Es ist ein Phänomen, das bei vielen Autofahrern für Stirnrunzeln in Rheinhessen und der Umgebung sorgt. Wenn man bei hoher Geschwindigkeit an einem einzelnen Schuh vorbeifährt, schießen einem unweigerlich verschiedene Szenarien durch den Kopf. Handelt es sich um die Überbleibsel eines schrecklichen Unfalls? Die Gerüchteküche brodelt in sozialen Netzwerken regelmäßig, sobald das Thema Schuhe auf der A60 aufkommt. Doch die Autobahnpolizei und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz können hier schnell Entwarnung geben: Hinter den Funden stecken keine Verbrechen oder Tragödien, sondern meist schlichte Vergesslichkeit.
Die Rolle der Logistik: Das Trittbrett als Übeltäter
Die Hauptverantwortlichen für die verlorenen Schuhe auf der A60 sind in den meisten Fällen Lastkraftwagen. Lkw-Fahrer verbringen ihre Pausen und Ruhezeiten oft auf den Rastplätzen entlang der Strecke. Während dieser Pausen wechseln die Fahrer häufig ihr Schuhwerk. Wer stundenlang am Steuer sitzt, bevorzugt bequeme Slipper oder Socken, doch für Kontrollgänge am Fahrzeug, das Sichern der Ladung oder kleine Reparaturen am Motor ist festes Schuhwerk zwingend erforderlich.
Hier passiert das Missgeschick:
Die Arbeitsschuhe werden nach getaner Arbeit ausgezogen und – mangels Platz oder aus Gewohnheit – auf das äußere Trittbrett des Fahrerhauses gestellt. Steigt der Fahrer dann wieder ein und setzt seine Fahrt fort, werden die Schuhe schlichtweg vergessen. Die Physik erledigt den Rest. Sobald der Lkw beschleunigt oder in die erste Kurve geht, verabschiedet sich der erste Schuh. Meist geschieht dies schon nach wenigen hundert Metern. Der zweite Schuh hält sich oft noch ein wenig länger durch die Vibrationen, bis auch er ein paar Kilometer weiter vom Trittbrett geschleudert wird. Das erklärt, warum man selten ein Paar, sondern fast immer nur einzelne Schuhe auf der A60 findet, die in gewissem Abstand zueinander liegen.
Smartphones, Geldbeutel und Kaffeetassen: Mehr als nur Schuhe
Die Straßenmeistereien, die regelmäßig die Grünstreifen und Fahrbahnen reinigen, finden jedoch nicht nur Schuhe. Das Phänomen der „vergessenen Gegenstände“ betrifft alle Fahrzeugklassen. Klassisch ist das Ablegen von Utensilien auf dem Fahrzeugdach oder der Motorhaube während des Beladens oder Tankens.
Neben den typischen Schuhe auf der A60 landen so regelmäßig Smartphones, Brillenetuis und sogar prall gefüllte Geldbeutel auf dem Asphalt. Während ein Schuh meist nur ein materieller Verlust ist, führen herunterfallende elektronische Geräte oder schwere Gegenstände oft zu gefährlichen Situationen für den nachfolgenden Verkehr. Aus diesem Grund sammeln die Mitarbeiter der Straßenmeistereien diese Fundstücke zeitnah ein, um die Verkehrssicherheit nicht zu gefährden. Wer also das nächste Mal einen einsamen Stiefel am Rand der A60 sieht, kann beruhigt sein: Wahrscheinlich ärgert sich gerade ein Fernfahrer am Zielort über seine eigene Vergesslichkeit.
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