Zehn Tage ist der Einmarsch in die Ukraine nun her. Seitdem sind tausende Menschen gestorben, Kinder haben ihre Eltern verloren und Eltern ihre Kinder. Ukrainer kämpfen für ihr Land, während kein Ende in Sicht ist. BYC-News sprach mit Oleksandr Danylenko aus der Ukraine darüber. Er selbst ist in der Ukraine zuhause, lebte jedoch zuvor mehrere Jahre im rheinhessischen Ober-Olm und arbeitete in der Landeshauptstadt Mainz.


Als Helfer auf Baustellen gearbeitet

„Mein Name ist Oleksandr Danylenko. Ich bin 47 Jahre alt und komme ursprünglich aus Severynivka, einer kleinen Stadt, rund 50 Autominuten westlich von Kiew. Von 2012 bis 2017 habe ich in Ober-Olm gelebt und als Helfer für Mauerarbeiten auf Baustellen in Mainz gearbeitet. Seit 2017 lebe ich mit mit meinem jetzt 7 Jahre alten Sohn und meiner 45 Jahre alten Frau wieder in meiner Heimatstadt, weil wir uns um meine Eltern kümmern wollten“, erklärt der Ukrainer gegenüber BYC-News.

„Mein Sohn weint und fragt, ob wir böse waren“

„Der Krieg in der Ukraine geht bereits seit Jahren, doch jetzt ist es eskaliert und wir wissen nicht mehr was wir tun sollen. Wir wollen unser Land behalten. Mein Sohn schläft kaum noch. Er hört die Hubschrauber und Flugzeuge, das macht ihm solche Angst, dass er am ganzen Körper zittert und fast nur noch weint. Er hat mich schon gefragt, ob wir böse waren oder warum die Menschen unsere Stadt und unser Haus zerstören wollen. Putin weiß scheinbar nicht, was er unseren Kindern damit antut. Ich selbst schlafe nur noch eine Stunde am Tag, weil ich meine Familie beschützen will“, sagt Danylenko.

Weiter erklärt er: „Ich muss und will in der Ukraine bleiben. Meine Frau will eigentlich hier bei mir bleiben. Doch das geht nicht, sie muss das Land mit unserem Sohn verlassen, denn es geht um deren Leben. Ich hoffe, die beiden kommen in Polen an. Eigentlich würde ich mir wünschen, dass sie nach Deutschland flüchten, doch meine Frau möchte in Polen bleiben, in der Nähe der Ukraine“


„Ich bete zu Gott“

Auch seine Eltern leben in der Ukraine. Sein Vater ist 81 Jahre alt, seine Mutter 78. „Sie schaffen es nicht mehr raus aus der Ukraine. Das wollen sie aber auch gar nicht. Sie haben mir schon gesagt, dass sie lieber in ihrem geliebten Heimatland sterben möchten, als in einem Flüchtlingsheim oder bei fremden Menschen. Ich verstehe sie, denn ihr halbes Leben war geprägt von Krieg und Flucht“, erklärt er.

„Ich bete zu Gott, dass meine Eltern noch einmal die Sonne sehen und in Ruhe leben dürfen. Nur einen einzigen Tag. Mein Sohn soll eine schöne Kindheit haben und unbeschwert spielen können. Später soll er eine gute Arbeit finden und eine tolle Frau haben. Für meine Frau wünsche ich mir, dass sie überlebt. Und ich bin mir sicher, dass ich meine Frau und meinen Sohn wieder in den Armen halten werde, wenn das hier vorbei ist“, betont Danylenko.

„Menschen sterben und das ist erst der Anfang“

Doch aktuell tobt der Krieg. Der Ukrainer beschreibt das Geschehen vor Ort: „Die Luft ist so schwer hier und es riecht den ganzen Tag nach Rauch. Es ist so viel Staub und Dreck auf den Straßen. Man hört Explosionen nur wenige Kilometer entfernt und betet, dass sie aufhören und nicht noch näher kommen. Die ganzen Panzer zerstören unsere Straßen, sodass man mit dem Auto kaum noch darüber fahren kann. Wir haben nur noch wenige Lebensmittel und bekommen auch kaum etwas, denn die LKWs stehen still oder werden angesteckt, weil sich Nahrungsmittel darin befinden. Wir russische Panzer und junge Menschen auf der Straße, die weinen. Was macht Putin nur mit unserer Ukraine, unseren Brüdern und Schwestern? Ich bin so traurig und fassungslos.“

„Ich habe schon zwei Freunde verloren, die in der ukrainischen Armee waren. Das ist erst der Anfang, es wird noch viele Tote geben. Die Welt lässt uns im Stich, wir sollen alleine gegen tausende Soldaten kämpfen. Doch wir tun es, denn es ist unser Land, unsere Heimat. Aber wir kämpfen auch für Europa. Und wir alle hoffen, dass wir siegen können und dann hoffentlich mit offenen Armen in die EU aufgenommen werden. Doch während wir kämpfen und sterben schaut die Welt nur zu“, sagt er weiter.

„Bitte lasst uns nicht im Stich. Wir kämpfen für euch alle.“

Abschließend bittet Oleksandr Danylenko: „Wir brauchen Essen, Trinken und Medikamente. Wir brauchen warme Sache, um sie den Soldaten zu geben, die tagelang draußen leben und kämpfen. Auch wir hatten schon Soldaten eine Unterkunft hier geboten, damit sie schlafen und sich ausruhen können. Wir haben unser letztes Essen mit ihnen geteilt. Doch jetzt haben wir fast nichts mehr. Wir wollen nur in Frieden mit unseren Familien leben und arbeiten. Wir wollen keinen Krieg und unsere Kinder wollen eine Zukunft. Unsere alten Menschen wollen Ruhe, sie haben schon genug gelitten. Bitte lasst uns nicht im Stich. Wir kämpfen für euch alle.“