Ein schwerer Auffahrunfall mit fünf beteiligten Fahrzeugen bei Heidesheim hat am Donnerstagnachmittag (19.03.2026) den Verkehr rund um Mainz zum Erliegen gebracht. Doch neben den Blechschäden und den Verletzungen rückte ein altbekanntes, gefährliches Phänomen in den Fokus der Kritik: Die mangelhaft gebildete und noch schlechter freigehaltene Rettungsgasse auf der A60 im Bereich Heidesheim.
Gefährlicher „Ziehharmonika-Effekt“
Obwohl viele Autofahrer zunächst vorbildlich reagierten, beobachteten Augenzeugen und Einsatzkräfte ein besorgniserregendes Muster. Sobald das erste Rettungsfahrzeug die Gasse passiert hatte, schlossen zahlreiche Fahrer die Lücke sofort wieder. Dieses Verhalten zwang nachfolgende Notärzte und die Feuerwehr dazu, sich erneut mühsam Platz zu verschaffen. Eine funktionierende Rettungsgasse auf der A60 muss jedoch zwingend so lange offen bleiben, bis der Stau sich auflöst, da auch Abschleppdienste und Reinigungsteams zur Unfallstelle vordringen müssen.
Missbrauch durch Zweiräder und rücksichtslose Spurwechsel
Besonders negativ fielen einige Motorrad- und Rollerfahrer auf, welche die Rettungsgasse auf der A60 schamlos ausnutzten, um im Stau schneller voranzukommen. Diese Manöver gefährden nicht nur die Fahrer selbst, sondern blockieren im Ernstfall lebenswichtige Durchfahrten für breite Feuerwehr-Lkw. Hinzu kamen hektische Spurwechsel von Pkw-Fahrern im absoluten Stillstand, was die Unübersichtlichkeit für die herannahenden Blaulichtfahrzeuge zusätzlich verschärfte.
Kritik an Berufskraftfahrern
Überraschend negativ war das Bild bei einigen Lastkraftwagen. Trotz ihrer professionellen Ausbildung positionierten manche Lkw-Fahrer ihre Fahrzeuge so ungünstig, dass die Gasse massiv verengt wurde. In einigen Fällen schien die Neugier auf das Unfallgeschehen („Gaffen“) größer zu sein als die Disziplin beim Einhalten der vorgeschriebenen Seitenabstände. Dieses Fehlverhalten bei der Rettungsgasse auf der A60 verlängerte die Wartezeit für alle Beteiligten im Stau auf über eine Stunde.
Appell der Einsatzkräfte
Die Helfer betonen nach dem Einsatz bei Heidesheim erneut: Eine Rettungsgasse rettet Leben. Wer die Durchfahrt blockiert oder zu früh wieder schließt, riskiert die Gesundheit der Unfallopfer und verzögert die Bergung der Wracks. Letztlich schaden sich die Blockierer selbst, da die Autobahn erst dann wieder freigegeben werden kann, wenn alle Einsatzmittel – vom Rettungswagen bis zum schweren Abschlepper – die Einsatzstelle ungehindert verlassen konnten.





