StartMainzStudenten präsentieren neues Konzept für den Neubrunnenhof in Mainz

Studenten präsentieren neues Konzept für den Neubrunnenhof in Mainz

Angehende Wirtschaftsingenieure planen Mix-Nutzung

Der Schandfleck am ehemaligen City-Hotel Neubrunnenhof in Mainz in der Großen Bleiche 22-26 sorgt seit Jahren für Frust in der Innenstadt. Leerstand, Elektroschrott im Hinterhof und Rattenplagen belasten das Quartier. Doch nun kommt neue Bewegung in die festgefahrene Situation: Während die Eigentümerin, die Emeis Deutschland Immobilien Services GmbH, Verkaufsbereitschaft signalisiert, haben vier Studenten der Hochschule Mainz ein konkretes Revitalisierungs-Konzept vorgelegt. BYC-News war bei der Vorstellung des Konzepts mit vor Ort.

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Das Konzept für das ehemalige City Hotel Neubrunnenhof in Mainz: Wohnen, Büro und Gastronomie

Die angehenden Wirtschaftsingenieure Philipp Bruns, Robert Neufang, Tristan Gehrke und Christian Kroneberg haben das Projekt „Vom Schandfleck zum Perspektivstandort“ im Rahmen ihres Studiums entwickelt. Ihr Ziel: Die Aufwertung der einstigen Prachtstraße.

Die Eckpunkte des Entwurfs:

  • Wohnraum: 24 Einheiten für bezahlbares Wohnen sowie drei exklusive Wohnungen.

  • Arbeiten & Gewerbe: Moderne Büroflächen für sechs Unternehmen und Platz für zwei Gastronomie-Betriebe sowie einen Einzelhändler.

  • Grüne Oase: Eine geplante Außenanlage mit rund 1.750 Quadratmetern Begrünung.

Kalkuliert wird mit einer Bauphase von etwa zweieinhalb Jahren.

Enorme Rendite, doch die Theorie trifft auf Praxis

Besonders aufhorchen lässt die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Studenten: Sie prognostizieren eine Rendite von bis zu 104 %. Zum Vergleich: Branchenüblich sind etwa 20 %. Während die Zahlen Investoren theoretisch anlocken müssten, mahnt der Architekt und baupolitischer Sprecher der Mainzer FDP, Thomas A. Klann, zur Vorsicht. Er bezeichnet es als „theoretisches Konzept von der Schulbank, wenn auch ein sehr gutes“, gibt aber zu bedenken, dass die Kalkulation ohne Einsicht in bestehende Vorplanungen der Eigentümerin erstellt wurde.

Hürde Verkaufspreis: Was kostet die Brache?

Obwohl Dieter Grünewald von der Initiative Neue Mainzer Mitte e.V. bestätigen kann, dass das Areal zum Verkauf steht, bleibt der Preis das größte Hindernis. Ordnungsdezernent Karsten Lange (CDU) machte beim Ortstermin deutlich, dass der Stadt keine konkreten Forderungen bekannt seien. Experten vermuten, dass die Eigentümerin versuchen wird, bereits angefallene Kosten für Gutachter und frühere Planungen auf den Kaufpreis aufzuschlagen, was das Projekt für neue Investoren verteuern könnte.

Trotz der berechtigten Skepsis hinsichtlich der Kalkulation erhält das studentische Quartett tatkräftige Unterstützung aus der Praxis. Klann bot den angehenden Wirtschaftsingenieuren an, das Konzept gemeinsam weiterzuentwickeln. Dabei will er seine Kontakte nutzen, um Einblicke in die offiziellen Planungsunterlagen der Eigentümerin zu erhalten und das studentische Modell direkt bei der Geschäftsführung in Frankfurt zu präsentieren. Ziel ist es, die Verkaufsbereitschaft von Emeis durch eine fundierte Perspektive zu forcieren.

Außerdem riet er den Studenten, das Projekt so umfassend vorzubereiten, dass es im Oktober bei der Expo Real in München vorgestellt werden kann. Die Teilnahme an Deutschlands größter Immobilienfachmesse wäre die ideale Bühne, um internationale Investoren direkt auf das Potenzial des Neubrunnenhofs in Mainz aufmerksam zu machen.

Anwohner fordern Taten

Für die Nachbarschaft drängt die Zeit. Berichte über eine massive Abwertung des Quartiers und hygienische Missstände durch Taubenkot und Ungeziefer häufen sich. Dass die Stadt Mainz kürzlich die Eingangsbereiche auf Kosten der Eigentümer reinigen ließ, war ein erster symbolischer Schritt – eine dauerhafte Lösung durch einen neuen Investor ist jedoch das eigentliche Ziel der Initiative Neue Mainzer Mitte.

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