Kann Profisport nachhaltig sein, ohne an Leistung einzubüßen? Diese Frage stand am 20. Mai 2026 im Mittelpunkt eines Programmstrangs beim International Impact Forum 2026 im Kap Europa auf dem Gelände der Messe Frankfurt. Mitveranstalter der Hauptveranstaltung waren die CBS International Business School und die Deutsche Nachhaltigkeit AG, ein börsennotierter Impact-Investor mit Sitz in Frankfurt. Zwei Redner gaben dem Thema ein Gesicht: ein Hochschullehrer mit Beratungsmandat im deutschen Fußball und ein ehemaliger Weltmeister, der nach seiner Karriere ins Gesundheitsfach wechselte. Beide standen für unterschiedliche Antworten auf dieselbe Ausgangsfrage und ließen sich im Rückblick gut nebeneinander lesen.
Warum der Sport beim Forum überhaupt zur Sprache kam
Der Sport gilt vielen als Bühne für Höchstleistung, seltener als Feld für Umwelt- und Governance-Fragen. Genau diese Lücke griff der Programmstrang auf. Sein Bezug zur Veranstalterseite ergab sich personell und organisatorisch zugleich. Eingebettet war der Sport in ein Programm, das ansonsten Wirtschaft und Wissenschaft in den Vordergrund stellte, und gerade dieser Kontrast machte den Strang interessant.
Prof. Dr. Torsten Weber lehrt an der CBS International Business School und berät die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Nachhaltigkeitsfragen. Zugleich ist er stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutsche Nachhaltigkeit AG. Über diese Doppelrolle traf das wissenschaftliche und das wirtschaftliche Interesse an Nachhaltigkeit im Sport auf derselben Bühne zusammen. In einer einzigen Person verbanden sich damit Hochschule, Liga und Investor.
Was die DFL in der Lizenzierung verankert hat
Webers Beratungsmandat führte direkt zu einem konkreten Beispiel aus dem deutschen Profifußball. Die Bundesliga und die 2. Bundesliga verankerten als erste großen Profiligen verbindliche Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Lizenzierungsordnung. Seit der Saison 2023/24 sind diese Kriterien fester Bestandteil des Lizenzierungsverfahrens. Damit verband sich die Vergabe der Lizenz erstmals mit Anforderungen, die über Sport und Finanzen hinausreichten.
Aufgebaut sind die Vorgaben entlang von drei Dimensionen:
- Vereinsführung und Organisation
- Klima, Umwelt und Ressourcen
- Stakeholder und gesellschaftliche Verantwortung der Klubs
Damit knüpft die Lizenzerteilung nicht mehr allein an sportliche und finanzielle Bedingungen an.
Für Vereine hat das spürbare Folgen. Wer eine Lizenz erhalten will, muss die Kriterien erfüllen und nachweisen. Nähere Angaben zum Aufbau des Verfahrens veröffentlichte die DFL auf ihren Verantwortungsseiten. Weber ordnete diesen Schritt beim Forum als Beispiel dafür ein, wie Regeln Verhalten im Sport verändern können. Aus seiner Sicht wirkt eine verbindliche Vorgabe stärker als ein freiwilliges Bekenntnis, weil sie an die Lizenz und damit an den Spielbetrieb gebunden ist.
Kann Leistung mit Verantwortung zusammengehen?
Neben dem regulatorischen Blick stand die Frage nach der individuellen Leistung. Hier setzte der zweite Redner an, dessen Biografie beide Pole verbindet. Mark Warnecke zeigte, wie eng sportliche Spitzenleistung und der Umgang mit dem eigenen Körper verknüpft sein können.
Warnecke wurde 2005 bei der Weltmeisterschaft in Montreal über 50 Meter Brust Weltmeister. Mit 35 Jahren war er der älteste Schwimmweltmeister der Geschichte. Seine Siegerzeit lag bei 27,63 Sekunden. Von diesem späten Titel berichtete unter anderem der Tagesspiegel.
Bemerkenswert war das Alter, in dem dieser Erfolg gelang. Im Schwimmsport gelten 35 Jahre als fortgeschritten, viele Aktive beenden ihre Laufbahn deutlich früher. Warnecke nutzte den Titel später, um über Regeneration und Ernährung zu sprechen. Sein eigener Werdegang diente ihm dabei als Beleg dafür, dass Spitzenleistung und ein langer Atem kein Widerspruch sein müssen.
