Der in Wörrstadt ansässige Projektentwickler für erneuerbare Energien, die Juwi GmbH, steht vor einer tiefgreifenden Restrukturierung. Wie das Tochterunternehmen der Mannheimer MVV Energie AG offiziell bekannt gab, reagiert das Management mit einem umfassenden Sparprogramm und einer organisatorischen Neuausrichtung auf den gestiegenen wirtschaftlichen Druck. Im Zuge dieser Maßnahmen sollen standortübergreifend 280 der weltweit rund 1.350 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden. Die neue Unternehmensstruktur soll zum Oktober 2026 in Kraft treten.
Verschärfte Marktbedingungen und sinkende Margen
Als Hauptgründe für die weitreichenden Kürzungen nennt das Unternehmen grundlegend veränderte Rahmenbedingungen auf den Energiemärkten im In- und Ausland.
Insbesondere ein intensivierter Wettbewerb, sinkende Zuschlagssätze bei den Auktionen der Bundesnetzagentur, allgemein steigende Projektkosten sowie begrenzte Netzanschlusskapazitäten hätten die Margen in den vergangenen Monaten spürbar unter Druck gesetzt.
Juwi-CEO Jost Backhaus bezeichnete die anstehende wirtschaftliche Transformation und den damit verbundenen Personalabbau als „schmerzhafte Entscheidungen“. Ziel sei es jedoch, durch schlankere Strukturen die Effizienz zu steigern, eine klare Marktfokussierung zu erreichen und die langfristige Profitabilität sowie Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Der Stellenabbau soll in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen und möglichst sozialverträglich über freiwillige Maßnahmen abgewickelt werden; betriebsbedingte Kündigungen sollen nur als letztes Mittel eingesetzt werden.
Verkleinerung der Geschäftsführung und stärkere Konzernintegration
Die Restrukturierung zieht auch personelle Konsequenzen in der Führungsetage nach sich.
Ab Oktober 2026 wird die Geschäftsführung von vier auf zwei Personen reduziert. Das Unternehmen wird künftig von Jost Backhaus und dem neu berufenen Thomas Hüsgen geleitet, der von Zelestra Deutschland nach Wörrstadt wechselt und langjährige Führungserfahrung mitbringt.
Christian Arnold, bislang verantwortlich für das operative Deutschlandgeschäft, wird das Unternehmen zum 30. September 2026 verlassen. Auch Stephan Hansen, zuständig für das internationale Geschäft, legt sein Mandat zu diesem Datum nieder, bleibt dem Unternehmen jedoch noch bis Sommer 2027 als Senior Advisor erhalten. Flankiert wird die Neuaufstellung durch eine engere operative Verzahnung mit dem Mutterkonzern MVV.
Operative Basis über gut gefüllte Projektpipeline abgesichert
Trotz des drastischen Sparkurses verweist das Management in Wörrstadt auf eine weiterhin robuste operative Substanz.
Die Projektpipeline für Wind-, Solar- und Speicherprojekte sei nach wie vor gut gefüllt. Aktuell realisiert Juwi internationale Projekte mit einer Gesamtleistung von rund 1.000 Megawatt, unter anderem in Deutschland, Italien, Griechenland, Südafrika und den USA.
Zudem konnte das Unternehmen in den jüngsten Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur wichtige Erfolge verbuchen: Im Windbereich erhielt Juwi Zuschläge für 64 Anlagen mit einem Gesamtvolumen von 390 Megawatt, ebenso war das Unternehmen bei der jüngsten Solarausschreibung erfolgreich.
Künftig will sich der Pionier für erneuerbare Energien verstärkt auf hybride Großprojekte, also die Kombination aus Wind- und Solaranlagen mit modernen Batteriespeichersystemen, sowie auf neue Vermarktungsmodelle für Grünstrom konzentrieren.





