Am Mittwoch (12. Mai 2021) soll es auf dem Gelände des Online-Händlers Amazon in Bingen-Grolsheim zu einem Vorfall gekommen sein. Dort sollen zwei ehrenamtliche Helfer massiv beleidigt und bedroht worden sein. BYC-News sprach mit den Betroffenen, Marcio Demel und Marlon Demel über den Vorfall.

Terminvereinbarung mit Amazon in Bingen

„Am 15. März hatte sich Amazon bei uns per E-Mail gemeldet und angefragt, ob wir an einer Zusammenarbeit im Rahmen einer Spendenaktion interessiert seien. Am Standort in Bingen-Grolsheim wollte das Unternehmen zwei große Behälter aufstellen, wo die Mitarbeiter dann ihr Leergut einwerfen konnten“, teilt Marcio Demel, erster Vorsitzender des Vereins Rheinhessen hilft! mit. „Die Pfandflaschen sollten dann als Spende in regelmäßigen Abständen von uns abgeholt werden“, berichtet Marcio Demel weiter. Schließlich wurde ein persönlicher Termin für die erste Abholung des Leerguts am 12. Mai 2021 auf dem Amazon-Gelände vereinbart.

Unfreundlicher Sicherheitsdienst und „militärischer Tonfall“ eines Mitarbeiters

„Kurz vor dem Termin haben wir dann eine Nachricht über WhatsApp erhalten mit der Anweisung, dass wir uns am 12. Mai um 10:20 Uhr beim Sicherheitsdienst auf dem Amazon-Gelände vor den Lagerhallen melden sollen. Also sind wir, mein Bruder Marlon und ich, wie angewiesen zum Sicherheitsdienst auf das Gelände gefahren“, sagte Marcio Demel. Dort hätten sie das Fenster des Autos heruntergelassen, woraufhin man ihnen ohne Vorwarnung ein Fieberthermometer an die Stirn gehalten und das Fahrzeugkennzeichen erfasst habe. „Wir wurden in einem sehr unfreundlichen Tonfall gefragt, wo unsere Sicherheitswesten und Sicherheitsschuhe wären. Dass wir das benötigen, wurde uns vorher aber gar nicht mitgeteilt. Der Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst sagte uns dann, wir sollen das Auto parken und warten. Wir haben gefragt, ob wir aussteigen dürfen, was er uns ausdrücklich erlaubte“, teilte Marcio Demel weiter mit.

Nachdem sie das Auto auf dem Amazon-Gelände vor den Lagerhallen abgestellt hatten, seien sie ausgestiegen und trugen dabei nach eigenen Angaben die ganze Zeit über FFP2-Masken. „Plötzlich kam ein Mann aus einer der Hallen gestürmt und hat uns in einem schon sehr militärischen Tonfall angeschrien, dass wir nicht nebeneinander stehen dürfen. Zuvor saßen wir zusammen im Auto und wir leben auch gemeinsam in einem Haushalt. Das interessierte den Mann aber nicht.“, berichtete Marcio Demel. Der Mitarbeiter habe die beiden Brüder dann förmlich zurück ins Auto gedrängt und sei dabei weiter verbal sehr ausfallend gewesen.

„Unter Einsatz von Gewalt vom Gelände tragen“

Als sie wieder im Auto saßen, soll ein weiterer Amazon-Mitarbeiter auf sie zugekommen sein. In einem ebenso scharfen Tonfall soll er ihnen erklärte haben, dass er sie Notfalls auch unter Einsatz Gewalt vom Gelände tragen lassen würde, sollten sie seinen Anweisungen nicht Folge leisten. „Für diesen Umgang gab es gar keinen Grund. Wir haben uns an die Anweisungen gehalten und waren auch nicht unfreundlich. In der Zeit in der wir dort waren, konnten wir aber beobachten, dass auch mit den Fahrern so respektlos umgegangen wurde“, sagte Marcio Demel.

