BYC-NewsWiesbadenStadtverwaltung WiesbadenWalhalla Sanierung: 70 Millionen Euro für Wiesbadens neues Kultur-Herz

Walhalla Sanierung: 70 Millionen Euro für Wiesbadens neues Kultur-Herz

Kostensprung und grünes Licht für das Großprojekt

Die Landeshauptstadt Wiesbaden steht vor einer ihrer finanziell ambitioniertesten kulturellen Investitionen der letzten Jahrzehnte. Für die umfassende Walhalla Sanierung sind nach aktuellem Planungsstand rund 70 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe markiert eine deutliche Steigerung gegenüber früheren Schätzungen, die noch von etwa 49 Millionen Euro ausgingen. Trotz des Kostensprungs hat die Stadtverordnetenversammlung am 11. Februar 2026 den Stand der Planungen zur Kenntnis genommen und damit den Weg für die ersten entscheidenden Schritte der baulichen Revitalisierung freigemacht.

Warum die Walhalla Sanierung 70 Millionen Euro kostet

Die enorme Investitionssumme von 70 Millionen Euro erklärt sich durch die Komplexität des Vorhabens. Die Walhalla, ein historisches Varieté-Theater aus dem Jahr 1897, ist nicht nur ein Einzelkulturdenkmal von besonderem Rang, sondern befindet sich auch in einem baulich kritischen Zustand.

  • Schadstoffsanierung: Bevor die eigentlichen Umbauarbeiten beginnen können, muss das Gebäude aufwendig von Altlasten befreit werden.

  • Statische Ertüchtigung: Jahrzehntelanger Leerstand und bauliche Veränderungen erfordern massive Eingriffe in das Tragwerk, um die Sicherheit für künftige Veranstaltungen zu gewährleisten.

  • Historische Restaurierung: Ein Teil der Gelder fließt in die Freilegung und Wiederherstellung historischer Fassadenreste und Deckenkonstruktionen (wie der berühmten Rabitzdecke), die unter späteren Anbauten verborgen liegen.

Finanzierung außerhalb des regulären Kulturetats

Ein entscheidender Punkt in der politischen Debatte war die Finanzierung. Der Kulturbeirat der Stadt Wiesbaden hatte bereits frühzeitig klargestellt, dass die Walhalla Sanierung nicht aus dem laufenden Kulturetat finanziert werden kann, ohne andere Projekte zu gefährden. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende bestätigte, dass das Projekt als stadtentwicklungspolitisches Großvorhaben betrachtet wird. Bisher sind bereits rund 7,5 Millionen Euro an Planungs- und Vorbereitungskosten angefallen. Die endgültige Freigabe der Mittel erfolgt schrittweise, wobei eine vertiefte Kostenberechnung als nächste Grundlage dienen soll.

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Zeitplan: Sichtbare Veränderungen ab Sommer 2026

Mit der Sanierung soll eine „Hängepartie“ beendet werden, die Wiesbaden seit den 1990er Jahren beschäftigt.

  1. März 2026: Auszug des letzten Mieters im Erdgeschoss.

  2. Sommer 2026: Start der sichtbaren Rückbauarbeiten, unter anderem des westlichen Anbaus aus den 1930er Jahren.

  3. 2030: Geplanter Abschluss der Bauarbeiten und Eröffnung als moderner Kulturort.

Ein Investment in die Innenstadt

Trotz der Kritik an den hohen Kosten wird die Walhalla Sanierung als Motor für die Belebung der Wiesbadener Innenstadt gesehen. Die 70 Millionen Euro sind somit nicht nur eine Investition in Steine und Denkmalschutz, sondern auch in die Attraktivität der Fußgängerzone und die kulturelle Infrastruktur der Stadt. Bis zum Jahr 2030 soll aus der maroden Ruine ein einzigartiger Veranstaltungsort werden, der Historie und moderne Eventkultur unter einem Dach vereint.

Vom Prachtbau zum Sorgenkind: Die Geschichte des Walhalla

Das Walhalla Wiesbaden ist eines der geschichtsträchtigsten und zugleich umstrittensten Gebäude im Herzen der hessischen Landeshauptstadt. Es handelt sich um ein ehemaliges Varieté-Theater, das 1897 im neobarocken Stil erbaut wurde und über Jahrzehnte als kulturelles Zentrum der Stadt diente.

Hinter der Fassade in der Mauritiusstraße verbirgt sich eine wechselvolle Nutzungsgeschichte. Ursprünglich als großzügiges Varieté-Theater für 1.400 Besucher konzipiert, entwickelte sich das Objekt später zum Unterhaltungszentrum mit dem Bambi-Kino und namhaften Diskotheken wie dem „Big Apple“. Ab Ende der 1990er Jahre setzte jedoch der Niedergang ein; erhebliche Baumängel und Sicherheitsrisiken führten schließlich im Jahr 2017 zur vollständigen Schließung des Komplexes.

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