Es ist noch gar nicht so lange her, da sonnte sich die Politik im Glanz eines vermeintlichen „Wirtschaftswunders“ in Rheinhessen. Wenn ein globaler Gigant wie Eli Lilly beschließt, Milliarden in Alzey zu vergraben, das Ingelheimer Traditionsunternehmen Boehringer Rekordzahlen, klopft man sich in den Ministerien gerne gegenseitig auf die Schultern.
Rheinland-Pfalz, das stolze Herz der weltweiten Biotechnologie, so war die einhellige Aussage der Landespolitik.
Seit dieser Woche ist dieses Kartenhaus krachend in sich zusammengestürzt
Dass Eli Lilly seine geplanten Zukunftsinvestitionen in Alzey um die Hälfte zusammenstreicht, 500 fest eingeplante Arbeitsplätze einfach verdampfen und Boehringer Laborprojekte im Wert von 900 Millionen Euro eiskalt einfriert, ist kein normaler konjunktureller Dämpfer. Es ist ein wirtschaftspolitischer Offenbarungseid mit Ansage.
Das Schlimme daran: Dieses Desaster ist hausgemacht. Die Schuldigen sitzen nicht in den Chefetagen in Indianapolis oder Ingelheim. Sie sitzen in Berlin. Wer inmitten einer ohnehin spürbaren Wirtschaftsschwäche ein Spargesetz auf den Weg bringt, das forschenden Pharmaunternehmen willkürlich die Preise diktiert und Planungssicherheit durch Zwangsrabatte ersetzt, darf sich über die Quittung nicht wundern. In einer globalisierten Welt wandert Kapital dorthin, wo es willkommen ist – und das ist aktuell eben Pennsylvania oder Asien, aber ganz sicher nicht mehr Deutschland.
Für unsere Region ist das bitter. Zwar werden die Rohbauten in Alzey zu Ende hochgezogen, doch statt des erhofften Innovations-Turbos bekommt Rheinhessen nur noch den absoluten „Mindestumfang“ serviert.
Wenn die Landespolitik nun von einem „Weckruf“ spricht, ist das reichlich spät. Es ist kein Weckruf mehr, es ist der personifizierte Alarm. Die Mainzer Landesregierung muss jetzt ihren ganzen politischen Einfluss in Berlin in die Waagschale werfen, um diese gesundheitspolitische Geisterfahrt zu stoppen. Wenn die Ampel im Bund nicht umgehend umsteuert, verliert das Land nicht nur Millionen an Gewerbesteuern und Hunderte Arbeitsplätze – sondern seine industrielle Zukunft.