Vom Becken in die Sporternährung
Warneckes Werdegang setzte sich nach der aktiven Zeit fort. Er ist ausgebildeter Arzt und gründete die Sporternährungsmarke AMSPORT. Das Konzept beruht auf einem aminosäurenbasierten Ernährungs- und Regenerationsprogramm. Warnecke verband damit medizinisches Wissen mit unternehmerischer Praxis und übertrug Erfahrungen aus dem Leistungssport auf Produkte für den Alltag.
Damit verschob sich sein Beitrag vom Wettkampf hin zur Frage, wie Körper länger leistungsfähig bleiben. Diese Perspektive ergänzte den institutionellen Blick der DFL um eine persönliche Ebene. Während Weber über Regeln für Organisationen sprach, berichtete Warnecke über Entscheidungen einzelner Athleten.
Beide Beiträge trafen sich in einem Punkt. Nachhaltigkeit im Sport betrifft nicht allein Stadien, Energie und Verträge. Sie reicht bis zur Frage, wie lange und unter welchen Bedingungen Menschen Leistung erbringen.
Wie passt die Deutsche Nachhaltigkeit AG in dieses Bild?
An dieser Stelle kehrt der Blick zur Veranstalterseite zurück. Die Deutsche Nachhaltigkeit AG, auch als DN Group AG geführt, wurde 2023 gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt. Sie investiert als Ankerinvestor Eigenkapital in Nachhaltigkeitsunternehmen. Geführt wird das Unternehmen von CEO Ole Nixdorff, dem Vorstand gehört Dr. Andreas Rickert an.
Hergestellt wurde die Verbindung zum Sportstrang über zwei Wege. Zum einen trat die Deutsche Nachhaltigkeit AG als Mitveranstalter des Forums auf. Zum anderen sitzt mit Weber ihr stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender im Programm, der zugleich die DFL berät. Weitere Angaben zum Profil des Investors finden sich auf der Website der Deutsche Nachhaltigkeit AG. Eng vermischt wurden Investment und Sportthema dabei nicht, was den berichtenden Charakter des Strangs unterstrich.
So entstand ein Bezug, der nicht aus dem Sport selbst stammte, sondern aus den beteiligten Personen und Organisationen. Botschaften zu einzelnen Investments waren damit nicht verbunden. Inhaltlich blieb der Strang beim Thema Sport und dessen Verantwortung.
Was vom Sportstrang in Frankfurt blieb
Gebündelt hat der Programmpunkt zwei Zugänge zu einer alten Frage. Auf der einen Seite stand die Regulierung durch die DFL, die Nachhaltigkeit zur Lizenzbedingung gemacht hat. Auf der anderen Seite stand ein individueller Werdegang, der von der Weltmeisterschaft bis zur Sporternährung reichte. Abgedeckt war so sowohl die Ebene der Institutionen als auch die der einzelnen Sportler.
Ob Profisport in vollem Umfang nachhaltig sein kann, beantwortete das Forum nicht abschließend. Deutlich wurde jedoch, dass beide Ebenen zusammenwirken. Regeln setzen einen Rahmen, individuelle Entscheidungen füllen ihn aus.
Für die Veranstalter ergab sich daraus ein passender Rahmen. Den akademischen Zugang lieferte die CBS International Business School, die unternehmerische Klammer als Impact-Investor steuerte die Deutsche Nachhaltigkeit AG bei. Über Webers Doppelrolle als Berater der DFL und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Nachhaltigkeit AG schloss sich der Kreis zwischen Sport, Wissenschaft und Kapital. So wurde der Sportstrang zu einem Beispiel dafür, wie verschiedene Akteure dasselbe Thema aus eigener Perspektive betrachten.
Offen blieb, wie sich die DFL-Kriterien in den kommenden Spielzeiten auf die Vereine auswirken. Ebenso offen blieb, welche Rolle Ernährung und Regeneration künftig in der öffentlichen Debatte über sportliche Leistung spielen. Der Sportstrang des International Impact Forum 2026 lieferte zu beiden Fragen Ausgangspunkte, keine Schlussbilanz.




