Die Intensivbetten in Deutschland sind knapp und das Robert-Koch Institut meldet neue Rekordzahlen. Der Mainzer Oberbürgermeister teilte in einem Stream mit der Allgemeinen Zeitung mit: „Es ist wunderbar, man hat das Gefühl, dass wieder bunte Tage kommen und dass wir doch wohl aus dem Gröbsten raus sind.“ Hier stellt sich die Frage: meint er die Corona-Pandemie oder den Schuldenstand der Stadt Mainz?


7500 Narren schunkelten am Mainzer Schillerplatz

Der 11. November 2021 in Mainz am Schillerplatz war eine 2G-Veranstaltung mit personalisierten Tickets. In den sozialen Medien gab es schnell Kritik während der Veranstaltung. Abstand und Masken waren Fehlanzeige und es wurde munter gesungen und geschunkelt. Die Kontrollmaßnahmen liefen nach Aussagen einiger Besucher auch nicht korrekt ab. Immer mehr Besucher vom Schillerplatz beschweren sich in den sozialen Medien über die laschen oder kaum erfolgten Kontrollen zur 2G-Regel. Die Sicherheitsmitarbeiter sollen nur sporadisch kontrolliert haben.

11.11 Schillerplatz Mainz | Foto: Gisela Kirchstein

Deutschland lernt wohl nicht aus der Pandemie

Das Ganze erinnert schon stark an den Anfang der Pandemie, wo zuvor noch fröhlich Fastnacht gefeiert wurde und die Politik verkündete: „Es war ein Fehler und dieser sollte nicht nochmal passieren, wir lernen dazu. Es ist eine neue Situation die dieses Land und die Welt zu meistern hat.“. Am 11. November 2021 machte es eher den Anschein: „Was interessiert mich das Geschwätz von gestern, Helau“.

Geimpft bedeutet nicht „Narrenfreiheit“

Der Status geimpft bedeutet nicht, dass man rücksichtslos in Massen feiern sollte und im Anschluss in den sozialen Medien auf die Ungeimpften einhauen kann. Auch mit dem „Status“ geimpft trägt man ein Risiko mit sich und man sollte rücksichtsvoll den Mitmenschen gegenüber sein. Es zeigt sich wieder die deutsche Doppelmoral an den Fastnachtstagen. Denn was bringt eine 2G-Veranstaltung hinter der Absperrung, wenn im Anschluß gemeinsam ohne 2G-Regel in der Altstadt weiter gefeiert wird?

Jeder Mensch hat eine Verantwortung

Die Logik der Politik und der Veranstalter lässt extrem zu wünschen übrig und die Glaubwürdigkeit schwindet immer mehr. Es sollen alleinig die Ungeimpften die Übeltäter sein, die respektlos der Gemeinschaft gegenüber stehen, dabei leben viele Geimpfte genau dieses selbst bei Massenveranstaltungen aus. Mit dem Risiko, dass erneut ein Lockdown verhängt wird und Weihnachtsmärkte und weitere Veranstaltungen abgesagt werden müssen. Wie erklärt man das vor allem den Kindern, die sich auf die Martinsumzüge gefreut haben. Da war das Risiko in einem Großteil der Orte zu groß gewesen und die Verantwortlichen urteilten schnell. Bedenkt man, dass bei Kindern die knapp 2 Jahre Pandemie bis zu 50% ihrer Lebenserfahrung bestimmen, sollte jeder über sein Handeln nachdenken.

Jeder Mensch hat eine Verantwortung dem anderen gegenüber. Nur weil ein Geimpfter weniger Viren transportiert bedeutet das nicht, dass er kein Risiko darstellt. Die anfängliche Gemeinschaft während der Pandemie hat sich in eine Spaltung der Gesellschaft gewandelt. Alle Menschen tragen ein offenes Messer in der Tasche, der eine ein kleines (Geimpft) der andere ein größeres (Ungeimpft). Was aber bleibt ist die Gefahr der Klinge (Virus).


Weihnachtsmärkte stehen vor dem Aus

Die Inzidenzen steigen weiter und die Forderungen nach Absagen der geplanten Weihnachtsmärkte werden in den ersten Bundesländern lauter. Der deutsche Schaustellerverband schlägt Alarm. Tausende Schaustellerfamilien bangen bundesweit seit rund 2 Jahren um ihre Existenz und jetzt soll der nächste wirtschaftliche Hammer folgen. Die Zeichen stehen bundesweit auf Absage und die Zahlen werden weiter steigen. Nach Einschätzung des Robert-Koch Instituts werden sich die Zahlen in den nächsten Tagen verdoppeln und es muss über harte Maßnahmen gesprochen werden.

Überall in Deutschland laufen derzeit die Aufbauarbeiten der etwa 3000 traditionellen Weihnachtsmärkte in Deutschland. Die Schaustellerfamilien haben erneut auf die Politik vertraut und sollen nun wieder um ihre Existenz bangen. Es wurden Waren gekauft, Personal eingestellt und Standmieten gezahlt.

Ministerpräsident fordert klare Absage der Weihnachtsmärkte

In der Sendung „Frühstart“ bei NTV sagte der Ministerpräsident aus Sachsen, Michael Kretschmer: „Man kann sich doch nicht vorstellen, dass man auf dem Weihnachtsmarkt steht, Glühwein trinkt und in den Krankenhäusern ist alles am Ende und man kämpft um die letzten Ressourcen.“ Bund und Länder müssten Kommunalpolitikern und Marktbetreibern die Entscheidung abnehmen.

Das RKI teilte am Donnerstagabend dem 11.11 passend mit: „Größere Veranstaltungen sind möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte sind zu reduzieren“. Aber wie teilte der Mainzer Oberbürgermeister mit: „Es ist wunderbar, man hat das Gefühl, dass wieder bunte Tage kommen und dass wir doch wohl aus dem Gröbsten raus sind.“ HELAU!

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