Kurze Zeit später soll dann auch der Amazon-Mitarbeiter, Herr Eggers, mit dem die beiden eigentlich den Termin zur Spendenübergabe gehabt haben, nach draußen zum Auto gekommen sein. Er habe sich für den Vorfall entschuldigt und darum gebeten, das Fahrzeug auf einen anderen Parkplatz vor dem Amazon-Gelände zu fahren und dort auf ihn zu warten. „Wir fuhren in Richtung Ausgang und trafen dabei erneut auf den Mitarbeiter, der uns zuvor schon angeschrien hatte. Er beleidigte meinen Bruder und mich aufs Schärfste. Wir sind daraufhin an ihm vorbei und aus dem Gelände raus gefahren und haben dort wie besprochen auf Herr Eggers gewartet“, berichtet Marcio Demel.



Ein Chef, der seinen Nachnamen nicht nennt

Als Herr Eggers dann nach draußen kam, soll er ein Telefon in der Hand gehalten haben, welches er Marcio Demel reichte. Er soll erklärt haben, dass in der Leitung der Chef der beiden unfreundlichen Mitarbeiter sei. „Am Telefon meldete sich daraufhin ein „Patrick“. Ich fragte ihn nach seinem Nachnamen aber er sagte mit, dass sich bei Amazon alle duzen und er mir seinen Nachnamen nicht nennen wird. Ich habe ihm gesagt, dass ich das Telefonat nicht weiterführen werde, solange ich nicht seinen Nachnamen kenne. Weil er weiter darauf beharrte den Nachnamen nicht zu nennen, habe ich das Telefonat beendet. Ich habe Herr Eggers das Telefon zurück gegeben und ihm mitgeteilt, dass wir kein Interesse mehr an einer Zusammenarbeit mit Amazon haben und bin weg gefahren“, berichtet Marcio Demel.

Strafanzeige gegen die beiden Mitarbeiter

Die beiden Brüder haben im Anschluss an den Vorfall noch taggleich Strafanzeige wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung gegen die beiden unfreundlichen Amazon-Mitarbeiter gestellt. Sie baten die Polizei auch darum, die Kameraaufnahmen des Werksgeländes zu sichern und zu sichten. Bis zum heutigen Montag (17. Mai 2021) kam noch keine Rückmeldung von der Polizei zu dem Vorfall und der Anzeige.

Rückmeldung von Amazon zu dem Vorfall

Ebenfalls noch am gleichen Tag verfassten sie eine Mail an Herr Eggers, in der sie ihn über die Strafanzeige gegen seine beiden Kollegen informierten. Sie baten außerdem um die Kontaktdaten der Geschäftsleitung des Standortes Bingen-Grolsheim, um mit dieser Kontakt aufzunehmen. Von Herr Eggers kam keine Antwort auf die E-Mail. Dafür erhielten sie in der in der Nacht zum Donnerstag (13. Mai 2021) eine E-Mail von dem Manager der Lieferstation in Bingen-Grolsheim, Herr Patrick I. Er schrieb: „Ihre Email haben wir mit Bedauern zur Kenntnis genommen und werden den Sachverhalt intern prüfen und aufarbeiten. Bitte geben Sie uns dazu ein paar Tage Zeit. Wir werden uns diesbezüglich wieder mit Ihnen in Verbindung setzen“

Marcio Demel sagt dazu: „Ob es sich bei dem Herr um den Patrick handelt, mit dem ich am Telefon sprach, kann ich nicht sagen. Er wollte mir seinen Nachnamen ja nicht nennen“ Bis zum heutige (17. Mai 2021) habe er allerdings noch keine weitere Rückmeldung von Amazon zu dem Vorfall erhalten.

Statement von Amazon

Auf Anfrage von BYC-News äußerte sich ein Unternehmenssprecher von Amazon am Montagnachmittag (17. Mai 2021) schriftlich zu den Geschehnissen: „Die Sicherheit und Gesundheit aller Mitarbeiter:innen an unseren Standorten hat für uns oberste Priorität. Wir haben über 150 Prozesse in unserem Logistiknetzwerk maßgeblich zum Schutz der Kolleg:innen verändert. Um Mitarbeiter:innen zu schützen gelten die Regeln selbstverständlich auch für Gäste auf unserem Gelände. Wir entschuldigen uns, wenn es hier in der Kommunikation Missverständnisse gab. Wir haben bereits mit RHEINHESSEN-Hilft Kontakt aufgenommen und wollen im Interesse aller die Sache aus der Welt schaffen.“