Der Messenger-Dienst WhatsApp reagiert auf die veränderte Mediennutzung junger Zielgruppen und führt ein spezielles Modell für WhatsApp für Kinder ein. Wie das Unternehmen in seinem offiziellen Blog bekannt gab, richtet sich das neue Angebot explizit an die Altersgruppe der 10- bis 12-Jährigen. Dabei handelt es sich nicht um eigenständige Profile, sondern um durch die Eltern verwaltete Konten, die direkt mit dem Hauptaccount eines Erziehungsberechtigten verknüpft werden.
Einrichtung und Kontrolle durch die Eltern
Die Kopplung der Geräte erfolgt in einem direkten Prozess, bei dem das Smartphone des Kindes und das der Eltern nebeneinandergelegt werden. Ein zentrales Element der Sicherheit bei WhatsApp für Kinder ist die Einführung einer sechsstelligen Eltern-PIN. Diese schützt sämtliche Privatsphäre-Einstellungen davor, vom Kind eigenständig verändert zu werden. Eltern erhalten die volle Entscheidungsgewalt darüber, wer das Kind kontaktieren darf und welchen Gruppen es beitreten kann. Zudem müssen Nachrichtenanfragen von unbekannten Nummern erst durch die Erziehungsberechtigten geprüft und freigegeben werden.
Funktionsumfang und Datenschutz
Trotz der strengen Aufsicht bietet WhatsApp für Kinder den gewohnten Kernfunktionsumfang. Das Versenden von Textnachrichten und Medien sowie das Führen von Telefonaten bleibt möglich. Ein wichtiger Punkt für den Datenschutz: Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt auch für Kinderkonten bestehen. Eltern können zwar sehen, mit wem ihr Kind kommuniziert, haben jedoch keinen direkten Einblick in die Chat-Inhalte. Zusätzliche Funktionen wie „Kanäle“ oder der „Status“ können von den Eltern individuell eingeschränkt oder komplett deaktiviert werden, um den Nachwuchs vor ungeeigneten Inhalten zu schützen.
Rechtlicher Rahmen und Kritik
Offiziell liegt das Mindestalter für die Nutzung von WhatsApp in der EU seit 2024 bei 13 Jahren. Mit dem neuen Modell für WhatsApp für Kinder unterläuft Meta diese Grenze formal, da die rechtliche Verantwortung durch die Verknüpfung bei einer volljährigen Person liegt. Kinderschutzorganisationen wie „Hate Aid“ sehen diese Entwicklung zwiespältig. Während die verbesserte Kontrolle begrüßt wird, kritisieren Experten, dass Kinder oft schon wesentlich früher – im Schnitt mit sieben bis acht Jahren – erste Social-Media-Konten anlegen. Die Forderung nach einer wirksamen, EU-weiten Altersverifikation anstelle einer einfachen Selbstauskunft bleibt daher weiterhin bestehen.
Die neue Funktion wird derzeit schrittweise für die aktuellsten Versionen von Android und iOS ausgerollt. Eltern haben zudem die Möglichkeit, mehrere Kinderkonten gleichzeitig über ein einziges Hauptkonto zu verwalten, was die Koordination in Familien mit mehreren Kindern erleichtert.





