StartMainzJustiz MainzCall-Center-Betrug vor dem Mainzer Landgericht

Call-Center-Betrug vor dem Mainzer Landgericht

Große Strafkammer verhandelt über drei Fälle banden- und gewerbsmäßigen Betrugs

Am Dienstag, 13. Januar 2026, beginnt vor der 1. Strafkammer des Landgerichts in Saal 201 ein aufsehenerregender Betrugsprozess. Angeklagt ist ein 41-jähriger Mann, dem banden- und gewerbsmäßiger Betrug in drei Fällen vorgeworfen wird. Die Taten sollen sich zwischen April und Juli 2025 in Mainz und Frankfurt am Main ereignet haben und folgen einem bekannten Muster: dem sogenannten Call-Center-Betrug.

Täuschung durch Schockanrufe

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft nutzten bislang unbekannte Mittäter gezielt die Angst der Opfer aus. In allen drei Fällen sollen die Geschädigten telefonisch unter Druck gesetzt worden sein. Die Anrufer gaben sich unter anderem als Polizeibeamte oder nahe Angehörige aus und schilderten dramatische Notlagen. Ziel war es, die Opfer zu schnellen Geld- oder Schmuckübergaben zu bewegen.

Erster Fall: Angeblicher tödlicher Unfall

Im ersten Tatkomplex soll eine Zeugin aus Frankfurt am Main angerufen worden sein. Ein Täter habe sich als Polizeibeamter ausgegeben und behauptet, der Sohn der Zeugin habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine schwangere Frau ums Leben gekommen sei. Um einen angeblichen Haftbefehl abzuwenden, müsse Bargeld und Schmuck übergeben werden. Die Zeugin übergab daraufhin Wertgegenstände im Gesamtwert von rund 40.000 Euro an den Angeklagten, der als Abholer an ihrer Wohnanschrift erschien.

Zweiter Fall: Vortäuschung einer schweren Erkrankung

Auch im zweiten Fall setzten die Täter auf emotionale Manipulation. Eine Mainzer Zeugin wurde angerufen und darüber informiert, ihre Tochter sei schwer an Corona erkrankt und benötige eine kostspielige Bluttransfusion. Als Sicherheit für die angebliche Behandlung sollte Schmuck hinterlegt werden. Die Zeugin glaubte den Schilderungen und übergab Schmuck im Wert von etwa 20.000 Euro an den Angeklagten.

Dritter Fall: Festnahme nach observierter Übergabe

Der dritte Tatvorwurf weist ein ähnliches Muster auf. Einer weiteren Zeugin aus Mainz wurde vorgespiegelt, ihre Tochter und deren Lebensgefährte hätten einen Unfall erlitten und lägen im Krankenhaus. Erneut gaben sich Täter als Polizeibeamter und Tochter aus. Die Geschädigte übergab Bargeld in Höhe von rund 13.000 Euro sowie Schmuck an den Angeklagten. Dieses Mal griff die Polizei ein: Beamte observierten die Übergabe und nahmen den Angeklagten fest. Dabei stellten sie auch Teile der Beute aus dem zweiten Fall sicher.

Mehrere Verhandlungstage angesetzt

Der Prozess beginnt um 9:00 Uhr und wird an mehreren Tagen fortgesetzt. Weitere Termine sind für den 21., 22., 28. und 29. Januar 2026 jeweils um 9:00 Uhr angesetzt. Das Gericht wird nun klären müssen, welche Rolle der Angeklagte innerhalb der mutmaßlichen Betrugsbande spielte und ob sich die Vorwürfe bestätigen lassen.

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