Die Nachricht vom Tod der Schauspiellegende Mario Adorf löste weltweit Bestürzung aus. Doch in Mainz weckt sie ganz persönliche, lebendige Bilder – vor allem bei dem Mainzer Dieter Grünewald. Er hatte die Ehre, den „Grand Seigneur“ des deutschen Films während des FILMZ-Festivals vom 25. bis 29. November 2009 fünf Tage lang als täglichen Gast in seinem Gastronomiebetrieb im ehemaligen Residenzkino begrüßen zu dürfen. BYC-News sprach mit Grünewald über seine Erlebnisse mit dem Schauspieler.
Die tägliche Ankunft: Bescheidenheit statt Luxus
In seinen Erinnerungen, die Grünewald nun anlässlich des Todes von Mario Adorf teilt, sticht vor allem die bodenständige Art des Weltstars hervor. Während andere Prominente dieser Größenordnung oft in abgedunkelten Limousinen vorfahren, wählte Adorf den direkten Weg. Er wohnte im Gästehaus auf der Kupferbergterrasse und spazierte jeden Mittag ganz schlicht zu Fuß hinunter in die Mainzer Innenstadt zu Grünewalds Lokal.
„Wenn er den Raum betrat, war er sofort das Zentrum. Man konnte an ihm gar nicht vorbeischauen – seine Statur, diese markante Haarpracht und sein ausdrucksstarkes Gesicht waren einfach gewaltig“, erinnert sich Grünewald. Doch trotz dieser Präsenz habe Adorf nie den „Star“ herausgekehrt: „Er war ein sehr bescheidener Mann. Ich hatte nie das Gefühl, vor einer unerreichbaren Ikone zu sitzen, sondern vor einem ganz normalen, herzlichen Gesprächspartner.“
Kulinarik und Lebensart: Lachs und rheinhessischer Riesling
Fünf Tage lang saßen die beiden Männer täglich zusammen, tauschten sich aus oder aßen gemeinsam. Adorfs kulinarische Vorlieben waren dabei so klar und schnörkellos wie sein Charakter. Sein absolutes Lieblingsgericht bei Grünewald: Lachs mit Brokkoli, ganz pur ohne schwere Saucen.
Dazu blieb er der Region treu: Ein trockener rheinhessischer Riesling war sein ständiger Begleiter zum Fisch. Nur wenn Spaghetti auf den Tisch kamen, durfte es auch mal ein guter Rotwein, etwa ein Spätburgunder, sein. Adorf genoss diese Momente sichtlich, gab Autogramme und stand sogar für Fotos mit dem sichtlich stolzen Bedienungspersonal zur Verfügung.
Ein Netzwerk der Filmwelt in der Mainzer Passage
Die Gastronomie im Residenzkino wurde in dieser Woche zum inoffiziellen Wohnzimmer des Festivals. Da jeden Tag Filme mit Adorf gezeigt wurden, schauten auch viele Weggefährten vorbei. Dieter Grünewald erinnert sich an Besuche von Kollegen wie Götz George.
Mario Adorf erzählte Grünewald bei seinen Besuchen von seinen Erlebnissen mit den ganz Großen Hollywoods und des europäischen Kinos: Von der engen Verbindung zu Brigitte Bardot, der Zusammenarbeit mit Senta Berger oder Begegnungen mit Weltstars wie William Holden und Peter Ustinov.
Die tiefe Wurzel zu Mainz
Für Mario Adorf war der Besuch 2009 auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Er hatte in Mainz studiert und in dieser Zeit sogar bei der Schott AG gearbeitet, um sein Studium zu finanzieren.
Besonders gerührt zeigt sich Grünewald über die kleinen Gesten: Eine Hutmacherin aus der Passage fertigte für den Star einen schwarzen Hut an, über den er sich sehr gefreut habe und diesen auch bei seinen Terminen in Mainz trug. Zum Abschied schenkte er Grünewald sein Buch „Bilder meines Lebens“ mit einer Widmung voller Dankbarkeit.
Ein bewegendes Resümee
„Als ich hörte, dass er gestorben ist, ging mir das wirklich an die Nerven“, gesteht Dieter Grünewald. „Man blendet all diese Erlebnisse wieder ein. Es war mir eine riesige Ehre, fünf Tage lang jeden Tag mit ihm zusammenzusitzen.“
Für Dieter Grünewald bleibt Mario Adorf als der „Grand Seigneur“ in Erinnerung, der trotz seiner Weltkarriere – vom Waisenhaus, in dem er zeitweise aufwuchs, bis nach Hollywood – nie vergessen hat, wie man einem Gegenüber mit echtem Respekt und Herzlichkeit begegnet. Ein Abschied von einem großen Künstler und einem noch größeren Menschen.










