Am Dienstagabend (23. Juni 2021) kam es in der Straße „Im Blumengarten“ in Ingelheim zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Dort war es gegen 21:00 Uhr zu einem Chlorgas-Unfall im Freibad Ingelheim gekommen. BYC-News war vor Ort.

Schwimmmeister waren noch vor Ort

Wie Mirko Gauer, Wehrleiter der Feuerwehr Ingelheim, vor Ort gegen 22:45 Uhr gegenüber BYC-News mitteilte, wurde die Feuerwehr um 20:58 Uhr von der automatischen Chlorgas-Warnanlage des Schwimmbades alarmiert. Als der Alarm los ging, befanden sich die Schwimmmeister noch vor Ort. Da diese die Alarmierung allerdings ebenfalls erhalten hatten, konnten sie sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und wurden nicht verletzt. Die eintreffenden Feuerwehren wurden vor Ort zunächst von den Schwimmmeistern eingewiesen.

Durch die Feuerwehr konnte anschließend eine Undichtigkeit an der Chlorgasanlage im Chlorgasraum festgestellt werden, wodurch geringe Mengen des Gases ausgetreten waren. Daraufhin wurden umgehend weitere Feuerwehren nachalarmiert und die Einsatzstelle in einem Radius von rund 50 Metern abgesperrt.

 

Das giftige Gas wird über die Schleimhäute aufgenommen

Zudem haben einige der Einsatzkräfte weitere Schutzanzüge angezogen. Der Einsatzleiter erklärt hierzu: „Das Chlorgas wird in jedem Schwimmbad zur Aufbereitung und Desinfektion des Wassers genutzt. Dieses Gas ist allerdings giftig und wird über die Schleimhäute aufgenommen. Um uns selbst vor diesem Gas zu schützen, steigen wir dann in sogenannte gasdichte Chemikalienschutzanzüge. Dabei wird der Pressluftatmer unter den Schutzanzügen getragen. Durch diesen mitgeführten Atemluftvorrat ist die Einsatzdauer auf rund 15 bis 20 Minuten begrenzt, was heute aber gut ausgereicht hat, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Um diese Anzüge zu tragen benötigt es eine spezielle Ausbildung, glücklicherweise hatten wir heute ausreichend Kräfte vor Ort. Wir hatten einen Trupp in einem leichten Chemikalienschutzanzug zum Erstangriff. Zum Abstellen der Chlorgasanlage wurde dann ein weiterer Trupp bestehend aus zwei Personen in den gasdichten Chemikalienschutzanzügen ins Gebäude geschickt. Weil das Tragen der Anzüge körperlich sehr belastend ist, hatten wir auch zwei Rettungswagen zur Eigensicherung mit vor Ort. Der Vorteil war, dass es sehr Windstill war zu dem Zeitpunkt und wir daher keine Ausbreitung des Gases über den Wind hatten.“



Weitere Kontrollen verliefen negativ

Nachdem die Einsatzkräfte die Chlorgasanlage abgestellt hatten, wurde einige Zeit später eine weitere Kontrollmessung durchgeführt. Diese bestätigte, dass kein weiteres Gas ausgetreten war. Nachdem die Einsatzkräfte rund eine weitere Stunde vor Ort geblieben waren, um sicherzustellen, dass kein weiteres Gas mehr austritt, konnte der Einsatz mitten in der Nacht beendet werden.

Wie der Einsatzleiter weiter mitteilt, wird das Schwimmbad am Mittwoch (23. Juni 2021) wieder öffnen können. Voraussetzung sei allerdings, dass die Anlage selbst keinen Defekt aufweist. Dies muss noch von den Verantwortlichen geprüft werden.

Vor Ort im Einsatz waren:

  • Rettungswagen vom DRK
  • die Freiwillige Feuerwehr Bingen-Gaulsheim
  • die Werkfeuerwehr von Boehringer Ingelheim
  • die Freiwillige Feuerwehr Ingelheim mit den Einheiten Heidesheim & Wackernheim
  • die Freiwillige Feuerwehr Bingen
  • eine Teilkomponente des Gefahrstoffzuges vom Landkreis Mainz-Bingen