeiten zu keiner Entscheidung gekommen sei. Die Mitarbeiterseite habe bei den Verhandlungen eine Einmalzahlung beantragt, die sich an dem Corona-Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes orientiere. Die Arbeitgeberseite sei zwar auch bereit gewesen, diese zu zahlen, allerdings nur in Verbindung mit „wesentlichen Eingriffen in die Urlaubsregelungen“. Damit hätte sich der Urlaubsanspruch beispielsweise für Mitarbeiter mit einer Fehlzeit von mehr als sechs Wochen reduziert.

„Das können zwei bis vier Urlaubstage weniger im Jahr sein“, erklärte Thomas Rühl, ein Sprecher der Mitarbeiter, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Zudem habe die Arbeitgeberseite eine Prämie in Höhe von lediglich 500 Euro vorgeschlagen, auch für Geringverdiener. Geringverdiener im öffentlichen Dienst hingegen erhalten eine Prämie in Höhe von 600 Euro.

650.000 Mitarbeiter bei der Caritas

Damit war die Mitarbeiterseite nicht einverstanden und lehnte das Angebot des Arbeitgebers entschieden ab. Die Arbeitgeberseite hingegen wollte die Bedingungen der Mitarbeiter nicht akzeptieren. Das Ergebnis: Keine Entscheidung und damit auch keine Corona-Prämie für die Mitarbeiter im Jahr 2020. Der Caritasverband hat rund 650.000 Mitarbeiter, darunter rund 200.000 Pflegekräfte.



Caritas Dienstgeberseite „kaltschnäuzig“

Pressesprecher der Caritas Mitarbeiterseite, Rolf Cleophas zeigte sich sehr enttäuscht über die Entscheidung. „Während Tausende von Beschäftigten in den Caritas-Kliniken und Pflegeeinrichtungen im Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen ihren Dienst tun, hat die Caritas Dienstgeberseite kaltschnäuzig versucht, die Gelegenheit zu nutzen, sich die Corona-Prämie gegen Verschlechterungen im Urlaubsrecht abkaufen zu lassen“, so Cleophas in der Mitteilung des Verbandes.

Die Beschäftigten der Caritas hätten lange auf eine Prämie als „Zeichen der Wertschätzung“ gewartet und seien nun umso enttäuschter. Cleophas ist sich sicher, dass sich eine Corona-Einmalzahlung positiv auf das Image der Caritas als kirchlichen Arbeitgeber ausgewirkt hätte. Doch nun seinen „Einrichtungen und Dienste der Caritas in ihrem Ansehen nachhaltig beschädigt.“