Das Jahr 2025 markierte für Chemnitz und sein Umland einen Wendepunkt: Als Kulturhauptstadt Europas zog die Region Millionen Besucher an und räumte mit alten Klischees auf. Doch wer glaubte, nach den 2.000 Veranstaltungen fiele die Region in einen Dornröschenschlaf, irrt. Was bleibt, ist eine erstklassige kulturelle Infrastruktur, die Tradition und Moderne auf internationalem Niveau verknüpft.
Kulturregion Chemnitz: Expressionismus als Identitätsstifter: Schmidt-Rottluff und die Brücke
Die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz haben sich fest in der europäischen Spitzenklasse etabliert. Das Profil ist geschärft: Expressionismus, Gegenwartskunst und Design bilden den Kern. Ein besonderer Magnet bleibt der umfangreiche Nachlass von Karl Schmidt-Rottluff. Seit 2025 ist das Erlebnis rund um den „Brücke“-Künstler komplett: Das Karl-Schmidt-Rottluff-Haus – im ehemaligen Elternhaus und der benachbarten Mühle – bietet intime Einblicke in das Leben und Schaffen des Meisters.
In unmittelbarer Nähe setzt das Museum Gunzenhauser Maßstäbe. Mit über 3.000 Werken beherbergt es eines der weltweit größten Konvolute von Otto Dix. Auch die Nachbarstadt Zwickau bleibt dem Expressionismus treu und inszeniert ihren großen Sohn Max Pechstein mit modernen Formaten wie dem digitalen „MaxRaum“.
Architektur und Klang: Das Erbe von Van de Velde und Schumann
Neben der Malerei ist es die Architektur, die Chemnitz zum Ziel für Ästheten macht. Die Villa Esche, entworfen von Henry van de Velde, ist weit mehr als ein Museum. Als Jugendstil-Gesamtkunstwerk verbindet sie heute museale Historie mit moderner Gastronomie in der ehemaligen Remise.
Musikalisch führt kein Weg an Zwickau vorbei. Im originalgetreu rekonstruierten Geburtshaus von Robert Schumann lagert die weltweit bedeutendste Sammlung zu Robert und Clara Schumann. Handschriften und persönliche Exponate machen die Musikgeschichte hier greifbar, während der hauseigene Kammermusiksaal die Tradition lebendig hält.
Bildergalerie: Kulturregion Chemnitz
Kulturregion Chemnitz: Kunst im öffentlichen Raum: Der Purple Path und Festival-Highlights
Dass Kunst in Sachsen nicht an Museumsmauern endet, beweist der „Purple Path“. Dieser Kunst- und Skulpturenweg vernetzt die gesamte Region und bringt Werke von Weltstars wie Rebecca Horn oder Jeppe Hein in die sächsische Landschaft. Ob Wanderer, Radfahrer oder Bahnreisende – die Installationen verwandeln die Natur in eine begehbare Galerie.
Ein besonderes Datum im diesjährigen Kulturkalender ist zudem der Zeitraum vom 18. Juni bis zum 5. Juli. Mit dem Festival „Theater der Welt“ gastiert eines der bedeutendsten internationalen Events für darstellende Kunst in Chemnitz. Mit 40 Produktionen aus den Bereichen Tanz, Oper und Performance unterstreicht die Stadt ihren Anspruch, auch nach dem Titeljahr ein Zentrum des globalen Diskurses zu bleiben.
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