BYC-NewsSportDie Karriere des „Neandertalers“ Frédéric Vosgröne

Die Karriere des „Neandertalers“ Frédéric Vosgröne

Vom schwierigen Start im Heim zum ungeschlagenen Halbschwergewichtler bei Oktagon MMA – Eine Porträt über Talent und Wille

In der harten Welt des Mixed Martial Arts (MMA) gibt es Kämpfer, die durch ihre Athletik glänzen, und solche, die durch ihre Geschichte beeindrucken. Frédéric Vosgröne vereint beides. Der 1996 geborene deutsche Halbschwergewichtler hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der spannendsten Personalien im europäischen Kampfsport entwickelt. Unter dem markanten Spitznamen „Neandertaler“ bekannt, sorgt er nicht nur durch sein außergewöhnliches Erscheinungsbild, sondern vor allem durch seine technische Dominanz auf der Matte für Schlagzeilen.

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Herkunft und Identität: Warum eigentlich „Neandertaler“?

Die Biografie von Frédéric Vosgröne ist keine klassische Sportlerkarriere. Aufgewachsen ist er zeitweise in einem Heim, eine Erfahrung, die oft den Grundstein für eine besondere mentale Härte legt. Heute lebt er in Mettmann, einer Stadt im Niederbergischen Land, die weltweit für das angrenzende Neandertal bekannt ist. Diese geografische Nähe zu den historischen Fundstätten, kombiniert mit seiner imposanten Statur und seinem markanten Gesicht, führte fast zwangsläufig zu seinem Kampfnamen. Doch hinter der rauen Fassade des „Neandertalers“ verbirgt sich einer der technisch versiertesten Bodenkämpfer, die Deutschland derzeit zu bieten hat.

Die Basis des Erfolgs: Weltklasse im Brazilian Jiu-Jitsu

Bevor Frédéric Vosgröne den Schritt in den Käfig wagte, machte er sich auf den Tatamis der Welt einen Namen. Seine Wurzeln liegen im Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ), wo er es bis zum prestigeträchtigen Schwarzen Gürtel brachte. Seine Bilanz im Grappling liest sich wie eine Sammlung internationaler Toptitel:

  • WM-Bronze 2022: Bei der No-Gi-Weltmeisterschaft der IBJJF im Superschwergewicht.

  • EM-Silber 2024: In der offenen Klasse (Absolute Division) bei der No-Gi-Europameisterschaft.

  • EM-Bronze 2023: Ebenfalls in der offenen Klasse auf europäischer Ebene.

  • ADCC-Silber 2024: Bei den prestigeträchtigen ADCC European, Middle East & African Championships in der Klasse über 99 kg.

Diese Erfolge sind das Fundament für seinen MMA-Stil. Während viele Kämpfer versuchen, den Kampf im Stand durch Schlagabtäusche zu entscheiden, sucht Frédéric Vosgröne gezielt den Bodenkampf. Einmal dort angekommen, ist er für seine Gegner brandgefährlich, da er über ein enormes Repertoire an Aufgabegriffen (Submissions) verfügt.

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Die MMA-Karriere: Fünf Kämpfe, fünf Submissions

Sein Profidebüt gab der Mettmanner im Mai 2021 in Amsterdam. Gegen Erhan Okuroglu bewies er direkt, dass sein BJJ-Stil perfekt in den Käfig übersetzbar ist. In der zweiten Runde beendete er den Kampf durch einen Arm-Triangle Choke. Es folgte eine Phase der Weiterentwicklung im renommierten UFD Gym Düsseldorf, wo er unter der Leitung von Ivan und Tomi Dijakovic mit Weltklasse-Athleten trainiert.

Im Jahr 2024 untermauerte er seinen Ruf als „Finisher“. Besonders spektakulär war sein Sieg bei „We Love MMA 74“ in Stuttgart: Nach nur 16 Sekunden zwang er Christian Fischer per Heel Hook (Fersenhebel) zur Aufgabe. Auch Nicolas Đurđević konnte ihm im Dezember 2024 nichts entgegensetzen und geriet ebenfalls in einen blitzschnellen Heel Hook.

Der Durchbruch bei Oktagon MMA und der „Viral-Moment“

Der endgültige Sprung in die internationale Sichtbarkeit gelang Frédéric Vosgröne am 5. April 2025 bei seinem Debüt für Oktagon MMA. In der Dortmunder Westfalenhalle traf er auf den starken Franzosen Jorick Montagnac. Der Kampf bot eine Szene, die um die Welt ging: In einer ungewöhnlichen Defensivaktion klammerte sich Vosgröne sichtbar an das Bein seines Gegners – ein Bild, das in den sozialen Medien sofort viral ging und ihm enorme Aufmerksamkeit bescherte. Doch Vosgröne bewies, dass dies kein reiner Slapstick war, sondern Teil eines zähen Kampfstils. In der zweiten Runde triumphierte er erneut durch einen Arm-Triangle Choke.

Zuletzt bestätigte er seine Form im September 2025 in Frankfurt am Main, als er Fabio Moraes do Carmo bereits in der ersten Runde mittels Rear-Naked Choke (Würgen von hinten) zur Aufgabe zwang. Damit steht seine Bilanz bei makellosen 5-0 – alle Siege durch Submission.

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MMA-Statistik im Überblick:

  • 30.05.2021 – LFL 1 (Amsterdam) vs. Erhan Okuroglu – Sieg (Arm-Triangle Choke, R2)

  • 26.10.2024 – WLMMA 74 (Stuttgart) vs. Christian Fischer – Sieg (Heel Hook, R1)

  • 21.12.2024 – WLMMA 76 (Berlin) vs. Nicolas Đurđević – Sieg (Heel Hook, R1)

  • 05.04.2025 – Oktagon 69 (Dortmund) vs. Jorick Montagnac – Sieg (Arm-Triangle Choke, R2)

  • 20.09.2025 – Oktagon 76 (Frankfurt) vs. Fabio Moraes do Carmo – Sieg (Rear-Naked Choke, R1)

Ausblick: Die Zukunft des Halbschwergewichts

Mit seiner ungeschlagenen Serie und der Vertragssituation bei Oktagon MMA, einer der größten Organisationen Europas, stehen Frédéric Vosgröne alle Türen offen. Sein Weg zeigt, dass er bereit ist, mit den Besten der Gewichtsklasse zu konkurrieren. Die Fans dürfen gespannt sein, ob der „Neandertaler“ seine 100-prozentige Submission-Quote auch in künftigen Kämpfen halten kann und wann der erste Titelkampf für ihn in greifbare Nähe rückt. Eines ist sicher: Wenn Vosgröne den Käfig betritt, ist mit technischem Bodenkampf auf höchstem Niveau zu rechnen. Hier gibt es alles zur Karriere von Christian Eckerlin

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