In einer hochemotionalen Videobotschaft (05. April 2026) hat sich der bekannte Meeresbiologe und Umweltschützer Robert Marc Lehmann am Ostersonntag zu den dramatischen Ereignissen rund um Wal Timmy vor Poel auf Instagram geäußert. Lehmann, der für seinen unermüdlichen Einsatz für die Weltmeere bekannt ist, stellte zunächst klar, dass die aktuelle Belastungsgrenze erreicht sei. „Ich bin nur ein Mensch. Ich bin kein Museum, keine NGO und keine Krisenorganisation“, betonte er sichtlich mitgenommen. Er schilderte ein düsteres Bild der Kommunikation: In seinem Postfach prasseln derzeit nicht nur Lobeshymnen und fachliche Anfragen ein, sondern auch massive Kritik, Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen und Anzeigen. Diese enorme psychische Last binde Ressourcen, die eigentlich dem Schutz der Tiere zugutekommen sollten.
Die Chronologie eines angekündigten Todes
Robert Marc Lehmann rekapitulierte die „Hard Facts“ der vergangenen Tage, die zu einer tiefen Verunsicherung in der Öffentlichkeit geführt haben. Zunächst hatte ein Expertengremium – bestehend aus Vertretern des Meeresmuseums (Prof. Dr. Baschek), Greenpeace, Sea Shepherd und Umweltminister Till Backhaus – offiziell erklärt, dass dem Wal Timmy vor Poel nicht mehr zu helfen sei. Jede weitere aktive Maßnahme wurde als Verstoß gegen das Tierwohl und als Tierquälerei eingestuft.
Doch die Kehrtwende folgte nur zwei Tage später: Minister Backhaus lud Lehmann persönlich ein, das Tier nun doch noch zu retten. „Man erklärt ihn erst für quasi tot und zwei Tage später heißt es: Jetzt komm vorbei, jetzt kannst du ihn retten“, kritisierte Lehmann die widersprüchliche Informationspolitik. Trotz dieser Ausgangslage bot er seine Expertise an – unter der Bedingung eines Online-Meetings mit den verbleibenden Experten vor Ort, um sich ein valides Bild vom Gesundheitszustand des Wals machen zu können. Dieses Meeting fand jedoch nie statt.
Robert Marc Lehmann: Fehlende Rechtssicherheit und blockierte Hilfe
Ein zentraler Punkt in Lehmanns Statement ist die fehlende Unterstützung durch die Behörden vor Ort. Obwohl er seit Beginn der Strandung bereitgestanden hätte, sei ihm der Zugang zum Sperrgebiet verwehrt geblieben. Ein Alleingang gegen die Absperrungen der Polizei und ohne die logistische Unterstützung durch Boote und technisches Gerät sei unmöglich gewesen.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf der fehlenden Rechtssicherheit. Vom Ministerium wurde kommuniziert, dass jede Handlung am Wal Timmy vor Poel ab sofort als strafrechtlich relevante „Aneignung“ betrachtet werden könnte. „Ohne Rechtssicherheit, ohne Informationen und ohne Support vor Ort kann ich nicht einfach losfahren“, erklärte Lehmann. Das Vertrauensverhältnis sei zudem nachhaltig gestört, da vertrauliche Telefonate in Pressekonferenzen völlig verzerrt dargestellt worden seien.
Technische Visionen vs. bürokratische Hürden
Robert Marc Lehmann enthüllte in seinem Statement auch Details seines geplanten Rettungskonzepts für Wal Timmy vor Poel. Er schlug unter anderem vor:
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Maulöffnung mittels Luftkissen: Einsatz von speziellen Hochdruck-Luftkissen (ähnlich wie bei Wagenhebern), um das Maul des Tieres sanft zu öffnen.
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Endoskopische Untersuchung: Einsatz von Kameras und Lichtleitern, um zwischen den Barten nach verbliebenen Resten von Geisternetzen zu suchen.
Diese Vorschläge wurden jedoch vom Ministerium mit dem Hinweis abgelehnt, dass dies die Expertise eines ausgebildeten Tierarztes erfordere. Lehmann entgegnete darauf, dass weltweit kaum ein Tierarzt speziell für solche extremen Strandungssituationen bei Bartenwalen ausgebildet sei. Seine Ideen seien schlichtweg nicht berücksichtigt worden.
Das kollektive Schuldbewusstsein und die Lehren
Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann sprach zudem den „inneren Struggle“ an, der ihn und sein Team zerreißt. Während im Hintergrund bereits größere, „impactstärkere“ Projekte laufen, bricht ihm das Schicksal des einzelnen Wals das Herz. Er sieht in Wal Timmy vor Poel einen Spiegel unseres menschlichen Fehlverhaltens: Überfischung, Geisternetze und der allgemeine Umgang mit der Natur werden durch dieses Sterben vor unserer Haustür sichtbar.
„Ich kann euch dieses kollektive Schuldbewusstsein nicht nehmen“, so Lehmann. Er rief dazu auf, die Verzweiflung in Taten umzuwandeln: den Fischkonsum zu überdenken, sich für die Forschung zu engagieren oder sich Organisationen zur Walrettung anzuschließen. Der Wunsch nach einem einzelnen „Helden“, der das Tier in letzter Sekunde rettet, sei in dieser festgefahrenen Situation nicht mehr erfüllbar.
Ein Appell zur Menschlichkeit
Abschließend richtete Robert Marc Lehmann einen dringenden Appell an die zerstrittene Community: „Seid bitte lieb zueinander.“ Die gegenseitigen Beschimpfungen, Drohungen gegen Minister, Experten und sein eigenes Team müssten aufhören. Er forderte dazu auf, die Verantwortlichen nun ihren Plan verfolgen zu lassen, auch wenn der „Drops gelutscht“ sei. Für die Zukunft mahnte er eine bessere Zusammenarbeit an: Bei einer solchen Tragödie müssten alle Beteiligten von der ersten Sekunde an an einem Strang ziehen – mit dem Fokus allein auf dem Tierwohl: „Whale first.“ Artikelempfehlung: Kann man den Wal Timmy sprengen oder einschläfern?






